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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

08. September 2017 Strahlentherapie in Kombination mit neuen Substanzen bei ZNS-Tumoren

Interview mit Dr. David Kaul, Charité Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Radioonkologie und Strahlen-therapie, Zuständigkeitsbereich neurologische Radioonkologie.

Die Datenlage zu Immun- und zielgerichteten Therapien bei Gliomen ist im Vergleich zu anderen Entitäten bisweilen noch sehr dürftig. Nur rezidivierten Patienten werden begleitend zur Radiochemotherapie neue Substanzen und Checkpoint-Inhibitoren verabreicht. Einen Ausblick zu Kombinationstherapien bei Tumoren des Zentralen Nervensystems (ZNS) gab Dr. David Kaul, Charité Berlin, in einem Interview mit JOURNAL ONKOLOGIE.
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Dr. David Kaul
JOURNAL ONKOLOGIE: Frühere Grading- und Staging-Einteilungen scheinen heute keine Rolle mehr zu spielen, stattdessen stehen klinisch relevante Mutationen (z.B. IDH1/2-Mutation, 1p/19q-Deletion) im Vordergrund. Sind diese Mutationen Biomarker/Prognosemarker – möglicherweise auch für das Ansprechen auf Immuntherapien?

Kaul:
Die WHO-Klassifikation von 2016 macht die Einteilung der Gliome zum ersten Mal abhängig von molekularen Markern; ein wichtiger Schritt in Richtung personalisierter Medizin. Zu den Immuntherapien ist jedoch zu sagen, dass die Datenlage im Bereich des Zentralnervensystems noch relativ dünn ist – zumindest im Vergleich mit anderen Tumorentitäten wie dem Lungenkarzinom oder dem malignen Melanom.


JOURNAL ONKOLOGIE: Wie ändert sich der Stellenwert etablierter Therapien wie OP, Radiochemotherapie, Temozolomid, durch neue Ansätze wie zielgerichtete Therapien und Immuntherapien?

KAUL:
Im Bereich der zielgerichteten Therapien sind aus meiner Sicht 3 therapeutische Ansätze besonders wichtig: Vakzine, virale Ansätze und Checkpoint-Inhibitoren. Ein Problem, das auch eine schwierige ethische Komponente beinhaltet, ist, dass diese Therapien zunächst einmal meist nur in der Rezidivsituation und/oder gemeinsam mit Temozolomid getestet werden können. Das heißt, bei Patienten, die vielleicht mehrere Bestrahlungen, Kortison und/oder Temozolomid etc. erhalten haben. In dieser Situation ist jedoch möglicherweise die Immunreaktion im ZNS eine ganz andere als bei primären Patienten, die noch keine Therapie mit immunsuppressiven Nebenwirkungen erhalten haben.


JOURNAL ONKOLOGIE: Welche Rolle spielt die Höhe der Mutationslast bei ZNS-Tumoren – die ja für eine Immuntherapie mit z.B. Checkpoint-Inhibitoren mit einem Ansprechen assoziiert zu sein scheint?

Kaul:
Auch hier kommt noch viel Arbeit auf die neuroonkologische Community zu. Es ist bekannt, dass ein hoher „mutational load“ zu höherer Immunogenität des Tumors führt – die Frage nach der klinischen Relevanz im ZNS wird jedoch erst in großen Studien zu beantworten sein.


JOURNAL ONKOLOGIE: Leben Hirntumor-Patienten heutzutage besser und länger mit ihrer Erkrankung – welchen Eindruck vermitteln die auf dem ASCO präsentierten Studien zur Toxizität und Lebensqualität? Wie ändert sich das Nebenwirkungsprofil bei Patienten mit Hirntumoren, wenn neue Substanzen dazu kombiniert werden?

Kaul:
In den meisten Studien, die wir auf dem ASCO gesehen haben, kam es im experimentellen Arm zu keinen Dosis-limitierenden Nebenwirkungen. Große Sprünge in Bezug auf das Gesamtüberleben wurden allerdings auch nicht präsentiert. Generell denke ich jedoch, dass wir hier noch mehr Erfahrungen sammeln müssen. Für mich als Radioonkologe ist es natürlich besonders spannend, wie Strahlentherapie und neue Substanzen in Kombination wirken. In diesem Zusammenhang freue ich mich zum Beispiel sehr auf die TOaSTT-Studie der DEGRO, die das Toxizitätsprofil stereotaktischer Bestrahlungen und zielgerichteter Therapien im Zusammenspiel untersuchen wird.

Was die Lebensqualität angeht, hoffe ich natürlich sehr auf neue und gut verträgliche zielgerichtete Therapien. Allerdings glaube ich, dass sich gerade durch die Verbesserung klassischer Therapieansätze viel getan hat. Die bildgeführte Hochpräzisionsbestrahlung erlaubt z.B. eine viel bessere Schonung von gesundem Gewebe als noch vor wenigen Jahren. Dies hat auch positive Auswirkungen auf die Lebensqualität.

Auch Tumor treating fields (TTF) spielen eine Rolle in der Gliom-Therapie. Hier haben wir in den letzten Jahren gelernt, dass die Lebensqualität durch das Tragen der Elektroden weitaus weniger beeinträchtigt wird als vermutet.


Vielen Dank für das Gespräch!

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