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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel
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13. Oktober 2018

MASCC/ISOO Annual Meeting 2018:

Neues zur Supportivtherapie mit Beiträgen vom BNGO

Die Multinational Association of Supportive Care in Cancer (MASCC) ist weltweit die einzige Fachgesellschaft, die sich ausschließlich mit der onkologischen Supportivtherapie beschäftigt. Der Jahreskongress fand in diesem Jahr vom 28.-30. Juni in Wien statt. Auch der Berufsverband der Niedergelassenen Gynäkologischen Onkologen in Deutschland e.V. (BNGO) konnte 2 Beiträge als Poster vorstellen.
Die 3 Plenarsitzungen auf dem diesjährigen MASCC-Kongress befassten sich mit dem Stellenwert von Cannabinoiden in der Onkologie, mit der Kardiotoxizität onkologischer Therapien und mit kognitiven Problemen infolge einer Chemo- oder Strahlentherapie. In einer Parallelsitzung wurden neue Aspekte der therapieinduzierten Neurotoxizität beleuchtet. Patientenrelevante Aspekte wurden in Workshops und zahlreichen Postersitzungen thematisiert. Dr. Jörg Schilling, Vorsitzender des BNGO, präsentierte die finalen Daten der nicht-interventionellen Studie (NIS) AKYPRO zur antiemetischen Therapie und Dr. Petra Ortner stellte die Auswertung der aktuellen Umfrage in den BNGO-Praxen zur Patientenzufriedenheit vor.
 

Plenarsitzung 1: Cannabinoide in der Onkologie
 
Declan Walsh, Charlotte, North Carolina, USA widmete sich einem in Medien und Öffentlichkeit intensiv diskutierten Thema, den therapeutischen Einsatzmöglichkeiten der Cannabinoide in der Onkologie. Evidenz besteht für den therapeutischen Effekt von Cannabis zur Linderung chronischer Schmerzen bei Erwachsenen, für orale Cannabinoide in der Therapie von Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen (CINV) und für Nabiximols zur Behandlung von spastischen Symptomen bei multipler Sklerose. Zur kurzzeitigen Verbesserung des Schlafs läge immerhin moderate Evidenz vor, wie Walsh berichtete. Zu den Risiken gehöre eine mögliche Überdosierung, v.a. bei Kindern, kognitive Defizite beim akuten Einsatz, die Entwicklung von Psychosen und psychischen Symptomen und die Gefahr des Missbrauchs. Walsh betonte zusammenfassend die erwiesene Wirkung auf das endocannabinoide System. Für das Symptommanagement bei Tumorpatienten eignen sich Cannabinoide aufgrund der antiemetischen, appetitanregenden und analgetischen Eigenschaften. In seinem Fazit wies Walsh aber auch auf die insgesamt begrenzte klinische Evidenz hin. Antitumorale Wirksamkeit sei bisher nur im Labor gezeigt oder in individuellen Fallberichten publik geworden.
 

Plenarsitzung 2: Kardiotoxizität bei Tumortherapie
 
Sandra Swain, Washington DC, USA, gab einen Überblick über neue kardioonkologische Leitlinien, angefangen bei den Leitlinien der American Heart Association (1), der European Society of Cardiology (2) und der American Society of Clinical Oncology (ASCO) (3) bis hin zu den FDA-Beipackzetteln zu Trastuzumab und Pertuzumab.

