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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

07. Dezember 2016 Aktuelle Behandlungsoptionen und Bedeutung der MRD

Interview mit Prof. Dr. Dr. med. Michael Kneba, Kiel.

Chronische Lymphatische Leukämie

Der glykomodifizierte Typ-II-Anti-CD20-Antikörper Obinutuzumab (Gazyvaro®) ist etablierter Erstlinien-Standard bei typischen Patienten mit Chronischer Lymphatischer Leukämie (CLL) und Begleiterkrankungen. Die Studiendaten der Zulassungsstudie CLL11 und die Bedeutung der minimalen Resterkrankung (MRD) als prognostischen Faktor erläutert Prof. Dr. Dr. Michael Kneba vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel am Rande des „Xth International Workshop on the occasion of the 20th anniversary of the German CLL Study Group”.
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Michael Kneba, Kiel
JOURNAL ONKOLOGIE: Wie stellt sich die Behandlungssituation von typischen CLL-Patienten mit Begleiterkrankungen aktuell dar?

Kneba:
Diese CLL-Patienten mit Komorbiditäten vertragen keine intensive Therapie. Mit der CLL11-Studie konnte eine wesentliche Forschungslücke zur Therapie typischer CLL-Patienten geschlossen werden. In der Phase-III-Studie wurde randomisiert Chlorambucil alleine mit einer Kombination aus Chlorambucil und Rituximab bzw. dem glykomodifizierten Typ-II-Anti-CD20-Antikörper Obinutuzumab verglichen. Dabei hat sich erstaunlicherweise herausgestellt, dass Obinutuzumab das progressionsfreie Überleben von median 15,7 Monaten unter Chlorambucil und Rituximab auf 28,7 Monate praktisch verdoppelt. Aus Patientensicht höchst relevant ist die signifikante Verlängerung der Zeit bis zum Beginn der nächsten Therapie von 38,2 auf 51,1 Monate, das sind beinahe 4 Jahre therapiefreie Zeit – für einen 80-jährigen Patienten ist das ein gewaltiger Fortschritt.

Die Ergebnisse zeigen also, dass der glykomodifizierte Typ-II-Anti-CD20-Antikörper gegenüber Rituximab deutlich überlegen ist, und dass auch CLL-Patienten mit Begleiterkrankungen von einer modernen Chemoimmuntherapie profitieren.


JOURNAL ONKOLOGIE: Wie wird Obinutuzumab im aktuellen Therapiealgorithmus empfohlen?

Kneba:
In den ESMO-Leitlinien wird die Kombination eines Anti-CD20-Antikörpers mit Chlorambucil für CLL-Patienten mit Begleiterkrankungen mit dem höchsten Empfehlungsgrad A bewertet. In diesem Zusammenhang verweist die ESMO explizit auf die CLL11-Studie, da sie die Überlegenheit von Obinutuzumab gegenüber Rituximab zeigte.


JOURNAL ONKOLOGIE: Im Rahmen der Zulassungsstudie CLL11 wurde eine Analyse zur minimalen Resterkrankung durchgeführt. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Ergebnisse?

Kneba:
Hervorzuheben ist, dass man mit Rituximab in Kombination mit Chlorambucil ebenso wie mit Chlorambucil alleine praktisch keine komplette molekulare Remission erreicht – keine oder sagen wir nur eine sehr geringe MRD-Negativität. Das wird dramatisch besser mit der Kombination aus Chlorambucil und Obinutuzumab – da erreichen wir etwa bei 30% der Patienten ein sehr gutes MRD-Ansprechen. Das übersetzt sich auch in ein längeres medianes progressionsfreies Überleben, d.h. man hat hier eine Gruppe von etwa 30% der Patienten, die ganz erheblich von dieser Therapie profitieren.


JOURNAL ONKOLOGIE: Wird sich die Rate der erreichten MRD-Negativität als Parameter für den erzielten Studienerfolg weiter etablieren?

Kneba
: Ja, da bin ich mir sicher. Der MRD-Status ist von der europäischen Zulassungsbehörde auch schon als Endpunkt in Studien akzeptiert. Das Problem bei Studien zur CLL oder anderen langsam fortschreitenden Erkrankungen ist folgendes: Die Therapie läuft über 6 Monate, aber wenn wir das progressionsfreie Überleben als Endpunkt verwenden, müssen wir 5-6 Jahre warten, bis wir ein Ergebnis haben und eine Aussage zur Wirksamkeit von Therapien treffen können. Dagegen sehen wir anhand des MRD-negativen Status bereits bei Therapieende einen Unterschied. Das hat sich für die CLL zum ersten Mal in der CLL8-Studie gezeigt und jetzt auch in der CLL11-Studie. Für Zulassungsstudien bedeutet dies, dass Medikamente sehr viel früher zugelassen werden können und damit den Patienten auch bis zu 4 Jahre früher zur Verfügung stehen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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