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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

31. Mai 2016 Neues zur Diagnostik des Prostatakarzinoms

Im Rahmen der Abklärung eines Prostatakarzinoms ist eine histologische Sicherung der Diagnose durch eine Prostatastanzbiopsie in den allermeisten Fällen unumgänglich und somit der Goldstandard. Praktisch alle Patienten erhalten eine Antibiotikaprophylaxe, mehr als 90% auf der Basis eines Fluorchinolons.
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Bakterielle Infektionen bei transrektaler Biopsie der Prostata

Bei der Durchführung von Prostatastanzbiopsien kommt es immer häufiger zu infektiösen Komplikationen durch meist Chinolon-resistente Erreger (1). Diese Tatsache führt ebenfalls zu einem Mortalitätsrisiko von 0,1-0,2% innerhalb von 30 Tagen nach Prostatastanzbiopsie (2). Als Hauptrisikofaktor gilt eine in den letzten 6 Monaten vorangegangene Antibiotikabehandlung mit Chinolonen. In erster Linie steigt die Sepsisrate um den Faktor 3 an, wenn eine mehrwöchige Chinolontherapie vor der Prostatastanzbiopsie erfolgte, um eine PSA-Reduktion zu erzielen (3). Als weitere Risikofaktoren gelten eine asymptomatische Bakteriurie, einliegende Katheter, frühere Prostatastanzbiopsien unter Chinolonprophylaxe (4). Ein erhöhtes Risiko haben auch Angestellte in der Krankenversorgung und deren Angehörige (5). Nichtbeachtung der Leitlinie oder eine mangelnde Compliance bei der Einnahme der Antibiotikaprophylaxe im Rahmen der Prostatastanzbiopsie steigert das Infektionsrisiko um mehr als das Doppelte (6).


Verlängerte Antibiotika-Prophylaxe vermindert das Infektionsrisiko nicht

In der GUIP/ESIU-Studie 2010-2013 lag die Rate symptomatischer Harnwegsinfektionen bei 5,2% und fieberhafter Infektionen bei 3,5%. In 3,1% der Fälle mussten Patienten aufgrund einer Infektionskomplikation stationär behandelt werden. In einer Multivariat-Subgruppenanalyse war allerdings keiner der Faktoren wie präoperative Bakteriurie oder Anzahl der Stanzen signifikant unterschiedlich zwischen den Gruppen der Patienten mit oder ohne symptomatische Harnwegsinfektion. Weder die Darmpräparation vor der Biopsie noch eine verlängerte Antibiotika-Prophylaxe hatten Einfluss auf das Infektionsrisiko. Bei den infektionsverursachenden Keimen wurden in 37% der Fälle Chinolon-resistente Keime isoliert (7).


Erhöhung der Infektionsrate durch Chinolon-resistente Keime

Ein Hauptproblem ist die Zunahme Chinolon-resistenter Keime in der Fäkalflora, etwa von E. coli mit einem Anteil von bis zu 20%. Die Infektionen nach Biopsie haben sich dadurch in den letzten Jahren durch die Zunahme solcher multiresistenter E. coli-Klone von 1% auf 4-5% erhöht. Unter dem erhöhten Infektionsrisiko sollte bei gegebenen Risikofaktoren ein Rektalabstrich (rectal swab) durchgeführt werden. Falls eine Chinolonresistenz der Darmflora vorliegt, kann dann eine Antibiotikaprophylaxe mit einer nicht-resistenten Substanz und ggf. in Kombination mit einem Chinolon erfolgen. Alternativ kann eine perineale Prostatastanzbiopsie in Erwägung gezogen werden.

Dr. Martin Löffler
Urologische Gemeinschaftspraxis
72764 Reutlingen
info@urologie-reutlingen.de


 
Neues aus dem Verband

Frau Dr. rer. nat. Petra Ortner, München, wurde zur Pressereferentin des IQUO e.V. ernannt. Sie steht allen Verbandsmitgliedern gerne für Fragen rund um Öffentlichkeitsarbeit und Publikationen zur Verfügung. Sie erreichen sie unter der E-Mail-Adresse ortner@pomme-med.de oder telefonisch unter 089/45456625.

IQUO e.V.
Geschäftsstelle
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Fax: (03342) 42 68 9 – 60
E-Mail: info@iq-uo.de
Internet: www.iq-uo.de


 

Literatur:

(1) Nam RK et al. J Urol 2013.
(2) Batura D et al. J Antimicrob Chemother 2013.
(3) Akduman B et al. Urology 2011.
(4) Lindstedt S et al. Eur Urol 2006.
(5) Kamdar C et al. Urology 2008.
(6) Boehm K et al. Urologie Scan 2015.
(7) Wagenlehner FM et al. Eur Urol 2013.


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