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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

15. Oktober 2019 „CLL14-Studie hat Überlegenheit von Venetoclax + Obinutuzumab gezeigt“

Interview mit Prof. Dr. med. Clemens Wendtner, Chefarzt, Klinik für Hämatologie, Onkologie, Immunologie, Palliativmedizin, Infektiologie und Tropenmedizin, München Klinik Schwabing.

Auf der diesjährigen ASCO-Jahrestagung in Chicago wurden die Ergebnisse der primären Endpunktanalyse der CLL14-Studie vorgestellt. Prof. Dr. Clemens Wendtner, München Klinik Schwabing, Sekretär der Deutschen CLL Studiengruppe, erläutert im Interview die zentralen Studienergebnisse und deren Bedeutung für die Weiterentwicklung der CLL-Therapie.
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Clemens Wendtner
Wie sieht aktuell die Therapiesituation für CLL-Patienten mit Begleiterkrankungen in der Erstlinie aus?

Prof. Wendtner: Basierend auf den Empfehlungen der DGHO ist die Standardbehandlung für diese Patientengruppe eine Chemoimmuntherapie mit Obinutuzumab und Chlorambucil. Darüber hinaus wird in Deutschland die Kombination von Rituximab und Bendamustin sehr häufig appliziert, was sich auch in der Leitlinie widerspiegelt. Außerdem ist es seit ca. 2 Jahren möglich, Ibrutinib als orale Dauertherapie bei diesem Patientenkollektiv zu geben, dies ist entsprechend in der Leitlinie verankert.


Was waren Rationale und Studiendesign der CLL14-Studie?

Prof. Wendtner: Die Studie hat eine chemotherapiefreie Kombination, den BCL-2-Inhibitor Venetoclax + Obinutuzumab, gegen den bisherigen Standard in diesem Alterskollektiv, Obinutuzumab/Chlorambucil, geprüft. In-vitro-Daten hatten uns bereits gezeigt, dass es additive Effekte gibt, wenn Venetoclax und Obinutuzumab kombiniert werden. Ein wesentlicher Punkt des Studiendesigns ist, dass das Protokoll eine zeitlich auf 12 Zyklen begrenzte Therapie geprüft hat. Das heißt, 6 Zyklen wurden in der Kombination gegeben, gefolgt von 6 Zyklen Chlorambucil oder Venetoclax allein. Der primäre Endpunkt der CLL14-Studie war das progressionsfreie Überleben (PFS).


Was waren die zentralen Ergebnisse der Studie?

Prof. Wendtner: Es zeigte sich eine deutliche Überlegenheit des Venetoclax/Obinutuzumab-Arms gegenüber Obinutuzumab/Chlorambucil: Die Gesamtansprechrate betrug 85% für den Venetoclax/Obinutuzumab-Arm gegenüber 71% im Kontroll-Arm. Noch bedeutender waren die Raten an Komplettremissionen, die mit 50% vs. 23% mehr als verdoppelt wurden. Der primäre Endpunkt PFS war mit einer Risikoreduktion von 65% hoch signifikant zugunsten der Kombination Venetoclax/Obinutuzumab verschoben. Der Status der minimalen Resterkrankung (MRD) im peripheren Blut und im Knochenmark wurde ebenfalls erhoben, auch hier zeigte sich eine eindeutige Überlegenheit der Kombinationstherapie mit Venetoclax/Obinutuzumab. Im peripheren Blut betrug die MRD-Negativitätsrate 76% gegenüber 35% im Obinutuzumab/Chlorambucil-Arm. Das ist eine sehr hohe Rate, die bei diesem Alterskollektiv so noch nicht beschrieben wurde.


Welche Bedeutung hat der negative MRD-Status konkret?

Prof. Wendtner: Die MRD-Messung ist noch kein Standard in der Versorgung. Aber der MRD-negative Status ist ein sehr guter Prädiktor für ein langes PFS. Bei diesem Alterskollektiv ist eine lange nicht nur progressionsfreie, sondern auch therapiefreie Zeit entscheidend.


Ist es Ihrer Einschätzung nach denkbar, Therapien künftig anhand des MRD-Werts zu steuern?

Prof. Wendtner: Das ist die klare Perspektive und die Strategie, die von der Deutschen CLL Studiengruppe verfolgt wird. Meiner Meinung nach ist es die Zukunft, die Therapie MRD-adjustiert zu steuern, d.h. die Therapie zu einem definierten Zeitpunkt zu beenden. Bei der britischen Studiengruppe laufen bereits ähnliche Protokolle.


Welche langfristigen Erwartungen haben Sie bezüglich der Therapie von CLL-Patienten mit Begleiterkrankungen?

Prof. Wendtner: Sobald die Zulassung für den europäischen Markt vorliegt, wird es einen Umbruch in der CLL-Therapielandschaft geben, gerade für komorbide Patienten: Wir werden mit Venetoclax/Obinutuzumab eine neue Option für die Primärtherapie haben, die eindeutig gezeigt hat, dass sie in Bezug auf den primären Endpunkt überlegen ist. Zukünftig wird die Entscheidung in der Erstlinientherapie sein, Patienten entweder mit einer zeitlich limitierten Therapie mit Venetoclax/Obinutuzumab zu behandeln oder ihnen eine Dauertherapie mit Ibrutinib zu geben.


Vielen Dank für das Gespräch!

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