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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
25. Juni 2021
Seite 1/3

Diagnostik und Therapie von Weichteil- und Knochensarkomen

Interview mit Prof. Dr. med. Axel Hillmann, Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg.
Die Behandlung von Weichteil- und Osteosarkomen erfordert eine besondere Fachexpertise. Prof. Dr. Axel Hillmann, Leitender Arzt der Abteilung Sarkome und Muskuloskelettale Tumoren am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg und einer der führenden Experten für Tumororthopädie in Deutschland, erläutert im Interview mit JOURNAL ONKOLOGIE die Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten von Sarkom-Patienten.
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Lisa Leypoldt
Prof. Dr. Axel Hillmann, Regensburg

Da Sarkome in verschiedene Untergruppen unterteilt werden, ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit erforderlich. Gibt es eine bestimmte Vorgehensweise in den Sarkomzentren? Erfolgt stets ein Tumorboard mit einer vollständigen Therapieplanung bis hin zur Nachsorge?

Bestimmte Vorgehensweisen gibt es schon lange, allerdings waren sie bisher eher auf eine einzelne Klinik oder Abteilung nach deren Gusto zugeschnitten. Seit etwa 2 Jahren gibt es tatsächlich strikte Vorgaben in den zertifizierten Sarkomzentren, wie ein Tumor behandelt werden soll. Wenn ein Patient mit einer Schwellung, die tumorverdächtig ist, in die Ambulanz kommt, wird zunächst eine bildgebende Diagnostik mit Röntgen und Kernspintomogramm durchgeführt. An diesen Aufnahmen und bestimmten Kriterien orientiert sich die weitere Vorgehensweise und ob ein Patient im Tumorboard vorgestellt wird. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn die Schwellung eine Wachstumsprogredienz hat, bei Beschwerden an einer bestimmten Stelle, die über einen Zeitraum von 4-6 Wochen bestehen bleiben, oder wenn der Tumor auf einen Nerv drückt. In diesen Fällen wird eine Gewebeprobe entnommen. Ergibt diese als Diagnose einen hochmalignen Tumor, wird im Tumorboard eine entsprechende Vorgehensweise empfohlen. Dies könnte zum Beispiel sein, noch vor der Operation mit einer Chemotherapie zu beginnen, also eine neoadjuvante Vorgehensweise. Während dieser Behandlung von etwa 3 Monaten wird beobachtet, ob der Tumor kleiner wird oder sich abkapselt, und dann erst wird operiert. Insbesondere bei Kindersarkomen hat sich dieses Therapiekonzept bewährt.

Oft wünschen Eltern eines Kindes mit einem Sarkom, dass möglichst schnell operiert wird, damit das Kind tumorfrei ist. Doch das neoadjuvante Verfahren hat sich in den vergangenen Jahren sehr gut bewährt und ist etabliert; unter dem Einfluss dieser 3-monatigen Chemotherapie kann der Tumor schrumpfen, und vor allem kann das Ansprechen auf die Chemotherapeutika gemessen werden. Falls der Patient kein Ansprechen zeigt, wird er in risikoangepasste Behandlungsgruppen eingeteilt mit einer Änderung der chemotherapeutischen Medikamente. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen ist dieses neoadjuvante Verfahren obligat. Im Anschluss wird operiert, mit oder ohne Rekonstruktion, und die Chemotherapie weitere 6 Monate fortgesetzt. Die Therapie ist dann beendet, und es folgt die Nachsorge.  

Gibt es aktuelle Diagnostikmethoden und Therapiestrategien, die die Situation der Patienten verbessern?

Vor allem bei Kindern und Jugendlichen können Beschwerden ohne eindeutige Ursache, die immer an der gleichen Stelle auftreten und die sich innerhalb von 4-6 Wochen nicht bessern, nicht mehr als „Wachstumsschmerzen“ eingeordnet werden. Nach spätestens 4 Wochen muss hier eine Diagnostik mittels einer Röntgen­untersuchung erfolgen, zusätzlich kann eine Ultraschalluntersuchung sinnvoll sein. Bei Verdacht wird ein Schnittbildverfahren benötigt, d.h. eine Computertomographie oder ein Kernspin. Die Kernspintomographie ist insbesondere für die Darstellung von Weichteilkomponenten unabdingbar.

Zusammenfassend kann man die Diagnostik folgendermaßen beschreiben:

•    In der Anamnese werden Schmerzen bei unklarer Ursache angegeben
•     höchstens 4 Wochen warten
•    Diagnostik mittels Röntgen und Ultraschall, wenn möglich auch eine Kernspintomographie
•    bei Verdachtsdiagnose auf einen Tumor Überweisung in ein Sarkomzentrum

Sollte sich in der Kernspintomographie der Verdacht auf einen bösartigen Tumor erhärten, wird mit dem Patienten innerhalb von 5 Tagen ein Termin zur Probebiopsie und für weitere Diagnostik, wie eine Computertomographie der Lunge sowie Ultraschall des Abdomens, vereinbart. Zu den neueren Diagnostikverfahren gehört z.B. die Positronen-Emissionstomographie, die jedoch eher im weiteren Verlauf oder bei der Suche nach primären Metastasen, nicht für die Primärdiagnostik erforderlich ist.

Bei der Biopsie erfolgt ein Schnellschnitt und ein sog. „Langsamschnitt“. Bei der abschließenden Diagnose eines Osteosarkoms, die etwa 10-12 Tage beansprucht, wird die onkologische Abteilung darüber informiert, dass dieser Patient so schnell wie möglich eine Chemotherapie braucht. Generell ist das ein sehr schneller Prozess.
 
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