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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

06. Dezember 2016 Eisenüberladung: Chelationstherapie besteht Praxistest

Myelodysplastische Syndrome (MDS) sind oligoklonale Stammzellerkrankungen, die vor allem durch periphere Zytopenien und ein erhöhtes Risiko der Entwicklung zu einer akuten myeloischen Leukämie (AML) gekennzeichnet sind. Die meisten Patienten benötigen im Verlauf der Krankheit regelmäßig Erythrozyten-Transfusionen, durch die es zur Eisenüberladung kommen kann. Bei der DGHO-Jahrestagung in Leipzig wurden Ergebnisse vorgestellt, die die Wirksamkeit einer Eisenchelationstherapie bei solchen Patienten in der täglichen Praxis bestätigen.
Eine Studie des Deutschen MDS-Registers sollte die Altersverteilung von Patienten mit myelodysplastischen Syndromen (MDS) in der täglichen Routine und die Bedeutung des Internationalen Prognostischen Scoring-Systems (IPSS) in verschiedenen Alterskategorien untersuchen. Wie H. Steinmetz, Köln, berichtete, waren bei insgesamt 2.118 MDS-Patienten im medianen Alter von 74,9 Jahren sowohl höheres Alter als auch IPSS-Risikoklasse signifikant mit dem Mortalitätsrisiko assoziiert.

Auch bei den Patienten im Alter von ≥ 80 Jahren ist der IPSS ein wertvolles Prognose-Tool: Gegenüber der Niedrigrisiko-Gruppe steigen die Hazard Ratios hier in den einzelnen Risikoklassen von 1,4 auf 3,8 an. Innerhalb der Risikokategorien waren männliches Geschlecht und eine Transfusionsabhängigkeit bei Diagnose des MDS in der multivariaten Analyse signifikante Risikofaktoren für die über 80-Jährigen. Das für Alter und Geschlecht standardisierte Mortalitätsrisiko war bei den über 80-jährigen Patienten in der Niedrigrisiko-Gruppe um den Faktor 1,773 und in der Hochrisiko-Gruppe um das 8,83-Fache höher als in den entsprechenden Strata der Normalbevölkerung.

Wie wirksam die Behandlung mit dem oralen Eisenchelator Deferasirox bei MDS-Patienten mit Eisenüberladung aufgrund von Transfusionen ist, wurde in der nicht-interventionellen prospektiven Studie EXSEPT an 280 Patienten im medianen Alter von 74 Jahren geprüft. Die meisten Patienten erhielten zu Beginn 2-4 Erythrozytenkonzentrate pro Monat, so F. Nolte, Berlin. Die Behandlung mit Deferasirox wurde mit einer mittleren Dosis von 15,6 mg/kg begonnen, und 60% der Patienten blieben auf Dauer bei ihrer Startdosis. Die mittleren Titer des Serum-Ferritins, die zu Beginn bei 2.093 µg/ml gelegen hatten, waren nach 24 Monaten bei den 49 Patienten, für die diese Werte verfügbar waren, auf 1.751 µg/ml gesunken.

70% der Patienten (n=195) hatten die Chelationstherapie nach im Mittel 253 Tagen vorzeitig beendet, in 59 Fällen aufgrund von Tod und in 44 Fällen wegen Nebenwirkungen. Insgesamt wurden bei 249 Patienten Nebenwirkungen registriert, 32% davon während der ersten 3 Monate der Behandlung, am häufigsten Abfälle der Kreatinin-Clearance (26%), Kreatinin-Anstiege (19%), Fatigue (7%), Diarrhoe (15%) und Nausea (10%).

Die Behandlung mit Deferasirox ist also in der Praxis ähnlich wirksam und verträglich wie in den Studien. Nebenwirkungen bleiben – speziell bei älteren Patienten – ein Hauptgrund für Therapieabbrüche, aber ein effektives Therapiemanagement könnte helfen, die Verträglichkeit noch zu steigern.


Mit freundlicher Unterstützung der Novartis Pharma GmbH

(jg)


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