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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

06. Dezember 2017 Fatigue bei Krebs: Strategien zur Hilfe und Selbsthilfe

Tumorerkrankungen und die damit verbundenen Therapien sind eine starke Belastung für Körper und Seele. Sie führen nicht selten zu ausgeprägten körperlichen, seelischen und geistigen Zeichen der Erschöpfung. Diese als Fatigue-Syndrom (cancer related fatigue; CRF) zusammengefassten Krankheitsfolgen können über Jahre anhalten und die Lebensqualität nachhaltig beeinträchtigen.
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Fachinformation
Dr. Stefanie Kreissl, Köln, griff die Fatigue-Problematik am Beispiel von Hodgkin-Patienten auf. Dank hocheffektiver Therapiestandards können heute zwar über 90% von ihnen geheilt werden, jedoch klagen viele Patienten über eine – teils langanhaltende – Fatigue. In Ermangelung prospektiver Daten zu Häufigkeit und Verlauf der Fatigue wurden die aktuellen Studienprotokolle (5. Generation) der Deutschen Hodgkin Studiengruppe (GHSG) im vorigen Jahr um eine umfassende Auswertung zur CRF ergänzt. Von 85% der insgesamt 5.306 Studienteilnehmer lagen im Erfassungszeitraum (bis 5 Jahre nach Therapieende) Fatigue-Daten vor. Demnach ist eine klinisch relevante Fatigue häufig bereits bei Diagnosestellung vorhanden und korreliert stark mit der Tumorlast.

Sie erreicht während der Therapie unabhängig vom Krankheitsstadium und der Therapie-Intensität ihr größtes Ausmaß und nimmt danach deutlich ab. Bei mehr als 70% der erfolgreich behandelten Patienten verbesserte sich die Fatigue langfristig deutlich. Hohe Fatigue-Werte vor und während der Therapie korrelieren mit einem erhöhten Risiko für Langzeit-Fatigue. Die Chronizität der Beschwerden wirkt sich nachteilig auf die meisten Aspekte der Lebensqualität aus und führt häufig zur Berufsunfähigkeit, was die meist jungen Hodgkin-Patienten zusätzlich belastet.

Um das Risiko insbesondere einer Langzeit-Fatigue zu verringern, empfiehlt sich laut Kreissl ein einheitliches Vorgehen vom Screening über die Information bis hin zur Nachsorge (1). Die Therapieoptionen bei Fatigue sind erst wenig untersucht. Gute Erfolge werden der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) zugeschrieben. Die GHSG plant deshalb in Kooperation mit der Universität Leipzig eine randomisierte Interventionsstudie, die Hodgkin-Patienten aller Krankheitsstadien mit schwerer Langzeit-Fatigue einschließt und die Wirksamkeit einer KVT (beginnend 6-12 Monate nach Therapierende) einer nicht-behandelten Kontrollgruppe (Warteliste) gegenüberstellt.


Tumor-assoziierte Fatigue in der Krebsberatung

An Krebs erkrankte Patienten mit Fatigue fühlen sich oft unzureichend betreut, in Studien betrug ihr Anteil bis zu 57%. Dazu mag nach Angabe von Dr. Irene Fischer, Institut für Tumor-Fatigue-Forschung, Emskirchen, beitragen, dass eine Tumor-Fatigue (noch) keine ICD-Diagnose ist und die Betreuungs-angebote (teils über gemeinnützige Organisationen) von Ort zu Ort sehr unterschiedlich ausfallen.

Die Bayerische Krebsgesellschaft e.V. (BKG) bietet seit 2013 eine für Patienten kostenlose Tumor-Fatigue-Sprechstunde an, zu der eine umfassende Diagnostik mit Anamnese sowie Auswertung von Fragebögen und Patientenakten, eine individuelle Beratung sowie das Angebot von Kursen zur Linderung der Symptome gehören.

In Abstimmung mit dem Patienten werden geeignete Behandlungsschritte ausgewählt, um Erschöpfungssymptome zu mildern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Mögliche pharmakologische Therapieansätze (z.B. D-Methylphenidat, Dexamethason, Guarana, Ginseng) werden besprochen und bei Bedarf über den betreuenden Arzt verordnet.

Einen weiteren Beratungsschwerpunkt bilden nicht-medikamentöse Verfahren zur Linderung einer Fatigue (u.a. vermehrte körperliche Aktivität, Mind-Body-Verfahren, psychosoziale Interventionen, Selbstmanagement-Programme etc.).


Kognitive Verhaltenstherapie hat sich bewährt

Die Erwartungen an nicht-pharmakologische Therapien gegen Fatigue sind hoch, zumal Studien zur Wirksamkeit von Medikamenten fehlen. Wie Prof. Dr. Hans Knoop, Amsterdam/Niederlande, erläuterte, wird zwar die Fatigue durch die Krebserkrankung induziert, für deren Aufrechterhaltung über lange Zeiträume seien aber andere Faktoren maßgeblich. Schwierigkeiten in der Verarbeitung der Krebserkrankung sowie die Angst vor einem Rezidiv könne zu einer Chronifizierung der Fatigue beitragen. Hier setzt die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) an, die nach einem Modell von Gielissen et al. (2) in Form von Modulen verschiedene Fatigue-relevante kognitive Muster aufdeckt und bearbeitet. Dazu gehören die Entwicklung einer Coping-Strategie in Bezug auf die Krebserkrankung, der Umgang mit der Angst, die Vermeidung dysfunktionaler Verhaltensweisen, die Wiederherstellung eines gesunden Schlafrhythmus, die Wiederaufnahme körperlicher Aktivitäten und Veränderungen im sozialen Bereich. Nicht jeder Patient, so Knoop, brauche Unterstützung in allen Themenbereichen, vielmehr könne das Programm individuell zusammengestellt werden. In der Regel umfasst das Programm 12 Therapiestunden verteilt auf ein halbes Jahr.

Dr. Beate Grübler

Quelle: Symposium „Fatigue – Status Quo“, DGHO, 02.10.2017, Stuttgart; Veranstalter: Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs

Literatur:

(1) Bower JE et al. J Clin Oncol 2014;32(17):1840-50.
(2) Gielissen MF et al. J Clin Oncol 2006; 24(30):4882-7.


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