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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

16. September 2020
Seite 1/3
Wundkomplikationen nach Resektion von Weichteilsarkomen

M. Dadras, B. Behr, M. Lehnhardt, BG Universitätsklinikum Bergmannsheil, Klinik für Plastische Chirurgie, Bochum.

Wundkomplikationen nach Resektionen von Weichteilsarkomen stellen eine häufige und wichtige chirurgische Komplikation dar. Im folgenden Artikel diskutieren wir die Relevanz von Wundkomplikationen und gehen ­hierbei auf eigene Studien zum Einfluss auf die onkologische Prognose ein. Aufbauend hierauf werden Strategien bezüglich der Reduktion von Wundkomplikationen diskutiert.
Für verschiedene Malignome konnte ein Zusammenhang von lokalen ­infektiösen bzw. entzündlichen Komplikationen mit einer schlechteren onkologischen Prognose gezeigt werden. So geht sowohl beim kolorektalen Karzinom (CRC) als auch beim Magen- oder Ösophaguskarzinom eine Anastomoseninsuffizienz mit einem schlechteren krankheitsspezifischen Überleben (DSS) einher (1, 2). Analog hierzu wurde auch für das Mammakarzinom oder Plattenepithelkarzinom des Kopf-Hals-Bereiches gezeigt, dass Wundkomplikationen mit einer schlechteren onkologischen Prognose assoziiert sind (3-6).

Während die genauen Ursachen hierfür kausal nicht belegt wurden, konnte in experimentellen Studien beispielsweise für das CRC gezeigt werden, dass die entzündliche peritoneale Flüssigkeit von Patienten mit einer Anastomoseninsuffizienz erhöhte Spiegel an Interleukin-6 (IL-6) und vascular endothelial growth factor (VEGF) aufweist und proliferationsfördernde und proinvasive Effekte auf CRC-Zell­linien hat (7, 8). Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass IL-6, ein klassisches proinflammatorisches Zytokin, ruhen­de Mammakarzinomzellen in eine aktivierte Form überführen kann (9). Zusammenfassend deuten die Daten somit auf einen Einfluss einer lokalen inflammatorischen Umgebung auf die Zellen hin.

Wundkomplikationen spielen auch nach Resektionen von Weichteil­sarkomen eine große Rolle (Abb. 1). Durch den entstehenden Tot­raum im Rahmen der Resektion und die oft notwendige neoadjuvante oder adjuvante Strahlentherapie sind diese Wunden in besonderem Maße gefährdet. Die Inzidenz von Wundkomplikationen nach Weichteilsarkomen wird in der Literatur mit 17,6-48% beschrieben (10). In uni- und multivariaten Analysen zeigten sich patientenbezogene Faktoren wie Alter und Morbidität, tumorassoziierte Faktoren wie die Tumorgröße oder behandlungs­assoziierte Faktoren wie die neoadjuvante Bestrahlung als Prädiktoren für die Entstehung von Wundkomplikationen (11, 12).
 
Abb. 1: A) 61-Jahre alter Patient mit Wundkomplikation am rechten Oberschenkel nach Resektion eines pleomorphen undifferenzierten Sarkoms und adjuvanter Radiatio, B) Ergebnis nach Debridement und Defektdeckung mittels gestielter Leistenlappenplastik.
Lupe
Abb. 1: A) 61-Jahre alter Patient mit Wundkomplikation am rechten Oberschenkel nach Resektion eines pleomorphen undifferenzierten Sarkoms und adjuvanter Radiatio, B) Ergebnis nach Debridement und Defektdeckung mittels gestielter Leistenlappenplastik.


Lediglich 2 Arbeiten beschäftigten sich mit der Frage, welchen Einfluss Wundkomplikationen nach Resektion von Weichteilsarkomen auf die onkologische Prognose haben. Behnke et al. konnten keinen Zusammenhang von infektiösen Wundkomplikationen mit lokalrezidivfreiem (LRFS), metastasenfreiem Überleben (MFS) oder DSS in 396 Extremitätenweichteilsarkomen be­obachten (13). Der Nachbeobachtungszeitraum wurde jedoch nicht angegeben und ein signifikant höherer Anteil der Patienten mit Wundkomplikationen erhielt eine neoadjuvante Strahlentherapie. Zudem war die Rate an unvollständigen Resektionen in der Gruppe ohne Wundkomplikationen höher, sodass beide Faktoren hier Störgrößen darstellen.

In einer Studie mit 546 Patienten mit Rumpf- und Extremitätensarkomen konnten Broecker et al. nach einem medianen Nachbeobachtungszeitraum von 37 Monaten einen ungünstigen Einfluss von allgemeinen Komplikationen, die Wundkomplikationen einschließend, auf das DSS feststellen, während dieser Zusammenhang für das LRFS nicht bestand (14). Auch in dieser Studie zeigte sich ein signifikanter Unterschied im Anteil der Patienten, die eine neoadjuvante Strahlentherapie erhielten, und es befanden sich in jeder Gruppe ca. 20% R1-Resektionen, sodass sich auch hier Einschränkungen in der Vergleichbarkeit ergaben.
 
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