Die möglichen kardialen Nebenwirkungen von Checkpoint-Inhibitoren (CIs) beleuchtete Michael Ewer, Houston, Texas, USA. Diese seien verglichen mit anderen Nebenwirkungen der PD-1-, PD-L1- oder CTLA-4-Inhibitoren wie Fatigue, Diarrhoe, Übelkeit, Juckreiz und Hautausschlag sehr selten, so Ewer. Zu den durch CIs ausgelösten kardialen Ereignissen gehören Entzündungen des Myokards, kontraktile Dysfunktion und Dysrhythmien. In seltenen Fällen können sie schwer oder sogar tödlich verlaufen. Aber auch geringgradige Toxizitäten seien sicherlich möglich, würden aber möglicherweise häufig übersehen. Schwere kardiale Toxizitäten durch CIs würden bei ≤ 1% der Patienten beobachtet, deren Entstehungsmechanismen und genauen Ursachen seien jedoch nicht vollständig verstanden. Aus diesem Grund sind Überwachung und Vorbeugung schwierig. Derzeit gibt es weder Algorithmen noch bekannte Risikofaktoren, anhand deren Patienten identifiziert werden könnten, die ein erhöhtes Kardiotoxizitätsrisiko durch CIs haben. Für das Management der CI-induzierten Kardiotoxizität gibt es bisher noch keine Leitlinien. Empirisch eingesetzt werden hoch dosierte Kortikosteroide, unter Umständen in Kombination mit Mycophenolat, Infliximab und/oder Antithymozytenglobulin. Weitere Forschungsanstrengungen zur Identifizierung von Patienten, die von den CIs profitieren und denjenigen Patienten, die ein erhöhtes Risiko für potentiell schwer verlaufende Autoimmunreaktionen, v.a. eine potentiell letal verlaufende Myokarditis, haben, seien unbedingt notwendig.
 

Plenarsitzung 3: Kognitive Auswirkungen der Tumortherapie
 
Mit kognitiven Einschränkungen nach Chemotherapie beschäftigte sich Michelle Janelsins, Rochester, New York, USA. Zuerst ging sie auf kognitive Beschwerden von Mammakarzinom-Patientinnen nach Chemotherapie im Vergleich zu gleichaltrigen gesunden Frauen. Die Einschränkungen werden als cancer-related cognitive impairment (CRCI) oder chemotherapy-related cognitive impairment bezeichnet. Kurz sind sie als „chemobrain“ oder „chemofog“ bekannt. Die betroffenen Frauen haben Probleme bei der visuellen und verbalen Erinnerung, beim Lernen, bei der Konzentration, Aufmerksamkeit, Informationsverarbeitung, bei der Ausführung von Vorhaben und der Sprache (4).

Meist sei die CRCI mild bis moderat ausgeprägt, bei der Bestimmung der Ausprägung der CRCI sei jedoch der Ausgangswert der kognitiven Funktion wichtig, so Janelsins. Die CRCI beeinflusst die Lebensqualität und das Berufs- und Alltagsleben negativ. Die meisten Studien zu dem Phänomen gibt es bei Mammakarzinom-Patientinnen nach Chemotherapie. Weitere Auslöser können eine Hormon- oder Strahlentherapie sein.

Die biologische Ätiologie der CRCI ist wahrscheinlich multifaktoriell, möglicherweise tragen Entzündungsprozesse zur Entstehung bei. Auch genetische Risikofaktoren könnten eine Rolle spielen. Zukünftig soll die Rolle klinischer, demographischer und biologischer Risikofaktoren erforscht werden, um Risikopatientinnen zu identifizieren.
 

Parallelsitzung Neurotoxizität
 
Die Neurotoxizität und damit verbundene periphere Funktionsstörungen (Chemotherapie-induzierte Polyneuropathie, CIPN), Schmerzen (neuropathischer Schmerz) ebenso wie die zentrale Schädigung neuronaler Systeme (Gedächtnisverlust, Schlafstörungen, Angst, Depressionen) können belastende Begleiterscheinung von onkologischen Therapien sein. Die CIPN ist eine bekannte Nebenwirkung von Platinverbindungen, Vinkaalkaloiden und Taxanen. Trotz zahlreicher Studien gibt es immer noch keine wirksame Prophylaxe und wenige therapeutische Maßnahmen, außer die neurotoxische Therapie abzusetzen und ggf. auf eine weniger neurotoxische zu wechseln.

Eine geeignete Bewegungs- und Balanceübung stellt das Tanzen dar, das zudem eine kognitive Herausforderung bietet und das räumliche Vorstellungsvermögen fordert. Zu den neueren Methoden, die gegenwärtig in Studien geprüft werden, gehören neben Akupunktur neurostimulatorische Verfahren, wie die transkutanen elektromedizinischen Reizstromtherapie (TENS) und die Scrambler-Therapie, bei der Elektroden nicht direkt an den von der CIPN am stärksten betroffenen Bereiche angebracht werden, sondern in angrenzenden Arealen. In einer beim ASCO 2018 präsentierten Phase-II-Studie zum Vergleich der Scrambler-Therapie mit TENS war die Scrambler-Therapie wirksamer (5).
 

