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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
25. Juni 2021
Seite 1/3

Metastasiertes Melanom: Demografische Entwicklung,Therapie und Nachsorge

Interview mit Dr. med. Felix Kiecker, Dermatologie am Schlachtensee, Berlin.
Die Inzidenz des Melanoms der Haut ist in den vergangenen Dekaden gestiegen. Etwa jeder 50. Mensch in Deutschland erkrankt in seinem Leben an einem malignen Melanom. Das Melanom ist für ca. 90% aller Todesfälle an Hautkrebs verantwortlich und ist für Frauen in Deutschland der fünfthäufigste und für Männer der achthäufigste Tumor. Dermatologen und Epidemiologen rechnen in den nächsten Jahren mit einem weiteren Anstieg, vor allem bei Menschen über 60 Jahren. Das frühzeitige Erkennen von Melanomen ist der Schlüssel zur Reduktion der hohen Morbidität und Mortalität des malignen Melanoms. Dr. Felix Kiecker, Berlin, erläutert Präventionsmaßnahmen sowie die aktuelle Diagnostik und Therapie.
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Kiecker
Dr. Felix Kiecker, Berlin

Bei jüngeren Menschen in Ländern wie Australien und Neuseeland ist die Melanom-Inzidenz gesunken. Kann dies in erster Linie durch Aufklärungskampagnen in der Bevölkerung erklärt werden? Wieso funktioniert das hierzulande nicht so gut?

Ursprünglich sind Menschen mit keltischem Hauttyp nach Australien und Neuseeland gekommen – und damit ein Hauttyp, der überhaupt nicht an die dortigen Lebensbedingungen angepasst ist. Dies führte zu einem starken Anstieg der Melanom-Inzidenz, sodass dort frühzeitig eine Aufklärung stattgefunden hat – und das spiegelt sich jetzt in den Ergebnissen wider. So tragen dort viele Menschen an den Stränden z.B. spezielle Anzüge, die UV-Protektion bieten. In asiatischen Ländern setzt man sich nicht der Sonne aus, und es werden sogar Bleichcremes benutzt.

In Mittel- und Nordeuropa legen sich die Menschen dagegen nach wie vor gern in die Sonne. Das Verständnis für mögliche langfristige Folgen ist hierzulande noch nicht so ausgeprägt. Insbesondere die Kinder müssen geschützt werden, da die kindliche Haut deutlich empfindlicher ist und es vor allem die frühkindlichen Sonnenbrände sind, die die Melanom-Inzidenz in die Höhe treiben. Es ist wichtig, begreiflich zu machen, dass es unterschiedliche Hauttypen gibt und ein entsprechend an den Hauttyp angepasstes Verhalten erforderlich ist.

Zumindest zeigt sich in der Werbung eine Veränderung. So wurde früher mit stark braun gebrannten Menschen und Sonnencremes mit niedrigem Lichtschutzfaktor geworben. In den letzten Jahren sind die gezeigten Personen tatsächlich aber deutlich blasser geworden. Es hat also bereits ein Umdenken stattgefunden. Betrachtet man allerdings jüngere Menschen auf diversen Social Media-Plattformen, zeigen sich die Influencer doch wieder mit gebräunter Haut, und auch der Gang ins Solarium ist wieder „in“, was erschreckend ist.

Wir Hautärzte sind diesbezüglich alarmiert. Es ist zumindest ein Fortschritt, dass Solarien für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre verboten wurden, doch auch Erwachsene müssen noch dazulernen. Hier ist es hilfreich, wenn man in diesem Zusammenhang neben dem Hautkrebsrisiko auch die Hautalterung thematisiert und grundsätzlich radikal über die Risiken aufklärt.

Die Gefahr von Hautkrebs und die lange Entwicklung des Krankheitsprozesses ist für viele sehr abstrakt: Dass der Auslöser der Sonnenbrand vor 20 Jahren war und die Erkrankung oft erst Jahrzehnte später auftritt, kann nicht nachvollzogen werden.

Es ist daher wichtig, unser gängiges Schönheitsideal zu verändern und den Menschen zu vermitteln, dass ein braungebrannter Teint eben nicht gesünder, sondern dass exzessives Sonnenbaden gefährlich ist.

Darüber hinaus ist Hautkrebs eine Erkrankung, die auch schon jüngere Menschen trifft, d.h. auch unter 40-Jährige können bereits an einem Melanom erkranken. Es gibt zwar ein Melanom-Screeningprogramm; aufgrund der Altersgrenze dieses Screenings kann es jedoch sein, dass Jüngere nicht erfasst werden. Wir sehen dabei bereits aktinische Keratosen als Vorstufe eines ech-ten invasiven Plattenepithelkarzinoms der Haut als Krebs an, auch wenn diese i.d.R. nicht metastasieren. Dennoch kann daraus ein echter invasiver Krebs entstehen, der zu Metastasenbildung und zum Tode führen kann, sodass auch diese Frühform bzw. Vorstufe behandelt werden sollte. Im Allgemeinen erfolgt die Umwandlung aktinischer Keratosen in ein Plattenepithelkarzinom allerdings nicht sehr schnell.
 
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