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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

10. März 2017 Immuntherapeutische Ansätze und Magenkarzinom

Ulrich M. Lauer
Immuntherapeutische Ansätze haben in den letzten Jahren zu dramatischen Verbesserungen in der Krebsbehandlung geführt. Dazu haben v.a. Immun-Checkpoint-Modulatoren (ICM) beigetragen: Ipilimumab, Nivolumab, Pembrolizumab und Atezolizumab sind mittlerweile bei etlichen malignen Erkrankungen zugelassen; andere Indikationen und die Zulassung weiterer ICM werden in Kürze hinzukommen. Darüber hinaus gibt es viele neuartige Immuntherapie-Strategien, die derzeit in klinischen Studien beurteilt werden und vollkommen neue Perspektiven eröffnen.

In der aktuellen Ausgabe von JOURNAL ONKOLOGIE werden neueste Aspekte der Immuntherapie angesprochen. Prof. Krackhardt erläutert, dass ICM bei einem Teil bisher therapierefraktärer Patienten das Gesamtüberleben signifikant verlängern und somit zu einem nachhaltigen Paradigmenwechsel in der Onkologie geführt haben. Zukünftige Entwicklungen zielen darauf ab, ICM-spezifische Biomarker zu identifizieren, die das Ansprechen und die Nebenwirkungsrisiken besser prädizieren, um die Risiko-Nutzen-Bewertung von ICM zu optimieren und zu personalisieren. In einem Interview mit Prof. Möhler wird die aktuelle Studienlandschaft der ICM-basierten Immuntherapie des Magenkarzinoms vorgestellt und diskutiert. Er weist dabei explizit auf die Problematik hin, dass derzeit noch weitgehend unklar ist, wann ICM am besten eingesetzt werden (Erstlinie, spätere Therapielinien; neoadjuvant/adjuvant). Der von Prof. Köhl vorgestellte adoptive Transfer gerichteter Immunzellen mit Chimären Antigen-Rezeptoren (CARs) klassifiziert sich als neuartiges GTMP (gene therapy medicinal product). Dieser Ansatz, bei dem Immunzellen speziell genetisch manipuliert werden und effektiv bösartige Zellen angreifen und eliminieren, gilt als hochinnovativ. Ebenfalls zu den GTMPs zählen Virotherapeutika, deren aktueller Entwicklungsstand in einem eigenen Interview dargelegt wird. Ende 2015 wurde ein erstes Virotherapeutikum zunächst zur Monotherapie fortgeschrittener Melanome zugelassen; laufende Studien, bei denen Virotherapeutika bereits mit ICM kombiniert werden, gelten als sehr vielversprechend und könnten einen nächsten Innovationsschub in der Immuntherapie auslösen.

Prof. Röcken referiert, wie das Magenkarzinom in 4 molekulare Subtypen eingeteilt werden kann: das chromosomal instabile, das genomisch stabile, das EBV-positive und das mikrosatelliten-instabile Magenkarzinom. Es muss sich zeigen, ob diese (morpho)-molekulare Klassifikation für prognostische und prädiktive Aussagen geeignet ist. Prof. Rau führt in ihrem Beitrag aus, dass bis zu 17% der Magenkarzinome bei Erstdiagnose bereits peritoneal metastasiert sind. In dieser Situation kann eine multimodale Therapie, bestehend aus Chemotherapie, zytoreduktiver Chirurgie (CRS) und hyperthermer intraperitonealer Chemotherapie (HIPEC) in ausgewählten Fällen das Überleben verlängern. Allerdings bedarf es hier erfahrener Zentren, die ein hohe Rate an kompletter Zytoreduktion bei niedriger Komplikationsrate gewährleisten können.

Ihr Prof. Dr. Ulrich M. Lauer, Tübingen

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