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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

08. Dezember 2016 Qualitätssicherung – ein wichtiges Anliegen des BNGO

Oberste Maxime des Berufsverbands Niedergelassener Gynäkologischer Onkologen (BNGO e.V.) ist die qualifizierte ambulante Behandlung von Frauen mit Brustkrebs und anderen gynäkologischen Tumoren. Der BNGO setzt sich für eine standardisierte Behandlung sowie Dokumentation und Transparenz in der gynäkologischen Onkologie ein. Die Dokumentation der gynäko-onkologischen Behandlung ist deshalb für die Mitglieder obligat. Derzeit sind im BNGO 138 hochspezialisierte niedergelassene gynäkologische Onkologen in 119 Praxen zusammengeschlossen.

Neben der Fort- und Weiterbildung und dem wissenschaftlichen Erfahrungsaustausch seiner Mitglieder fördert der BNGO die Qualitätssicherung. Aus diesem Grund wurde ein eigenes Dokumentationssystem in Kooperation mit der OnkoDataMed GmbH entwickelt.


ODM QuaSi

Unter aktiver Mitwirkung des BNGO entwickelte die OnkoDataMed GmbH (ODM) ein eigenes und für alle Mitglieder einheitliches System zur Dokumentation und Qualitätssicherung: ODM QuaSi. Das System dient der standardisierten Erfassung und Auswertung valider Patienten- und Therapiedaten in der ambulanten Praxis, der kontinuierlichen Qualitätssicherung und der einheitlichen Dokumentation von Behandlungsverläufen. Die fachspezifische und bundesweite Datenbank ermöglicht die Erfassung der Effektivität der in den BNGO-Praxen durchgeführten onkologischen Therapien. Die mit diesem Dokumentationssystem für niedergelassene Onkologen generierten, anonymen Datenbestände können als Basis für retrospektive Studien oder Fragestellungen der Marktforschung dienen. Für die Dokumentation wurden Richtlinien erstellt, für deren Einhaltung jeder Dokumentierende selbst haftet.


Gynäko-onkologische Praxen

Mit den neuen supportiven Therapien konnten niedergelassene Frauenärzte seit Beginn der 1990er Jahre Patientinnen mit gynäkologischen Tumoren nach einer Chemotherapie ambulant betreuen. Dazu gehört eine intensive Zusammenarbeit zwischen Kliniken und spezialisierten Ärzten, die Hinzunahme von Pflegediensten und psycho-onkologisch ausgebildeten Psychotherapeuten. Eine wohnortnahe und kompetente Betreuung durch den gleichen Arzt und sein Team bedeutet für die Patientinnen ein großes Stück Lebensqualität.

Gemäß dem Bundesarztregister waren am 31.12.2014 331 Frauenärzte in Deutschland zum Führen der Schwerpunktbezeichnung Gynäkologischer Onkologe berechtigt. 255 von ihnen sind Männer, 76 Frauen. 109 sind Vertragsärzte, 9 Partnerärzte, 26 angestellte Ärzte in Einrichtungen (Medizinische Versorgungszentren, Einrichtungen nach § 311 Sozialgesetzbuch V, KV-Eigeneinrichtungen und kommunale Eigeneinrichtungen), 7 sind angestellte Ärzte in freier Praxis.

Der BNGO verzeichnete zum 30.11.2015 137 Mitgliedspraxen, in denen insgesamt 282 Ärzte, 512 Arzthelferinnen, 175 Krankenschwestern und 105 Study Nurses oder Study Sekretärinnen arbeiten.

Insgesamt stehen in den 137 BNGO-Mitgliedspraxen 666 Chemotherapieplätze zur Verfügung.


Onkologische Versorgung


Patientendaten

2015 wurden in den Mitgliedspraxen des BNGO pro Quartal ca. 175.000 Patientinnen behandelt, davon ca. 34.300 Patientinnen mit gynäkologischen Tumorerkrankungen. 7.554 der in 2015 neu behandelten onkologischen Patienten wurden von 73 Praxen im Detail dokumentiert, davon waren 7.509 Frauen und 45 Männer. Der Großteil dieser dokumentierten Patienten (7.123) hatte Brustkrebs. 393 Patientinnen hatten ein Ovarial- und 40 ein Zervixkarzinom. Das mediane Alter der Patienten mit Mammakarzinom lag bei 57 Jahren, bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom betrug es 63 Jahre, bei Patientinnen mit Zervixkarzinom 53 Jahre. An klinischen Studien nahmen 691 der dokumentierten Patienten teil. Die große Mehrheit war gesetzlich, 392 Patienten waren privat versichert. 1.320 Mammakarzinompatienten wurden primär operiert. Dabei erfolgte die Primäroperation bei 176 Patienten in einer Praxis des BNGO. Bei 115 Patienten (65%) wurde brusterhaltend operiert.


