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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

09. Februar 2017 ALL bei pädiatrischen Patienten: Weniger ist doch nicht immer mehr

Die Behandlungsschemata für pädiatrische Patienten mit einer akuten lymphatischen Leukämie (ALL) sind intensiv mit einer Therapiedauer von 2-3 Jahren einschließlich einer Erhaltungstherapie. Das Überleben pädiatrischer ALL-Patienten konnte in den letzten 40 Jahren dramatisch verbessert werden, allerdings erleiden einige Patienten ein Rezidiv oder es bestehen therapiebedingte Langzeittoxizitäten. Eine Strategie, letztere zu reduzieren, besteht darin, jene Patienten zu identifizieren, die von einer weniger intensiven Therapie genauso profitieren könnten. Einer der besten prädiktiven Faktoren für das Outcome der ALL-Patienten ist die minimale Resterkrankung (MRD; minimal residual disease).
Martin Schrappe und Kollegen randomisierten in der klinischen Studie AIEOP-BFM-ALL 2000 1.164 pädiatrische ALL-Patienten in zwei Gruppen, eine mit weniger intensiven und eine mit Standardchemotherapie (1). Die Dauer der weniger intensiven Chemotherapie war kürzer (29 vs. 49 Tage), das Dexamethason um 30% reduziert und die Dosis von Vincristin, Doxorubicin und Cyclophosphamid um 50% reduziert. Primäres Ziel der Studie war es, eine Nichtunterlegenheit der verkürzten Chemotherapie im Vergleich zum Standardvorgehen zu zeigen. Nur Patienten mit einer negativen MRD an Tag 33 und Tag 78 nach Induktions-Chemotherapie wurden in dieser Studie randomisiert.

Nach einem medianen Follow-up von 8,6 Jahren betrug die 4-Jahres-krankheitsfreie Überlebensrate in der Gruppe mit verkürzter Chemotherapie 91,8% versus 95,8% in der Gruppe mit längerer Chemotherapie (p=0,04). Es gab einen Trend für eine höhere Rezidivrate in der Gruppe mit verkürzter Chemotherapie (6,3 vs. 3,2%). Kein signifikanter Unterschied bestand im 8-Jahres-Gesamtüberleben.

Schrappe kam zu der Schlussfolgerung, dass selbst unter den pädiatrischen ALL-Patienten mit günstiger Prognose (MRD-Negativität) eine intensitätsreduzierte Chemotherapie zu keinem besseren Ergebnis führte, was sich an der höheren Rezidivrate in der Gruppe von Patienten zeigte, die eine weniger intensive Chemotherapie erhalten hatten. Der Unterschied ist nicht dramatisch, doch wenn wir keine große randomisierte Studie durchgeführt hätten, dann hätten wir dies übersehen, so Schrappe.

Stephen P. Hunger, der die Studie kommentierte, sagte, dass der Ansatzpunkt korrekt ist und einige Patienten mit weniger Therapie geheilt werden können, es jedoch weiterer Strategien bedarf, diese Patienten zu identifizieren. Klinische Risikofaktoren wie Alter und initiale WBC-Zahl, Tumorgenetik und noch sensitivere MRD-Messungen sollten bei der Risikoabschätzung mit berücksichtigt werden. „Weniger ist nicht immer mehr und manchmal eben tatsächlich weniger“, so Hunger abschließend.

(as)

Literatur:

(1) Schrappe M et al. #4, presented 04.12.2016 at Plenary Scientific Session, ASH 2016.


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