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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

13. März 2017
Seite 1/2
Qualitätssicherung durch Umfragen

Neben der Dokumentation der in den Mitgliedspraxen durchgeführten gynäko-onkologischen Behandlungen dienen auch Umfragen des BNGO dem Ziel einer qualitätsgesicherten Behandlung von Frauen mit Mammakarzinom und anderen gynäkologischen Tumorerkrankungen. Damit werden verschiedene Themen, wie die Zufriedenheit der behandelten Patientinnen auf der einen Seite oder auf ärztlicher Seite die Umsetzung evidenzbasierter Antiemeseleitlinien als beispielhafter Indikator für die Qualität der Behandlung, erfasst.
Seit 2012 befragt der BNGO seine in den Mitgliedspraxen behandelten Patientinnen regelmäßig zu ihrer Zufriedenheit mit der Praxis, mit Personal und Ausstattung sowie mit dem behandelnden Arzt. Die Umfrage im Jahr 2015 berücksichtigte erstmals auch die Belastung der Patientinnen durch Symptome der Erkrankung und Nebenwirkungen der Therapie, insbesondere der Chemotherapie. Der schriftliche, 6-seitige Fragebogen erfasste neben Angaben zu der Patientin und der verabreichten Therapie, der Zufriedenheit mit Ausstattung und Organisation der Praxis sowie den Mitarbeitern auch Belastungen durch die Erkrankung bzw. die Therapie. Die Häufigkeit der belastenden Symptome und der Chemotherapie-assoziierten Nebenwirkungen wurde gesondert abgefragt. Auch die allgemeine Belastung durch die Therapie wurde erfasst.

An der Umfrage im Jahr 2015 nahmen 2.104 in insgesamt 48 Praxen des BNGO behandelte Patientinnen teil. 71% der Patientinnen hatten zum Zeitpunkt der Befragung eine Chemotherapie erhalten, 39% eine Strahlentherapie und 31% eine andere medikamentöse Therapie. Einer Operation hatten sich 56% unterzogen.


Hohe Zufriedenheit mit Praxis und Arzt

96% befanden die Ausstattung, Organisation und das Personal der Praxis als sehr gut oder gut. Noch besser bewertet wurde der behandelnde Arzt: Für 99% der Patientinnen war seine Aufmerksamkeit sehr gut oder gut. Nahezu 100% (99,6%) bewerteten die Kompetenz ihres Arztes als sehr gut oder gut. Die Kompetenz des Praxispersonals wurde von 99,4% der Patientinnen als sehr gut oder gut eingestuft. Insgesamt war die Zufriedenheit mit der ambulanten Therapie und mit dem eigenen Arzt ausgesprochen hoch. 99,6% würden sich wieder ambulant und 99% wieder in der derselben Praxis behandeln lassen.


Belastung durch die Therapie

Das am häufigsten auftretende belastende Symptom der Tumorerkrankung oder der Therapie war Erschöpfung. 69% der Patientinnen gaben an, immer oder oft unter Erschöpfung zu leiden. Für die Frauen am meisten belastend waren jedoch Hitzewallungen, die 52% als ein sehr oder sogar als das sie am stärksten belastende Symptom bezeichneten. Danach folgten Erschöpfung (38%) und Müdigkeit (37%).


Belastung durch die Chemotherapie

Die Belastung durch die Chemotherapie wurde individuell sehr unterschiedlich empfunden. Von den 1.488 Patientinnen, die eine Chemotherapie erhielten, empfanden 66% die Belastung als hoch bis extrem hoch. Für 34% der mit Chemotherapie behandelten Frauen war die Chemotherapie eher gering oder sogar gar nicht belastend. Nach Haarausfall, der bei 87% der Frauen auftrat, Müdigkeit (70%), Erschöpfung (66%) und peripheren Neuropathien (46%), war auch die verzögert auftretende Übelkeit eine häufige Nebenwirkung der Chemotherapie (36%). Auf der anderen Seite waren sowohl akutes Erbrechen als auch verzögertes Erbrechen sehr selten. 84% der Frauen berichteten nie oder nur selten von akutem Erbrechen, 82% nie oder nur selten von verzögertem Erbrechen. Auch Fieber war extrem selten: 89% gaben an, nie oder selten Fieber gehabt zu haben. Diese Zahlen weisen auf das hohe Niveau der in den BNGO-Praxen durchgeführten Supportivtherapie hin. Am stärksten belastend war für die meisten Chemotherapiepatientinnen der Haarausfall (Tab. 1).

 
Tab. 1: Die am meisten belastende Nebenwirkung der Chemotherapie.
Sehr stark bis am meisten belastend % der befragten Chemotherapiepatientinnen
Haarausfall 50%
Erschöpfung 43%
Müdigkeit 31%
Übelkeit Tag 2-5 26%
Kribbeln 25%


Über ein Fünftel der Patientinnen (21,5%) nahm zusätzlich alternativ-medizinische Medikamente ein. Bei über der Hälfte von ihnen hatte der behandelnde Gynäko-Onkologe, bei 40% ein anderer Arzt die komplementäre Therapie empfohlen.
 
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