Medikamentöse Therapien

Knapp 88% der 2015 detailliert dokumentierten Behandlungen waren Chemotherapien oder Zytostatika-haltige Kombinationstherapien: Eine reine Chemotherapie (ausschließlich mit Zytostatika) wurde bei 53,15% aller medikamentösen Behandlungen durchgeführt. In weiteren 29,6% der Fälle wurde die Chemotherapie in Kombination mit einem Antikörper verabreicht. 6,7% der durchgeführten Behandlungen waren Antikörpertherapien ohne Zytostatika. 13% der Behandlungen waren antihormonelle Therapien, z.T. in Kombination mit anderen Substanzen. Insgesamt wurden 1.577 Patienten (54,6%) mit einer adjuvanten und 738 (25,5%) mit einer neoadjuvanten Chemotherapie behandelt. 574 (19,9%) Patienten erhielten eine Chemotherapie für ihre metastasierte Erkrankung. 97% aller neoadjuvant behandelten Patientinnen hatten Brustkrebs.

Mammakarzinom: Von den 7.123 Patienten mit Mammakarzinom erhielten 2.486 (34,9%) eine Chemotherapie. Von ihnen hatten 2.087 ein frühes Mammakarzinom, von denen etwas mehr als ein Drittel (34,4%) mit einer neoadjuvanten Chemotherapie behandelt wurde. 65,6% erhielten eine adjuvante Chemotherapie. Bei 16% der chemotherapeutisch behandelten Mammakarzinompatienten befand sich die Erkrankung bereits im metastasierten Stadium. Der Großteil der Mammakarzinompatienten, 68,1% (4.851 von 7.123), wurde mit einer endokrinen Therapie behandelt. 1.421 Mammakarzinompatienten erhielten Antikörper (19,9%) (Abb. 1).
 

Abb. 1: Medikamentöse Therapien beim Mammakarzinom (in %).
Abb. 1: Medikamentöse Therapien beim Mammakarzinom (in %).


Ovarialkarzinom: Von den 393 Patientinnen mit Ovarialkarzinom wurden fast alle (369) chemotherapeutisch behandelt. 52,3% erhielten eine adjuvante Chemotherapie nach der Operation, 5,7% eine neoadjuvante Chemotherapie. Bei 42% konnte die Erkrankung nicht mehr mit kurativer Intention behandelt werden. 250 (63,6%) erhielten einen Antikörper und zwar fast ausschließlich Bevacizumab (248 Patientinnen).

Zervixkarzinom: Bei den 35 Patientinnen mit Zervixkarzinom, die eine Chemotherapie erhalten hatten, lag bei 57% bereits eine metastasierte Erkrankung vor. Auch die beim Zervixkarzinom dokumentierte Antikörpertherapie war fast ausschließlich Bevacizumab.

Anti-HER2-gerichtete Therapien: 1.164 Patienten mit Mammakarzinom erhielten eine zielgerichtete Therapie gegen ihre HER2+ Erkrankung. Am häufigsten wurde Trastuzumab eingesetzt: 81% aller Patienten mit HER2+ Mammakarzinom wurden mit Trastuzumab behandelt. Trastuzumab-Emtansin (T-DM1) erhielten 4%. Pertuzumab wurde bei 13,6% der HER2+ Mammakarzinome eingesetzt. Lapatinib erhielten knapp 1,5% der Patienten mit HER2+ Mammakarzinom.

Bevacizumab: Der Angiogenese-Inhibitor wurde bei 206 Patienten mit Mammakarzinom (2,9% aller dokumentierten Patienten mit Brustkrebs), 248 Ovarialkarzinompatientinnen (63,1%) und 10 Patientinnen mit Zervixkarzinom (25%) eingesetzt.

Osteoprotektive Therapien: Der RANK-Ligand-Inhibitor Denosumab wurde fast ausschließlich bei Patienten mit Mammakarzinom angewendet. 320 Mammakarzinompatienten (4,5%) wurden mit dem Antikörper osteoprotektiv behandelt. Osteoprotektive Therapien scheinen beim Ovarial- und Zervixkarzinom nur eine sehr untergeordnete Rolle zu spielen, denn auch Bisphosphonate wurden fast ausschließlich bei Patienten mit Mammakarzinom eingesetzt. Am häufigsten verwendet wurde dabei Zoledronat (5,8%, 411 Patienten), am zweithäufigsten kam Ibandronat (162 Patienten) zum Einsatz.

Antihormonelle Therapien: 68,1% der dokumentierten Mammakarzinompatienten erhielten eine endokrine Therapie. Am häufigsten eingesetzt wurde Tamoxifen, das fast die Hälfte aller antihormonellen Therapien ausmachte (46,6%, 2.260 Patienten). Die Aromatasehemmer Anastrozol und Letrozol wurden mit 1.083 bzw. 1.043 Patienten in etwa gleich häufig verordnet.


BNGO e.V.
Geschäftsstelle
Friedenstraße 58
15366 Neuenhagen
Tel.: (03342) 42 68 9 – 70
Fax: (03342) 42 68 9 – 80
E-Mail: info@bngo.de
Internet: www.bngo.de

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