BNGO-Beiträge: AKYPRO- NIS
 
Dr. Jörg Schilling (Foto) präsentierte die Daten der AKYPRO-NIS (Abstract eP104 und Poster). Zum 30.11.2017 waren 2.427 Patienten in die NIS eingeschlossen, die Daten von 1.902 vollständig dokumentierten Patienten gingen in die Zwischenanalyse ein. 85% waren Frauen. Bei den moderat emetogenen Chemotherapien (MEC) waren 53% Carboplatin-basiert. Bei den hoch emetogenen Chemotherapien (HEC) erhielten 88% eine Anthrazyklin/Cyclophosphamid-Kombination. 401 Patienten unter MEC waren hinsichtlich der Effektivität auswertbar: Ein komplettes Ansprechen auf die Antiemese mit Netupitant/Palonosetron (NEPA) dokumentierten 84% in Zyklus 1, 85% in Zyklus 2 und 86% in Zyklus 3. Bei den 896 Patienten unter HEC waren es 81% in Zyklus 1, 82% in Zyklus 2 und 83% in Zyklus 3.
Außerdem beurteilten die Patienten am Ende der 3 dokumentierten Zyklen die Effektivität der Antiemese mit NEPA anhand der Kategorien sehr gut, gut, zufriedenstellend oder schlecht. Die gleiche Beurteilung nahmen die Ärzte vor. Bei den MEC beurteilten über 90% der Ärzte die Wirksamkeit in allen 3 Zyklen als sehr gut oder gut (n=630), bei den HEC (n=1.185) waren es über 88%. Die Einschätzungen von Ärzten und Patienten wurde verglichen und unterschieden sich kaum. NEPA war gut verträglich. Am häufigsten kam es zu Verstopfung Grad 1-3 (15,9%).
 
Posterpräsentation von Dr. Jörg Schilling, Vorsitzender des BNGO (© Foto: privat)
 Posterpräsentation von Dr. Jörg Schilling

 
BNGO-Umfrage zur Patientenzufriedenheit
 
Dr. Petra Ortner stellte die Ergebnisse der Patientinnenumfrage aus dem Zeitraum September bis Dezember 2017 vor. Bei der Umfrage wurden neben der Zufriedenheit mit der Behandlung auch belastende Krankheitssymptome und Therapienebenwirkungen abgefragt. Dazu wurde erstmal das Distress Thermometer des NCCN herangezogen. 1.116 Patientinnen füllten die Fragebögen aus. Fatigue war nicht nur eines der häufigsten (39%), sondern auch das am stärksten belastende Symptom (34%), das bei 36% der Betroffenen auch nach der Chemotherapie persistierte. Bei 34% blieben neurologische Probleme wie Taubheitsgefühle bestehen. Die Zufriedenheit der Frauen mit ihrer ambulanten Therapie war hoch: Alle würden sich wieder in derselben Praxis behandeln lassen (Abstract eP521 und Poster).

Der nächste Jahreskongress der MASCC findet vom 21.-23. Juni 2019 in San Francisco statt (www.mascc.org/annual-meeting).

Dr. rer. nat. Petra Ortner


BNGO e.V.
Geschäftsstelle
Friedenstraße 58
15366 Neuenhagen
Tel.: 03342/42689 -70
Fax: 03342/42689 -80
E-Mail: info@bngo.de
Internet: www.bngo.de


Veranstaltung „Curriculum Onkologie“
Termine 2019:
  • 8. bis 10. März 2019
  • 10. bis 12. Mai 2019
  • 13. bis 15. September 2019
  • 15. bis 16. November 2019
ABACUS Tierpark Hotel, Berlin
Quelle: MASCC/ISOO Annual Meeting, 28.-30.06.2018, Wien, Österreich.
Literatur:
(1) Mehta LS et al. Circulation 2018;137:e30-e66.
(2) Zamorano JL et al. Eur Heart J 2016;37:2768-2801.
(3) Armenian SH et al. J Clin Oncol 2017;35:893-911.
(4) Ahles TA et al. Annu Rev Clin Psychol 2018;14:425-451.
(5) Loprinzi CL et al. ASCO 2018. Abstract 10016.
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