Donnerstag, 22. August 2019
Navigation öffnen

JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

18. Oktober 2016 Zukunft des malignen Melanoms: Immunonkologische Kombinationstherapien?

Beim diesjährigen Kongress der European Association of Dermato-Oncology (EADO) wurden im Rahmen eines Satellitensymposiums immunonkologische Therapien mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren des fortgeschrittenen malignen Melanoms kritisch diskutiert und hinterfragt. Prof. Dr. Axel Hauschild, Kiel, leitete die Debatte.
Anzeige:
Fachinformation
Die Phase-I-Studie KEYNOTE-001 (1) untersuchte die Sicherheit und Wirksamkeit des anti-programmed cell death-1(PD-1)-Antikörpers Pembrolizumab und zeigte nach 2 und 3 Jahren ein Gesamtüberleben (OS) von 40% bei Erst- und Zweitlinien-Patienten, erklärte Hauschild. „Dies ist ein neuer Meilenstein. Die Dauer des Ansprechens ist die beste, die ich je gesehen habe. Nach 3 Jahren sprechen immer noch 57% der Responder auf die Therapie an, dies bedeutet, dass die Qualität der Therapie sehr hoch ist”, erläuterte Hauschild.

Die Phase-III-Studie KEYNOTE-006 (2) war die erste klinische Studie, die eine Behandlung des fortgeschrittenen Melanoms mit Checkpoint-Inhibitoren nicht mit konventioneller Chemotherapie verglich, sondern mit einer aktiven Substanz wie Ipilimumab, das zu diesem Zeitpunkt den Therapiestandard darstellte, so Hauschild. Das OS unter Pembrolizumab war mit 74,1% (Pembrolizumab alle 2 Wochen) bzw. 68,4% (Pembrolizumab alle 3 Wochen) signifikant besser als unter Ipilimumab mit 58,2%. „Dies zeigt eine klare Überlegenheit von Pembrolizumab gegenüber Ipilimumab und definiert den Therapiestandard neu”, sagte Hauschild.

In der KEYNOTE-029 expansion cohort study zeigte die Kombination von Pembrolizumab mit niedrig-dosiertem Ipilimumab eine Gesamtansprechrate (ORR) von 57% (3). „Obwohl dies kaum besser ist als unter Pembrolizumab-Monotherapie, muss nun getestet werden, ob die Kombinationstherapie mit Pembrolizumab zukünftig bedeutsam sein wird”, beschrieb Hauschild. Es sei ein sehr gutes Zeichen, dass das Ansprechen von 98% der Patienten zur Zeit des Daten-cut-offs noch anhielt.

Als sehr spannend und komplett neu bezeichnete Hauschild die internationale, randomisierte Phase-III-Studie KEYNOTE-252, die eine Kombinationstherapie mit Pembrolizumab und Epacadostat untersucht. Die KEYNOTE-022-Studie, eine Phase-I/II-Studie untersucht derzeit Pembrolizumab in Kombination mit Dabrafenib plus Trametinib.

Mit der Frage, ob Kombinations- die Monotherapien überwiegen, beschäftigte sich Prof. Dr. Sanjiv S. Argarwala, Pennsylvania, und kam zu dem Ergebnis, dass die Wahl der Therapie weiterhin auf individualisierten Entscheidungen auf Grundlage klinischer Parameter und dem Wunsch des Patienten basieren sollte. Gleichzeitig hofft Argarwala, „dass wir eines Tages Biomarker haben werden, die uns die Therapieentscheidung erleichtern”.

Ist eine gezielte Therapie die geeignetere Behandlungsentscheidung in der Erstlinie? „Diese Frage lässt sich nicht klar beantworten“, so Dr. Christian Blank, Amsterdam. „Wir haben eine Revolution in der Melanom-Therapie erlebt. Mittlerweile haben wir, zusätzlich zu Monotherapien, Kombinationen von zielgerichteten Therapien und Immun-Checkpoint-Inhibitoren“, erklärte Blank. Für die Patienten stünden sicherlich weiterhin die Fragen nach Heilung, Lebenserwartung und Lebensqualität im Vordergrund. Blank stellte zudem die Frage in den Raum, anhand welcher Parameter der behandelnde Arzt seine Therapieentscheidung treffen sollte. Bei Immuntherapien ist das Laktatdehydrogenase(LDH)-Level ein guter Marker. Bei Patienten mit normalem LDH sind sowohl die Monotherapie als auch eine Kombinationstherapie von Vorteil im Vergleich zu Patienten mit hohem LDH. Zudem ist LDH ein Marker für das Langzeitresultat von gezielten Therapien. Blank hatte gehofft, dass LDH helfen würde, die Therapieentscheidung für eine Immuntherapie oder eine gezielte Therapie zu erleichtern, doch derzeit gibt es keine klaren wissenschaftlichen Daten, die zeigen, dass das OS bei Patienten mit Immuntherapie besser ist als mit gezielten Therapien. Die PD-L1-Expression sollte im Moment nicht zur Behandlungsentscheidung herangezogen werden, erklärte Blank. Zudem spielt eine BRAF-Mutation wahrscheinlich keine große Rolle für das Outcome einer Checkpoint-Inhibition, „dies hängt wohl von einem anderem Marker ab“, sagte Blank. Die Tumorlast hingegen ist entscheidend für das Ansprechen auf eine Monotherapie mit PD-L1-Inhibitoren. Bei hoher Tumorlast sei die Ansprechrate nur etwa halb so hoch. Setzt die Therapie verzögert ein, dann sinkt die Wahrscheinlichkeit des Ansprechens. Dies gilt sowohl für Pembrolizumab als auch für Ipilimumab.

