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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

23. Juli 2019
Seite 1/4
Einfluss der Taxane auf die Therapiesequenz des Magenkarzinoms

S. Lorenzen, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III, Hämatologie und Onkologie, Klinikum rechts der Isar, München, R.-D. Hofheinz, III. Medizinische Klinik, Hämatologie und Onkologie, Universitätsklinikum Mannheim, S.-E. Al-Batran, Krankenhaus Nordwest, University Cancer Center Frankfurt, Zentrum für gastrointestinale Tumoren, Frankfurt am Main, F. Lordick, Universitäres Krebszentrum, Leipzig, M. Stahl, Klinik für Internistische Onkologie & Hämatologie mit integrierter Palliativmedizin, Evang. Kliniken Essen-Mitte.

Das Adenokarzinom des Magens und des gastroösophagealen Übergangs (AEG) ist nach wie vor eine Tumorentität mit schlechter Prognose. Während in der Therapie solider Tumoren in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte erzielt wurden, verliefen beim Magenkarzinom zahlreiche Phase-III-Studien negativ. Zu den bisherigen Therapieerfolgen zielgerichteter Therapien zählen die Einführung von Trastuzumab beim HER2+ Magenkarzinom in der ersten Therapielinie und die Angiogenesehemmung mit dem Antikörper Ramucirumab in der Zweitlinie. Taxane haben sich im perioperativen Setting in Form des FLOT-Regimes sowie in der zweiten Therapielinie etabliert und neue Standards gesetzt. In der Erstlinientherapie werden sie in Kombination mit einem Platin- und 5-Fluorouracil (5-FU)-haltigen Regime als eine Behandlungsoption für Patienten mit hoher Tumorlast und starkem Remissionsdruck eingesetzt. Seitdem mehrere positive Studien zur Zweit- und Drittlinientherapie veröffentlicht wurden, spielt die Sequenztherapie auch beim metastasierten Magenkarzinom und AEG-Tumor eine zunehmend wichtige Rolle.
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Fachinformation
Im Gegensatz zum Magenkarzinom, dessen Inzidenz rückläufig ist, nehmen AEG-Tumore in den letzten Jahrzehnten weltweit exponentiell zu. Insgesamt bleibt das metastasierte Magenkarzinom weiterhin eine der häufigsten tumorbedingten Todesursachen mit einer kurzen medianen Überlebenszeit von unter 12 Monaten (1). Hinsichtlich der Therapie des Magenkarzinoms steht einer überschaubaren Anzahl überzeugender und erfolgreicher Studien eine große Zahl gescheiterter klinischer Untersuchungen gegenüber: In jüngster Zeit verliefen mehrere Phase-III-Immuntherapie-Studien wie z.B. JAVELIN Gastric 300 und Keynote-61 beim Magenkarzinom negativ (2, 3). Zielgerichtete Therapiekonzepte mit Cetuximab und Panitumumab (epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor, EGFR), Lapatinib, Pertuzumab und Trastuzumab-Emtansin (Human Epidermal Growth Factor Receptor 2, HER2), Rilotumumab und Onartuzumab (Mesenchymal-Epithelial Transition Factor Protoonkogen-Rezeptor-Tyrosinkinase, MET) u.a. zeigten bei Adenokarzinomen des Magens und beim AEG-Tumor keine ausreichende Wirksamkeit.

Eine etablierte neuere Behandlungsoption ist hingegen die Therapie mit Trastuzumab beim HER2+ Magenkarzinom (4). Ebenfalls regelmäßig verwendet werden Taxan-haltige Therapieregimes: Sie sind in der perioperativen Therapie (FLOT=5-Fluorouracil (5-FU), Leucovorin, Oxaliplatin und Docetaxel), in der neoadjuvanten Therapie bei AEG-Tumoren (CROSS-Regime; präoperative Radiochemotherapie, gefolgt von der Resektion), sowie in der Erstlinien- (FLOT oder DCF=Docetaxel, Cisplatin und 5-FU) und Zweitlinienbehandlung (Ramucirumab + Paclitaxel) durch Phase-III-Studien in ihrer Wirksamkeit abgesichert (5-7).


Offene Fragen im Behandlungsalltag

Allerdings fehlen in der deutschen S3-Leitlinie spezifische Empfehlungen, ob und wie eine sequenzielle Taxan-haltige Therapie sinnvoll im Therapiealgorithmus dieser Tumoren integriert werden kann (8). Differenzierter äußert sich dazu die Onkopedia-Leitlinie, die eine Doublette ohne Taxan als Standard definiert (9). Dies ist insofern bedeutsam, als ähnliche Wirk- und Resistenzmechanismen sowie die überlappenden Toxizitätsprofile die wiederholte Verwendung von Taxanen einschränken können. Für die Therapie im Behandlungsalltag stellen sich einige wichtige Fragen, wie z.B.:

• Taxan-haltige Therapien können nur mit Einschränkungen in unmittelbar aufeinanderfolgenden Therapielinien gegeben werden. Zu welchem Therapiezeitpunkt sollte welche Taxan-haltige Therapie eingesetzt werden, um ein optimales Ergebnis für den Patienten zu erzielen?

• Für welche Therapiesituation ist ein Triplett mit einem Taxan eine mögliche Therapieoption in der Erstlinie?

• Ist eine erneute Exposition mit einem Taxan in der metastasierten Situation sinnvoll, wenn bereits im lokal fortgeschrittenen Stadium im Rahmen einer perioperativen oder neoadjuvanten Therapie ein Taxan (z.B. im FLOT-Regime oder in Kombination mit Radiochemotherapie im CROSS-Protokoll) verabreicht wurde?

 
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  • Tumormutationslast etabliert sich als prädiktiver Marker für das Ansprechen auf Pembrolizumab bei soliden Tumoren
  • Hohes und langanhaltendes Ansprechen auf Pembrolizumab-Monotherapie bei unterschiedlichen MSI-H-Tumoren
  • Checkpoint-Inhibition in der adjuvanten und metastasierten Situation hat für Patienten mit Melanom das Überleben neu definiert
  • Magenkarzinom/Adenokarzinom des ösophagogastralen Übergangs: Patienten mit MSI-high-Tumoren profitieren besonders von Checkpoint-Inhibition
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