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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

18. Oktober 2016 Eisenchelation verlängert Überleben von transfusionspflichtigen MDS-Patienten

Bei Myelodysplastischen Syndromen (MDS) kommt es aufgrund wiederholter Bluttransfusionen häufig zu einer Eisenüberladung (1). Eine effektive Eisenchelation senkt das erhöhte Mortalitätsrisiko von MDS-Patienten (2, 3). Hierfür steht voraussichtlich ab Oktober 2016 als neue Darreichungsform die Deferasirox-Filmtablette zur Verfügung.
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Eisen ist essentiell für den Sauerstofftransport, die mitochondriale Atmungskette, Hämoglobin- und DNA-Synthese, Zellwachstum und -proliferation und wichtiger Bestandteil der Metalloproteasen. Doch – „...allein die Dosis machts, dass ein Ding kein Gift sei“ (Paracelsus). Zuviel Eisen ist toxisch. Gefährlich ist das freie, labile Plasmaeisen (LPI=labile plasma iron), das bei einer Transferrin-Sättigung ab > 70% entsteht, erklärte Prof. Dr. Norbert Gattermann, Düsseldorf. Über die sog. Fenton-Reaktion bilden sich freie Radikale, welche Mitochondrien, DNA, Lipide und Proteine schädigen. Folgen einer Eisenüberladung sind Organschäden. Zunächst ist die Leber betroffen, dann wird das Herz in Mitleidenschaft gezogen. Doch nicht allein die Eisenkonzentration im Gewebe ist ausschlaggebend, sondern auch die Dauer der Exposition mit freien Radikalen, bemerkte Gattermann.
 
Eisenüberladung – unabhängiger Risikofaktor bei MDS
 
Ein steuerbares Ausscheidungssystem von Eisen besitzt der menschliche Organismus nicht. Häufig betroffen von einer Eisenüberladung sind deshalb transfusionspflichtige Patienten mit MDS. Diese Patientengruppe weist per se schon ein schlechteres Gesamtüberleben auf als die nicht-transfusionspflichtigen MDS-Patienten, so Gattermann. Dennoch sei die Eisenüberladung ein eigenständiger Risikofaktor für das Gesamtüberleben bei Patienten mit niedrig malignem MDS, die über eine längere Zeit von Transfusionen abhängig sind. Dies hätten multivariate Analysen ergeben.
 
Eine Eisenüberladung scheint nicht nur für Organschäden verantwortlich zu sein, sondern auch die Transformation einer MDS hin zu einer Akuten Myeloischen Leukämie (AML) zu fördern. Eine Studie, die auf dem 57th ASH Annual Meeting vorgestellt wurde (4), unterstützt die Vermutung, dass Eisenüberladung kausal mit einer erhöhten genetischen Instabilität bei MDS verknüpft ist.
 
Ein Aderlass ist die wirksamste Methode, innerhalb kurzer Zeit überschüssiges Eisen aus dem Körper zu entfernen, ist aber bei Erkrankungen, die mit einer Anämie einhergehen – wie MDS – nicht anwendbar. Für MDS-Patienten ist die Eisenchelation eine effektive Behandlung der Eisenüberladung, die zudem einen günstigen Effekt auf die Hämatopoese hat, erklärte Gattermann. So konnte in der EPIC-Studie mit Deferasirox bei einem Teil der MDS-Patienten eine Verbesserung der Hämatopoese erzielt werden. Matched-pair-Analysen am Düsseldorfer MDS-Register (2) haben gezeigt, dass die Eisenchelation auch einen Überlebensvorteil bietet. Die kanadische MDS-CAN-Register-Studie (3) unterstützt dies.
 
MDS zählt zu den seltenen Erkrankungen, wird aber mit zunehmendem Alter häufiger. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 65-75 Jahren. 75% der Patienten werden transfusionsbedürftig. Sie erhalten Erythrozytenkonzentrate (EK) im Intervall von 2-16 Wochen in Abhängigkeit von der klinischen Symptomatik. Bei moderater Transfusionsbedürftigkeit mit 2 EK pro Monat sammeln sich innerhalb von 4 Jahren etwa 20 g Eisen im Körper an. Die normale Menge an Körpereisen beträgt nur 3-4 g.
 
Deferasirox-Filmtablette

 
Eine verbesserte Behandlung der Eisenüberladung bietet Deferasirox (Exjade®) als einziger Eisenchelator, der 1x täglich einzunehmen ist und über 24 Stunden wirkt. Die Deferasirox-Filmtablette besitzt eine bessere Bioverfügbarkeit als die in Wasser aufzulösende Deferasirox-Tablette, so dass 30% weniger Substanz benötigt wird, berichtete Prof. Dr. Wolf-Karsten Hofmann, Mannheim. Die Deferasirox-Filmtablette steht in 3 Wirkstärken zur Verfügung (90, 180 und 360 mg), die jeweils äquivalent zu den 3 Wirkstärken der Deferasirox-Suspensionstablette (125, 250 und 500 mg) sind.
 
Die Filmtablette sollte im Ganzen mit etwas Wasser eingenommen werden, kann aber auch geteilt oder zerkleinert werden, wenn die Patienten sie im Ganzen nicht schlucken können. Sie enthält keine Laktose und kein Laurylsulfat und sollte mit einer leichten Mahlzeit eingenommen werden, empfahl Hofmann. Die empfohlene Initialdosis der Filmtablette liegt bei 14 mg/kg KG pro Tag, was einer Dosis von 20 mg/kg KG pro Tag der Suspensionstablette entspricht. Bei gastrointestinaler Unverträglichkeit (Diarrhoen) sollte die Behandlung unterbrochen und später in einer niedrigeren Dosierung mit 5 oder 10 mg/kg KG pro Tag wieder aufgenommen und langsam gesteigert werden. Inzwischen wird das Vorgehen der ansteigenden Dosierung in der überarbeiteten Leitlinie auch für die Primärtherapie empfohlen, informierte Gattermann.

as

Quelle: Pressekonferenz „Exjade® Filmtabletten – Gute Wirksamkeit neu formuliert“, 05.09.2016, München; Veranstalter: Novartis Oncology

Literatur:

1. Toma A et al. Eur Oncol 2008; 4(2):63-65.
2. Neukirchen J et al. Leuk Res 2012; 36(8): 1067-70.
3. Parmar A et al. ASH 2015; Abstr. 1701.
4. Westhofen G et al. ASH 2015; Abstr. 2842.


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