„Ich denke, die Zukunft der Behandlung des fortgeschrittenen malignen Melanoms liegt in Kombinationsansätzen und Pembrolizumab ist hier auf einem guten Weg“, schloss Hauschild.

ma

Quelle: Satellitensymposium „Great debates of immuno-oncology therapies in advanced melanoma“, 02.09.2016, Wien; Veranstalter: MSD

Literatur:

(1) Ribas A et al. JAMA 2016; 315(15):1600-9.
(2) Robert C et al. N Engl J Med 2015; 372:2521-32.
(3) Atkins MB et al. J Clin Oncol 33, 2015 (suppl; abstr 3009).


Das könnte Sie auch interessieren

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Die Bauchspeicheldrüse, das unbekannte Organ

Die Bauchspeicheldrüse (griech.: Pankreas) ist eine der größten Drüsen des Menschen. Dennoch ist nur wenigen bekannt, wo sie sich befindet und welche Funktionen sie übernimmt. Die Bauchspeicheldrüse ist ein keilförmiges Organ, ungefähr so groß wie eine Hand: ein bis zwei Zentimeter dick und etwa 15 Zentimeter lang. Sie liegt mitten im Oberbauch hinter dem Magen und vor der Wirbelsäule. Mit ihrem sich verjüngenden Ende – dem...

Erstes bundesweites Sommertreffen junger engagierter Krebspatienten

Erstes bundesweites Sommertreffen junger engagierter Krebspatienten
© Frantab / fotolia.com

„Danke für den gemeinsamen Spirit. Möge er uns weiter beflügeln“, so ein Feedback zum ersten Sommertreffen junger Krebspatienten in Deutschland. Frauen und Männer aus der gesamten Bundesrepublik kamen vom 29. Juni bis 1. Juli 2018 das erste Mal in Lauterbach (Hessen) zu einem gemeinsamen Kennenlernen und Austausch zusammen. Die etwa 50 Teilnehmer engagieren sich in den TREFFPUNKTEN der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs. Die Stiftung hatte...

Bayern gegen Leukämie – Gemeinsamer landesweiter Aktionstag für Typisierung am 25. Mai 2018

Bayern gegen Leukämie – Gemeinsamer landesweiter Aktionstag für Typisierung am 25. Mai 2018
© RFBSIP / Fotolia.com

Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Robert Koch-Institut Berlin rund 11.000 Menschen neu an Leukämie. Mit einer Stammzellspende können sie gerettet werden, jedoch gibt es für jeden zehnten Patienten noch immer keinen passenden Spender. Deshalb sind am 25. Mai alle Bayern aufgerufen, sich als Stammzellspender gegen Leukämie typisieren zu lassen. Die DAK-Gesundheit in Bayern unterstützt gemeinsam mit zahlreichen Partnern die nach Angaben der Stiftung Aktion...

Bewegung hilft bei der Krebstherapie

Bewegung hilft bei der Krebstherapie
© Witthaya / Fotolia.com

Dass Sport und eine Krebserkrankung sich nicht gegenseitig ausschließen, ist inzwischen bekannt. Erwiesenermaßen beugt Sport nicht nur vor, sondern hat auch therapeutische Wirkungen und verbessert die Lebensqualität. Doch wie sieht dies in der Praxis aus und welcher Sport empfiehlt sich in welchem Ausmaß bei welcher Therapie? Aktuell werden immer mehr Studien zu diesem Thema durchgeführt. Das Wohlbefinden des Patienten während und nach der Therapie steht...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Zukunft des malignen Melanoms: Immunonkologische Kombinationstherapien?"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2019
  • Subgruppenanalyse der ELIANA- und ENSIGN: Tisagenlecleucel auch bei jungen Patienten mit r/rALL und zytogenetischen Hochrisiko-Anomalien sicher und effektiv
  • Polycythaemia vera: Molekulares Ansprechen korreliert mit vermindertem Thrombose-Risiko und einer Reduktion von Thrombose- und PFS-Ereignissen
  • AML-Therapie 2019: Neue Substanzen im klinischen Einsatz, aber nach wie vor hoher Bedarf an neuen Therapieoptionen
  • Eisenüberladung bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS auch in Pankreas und Knochenmark nachweisbar
  • CML: Switch auf Zweitgenerations-TKIs nach unzureichendem Ansprechen auf Imatinib in der Erstlinie führt zu tieferen molekularen Remissionen
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin wirksam bei allen ELN-Risikoklassen und bei unterschiedlichen Gensignaturen
  • Real-world-Daten: Transfusionsabhängigkeit und Ringsideroblasten bei Niedrigrisiko-MDS assoziiert mit toxischen Eisenspezies und verkürztem Überleben
  • Erstlinientherapie der CML: Nilotinib führt auch im klinischen Alltag zu tieferen molekularen Remissionen als Imatinib
  • Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten
  • Therapiefreie Remission nach zeitlich begrenzter Zweitlinientherapie mit Eltrombopag bei Patienten mit primärer ITP erscheint möglich