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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

04. August 2016 Highlights vom ASCO- und vom IQUO-Jahreskongress

Interview mit Dr. Götz Geiges, Berlin.

Vor kurzem ging die Jahrestagung der Amerikanischen Krebsgesellschaft (ASCO) zu Ende. Auf diesem weltweit größten Krebskongress werden jährlich die absoluten Highlights in der Onko-Szene vorgestellt. Trifft das auch auf die Uro-Onkologie zu? Direkt im Anschluss an den ASCO fand der Jahreskongress des IQUO zeitgleich und in gemeinsamen Räumen mit dem Berufsverband der gynäkologischen Onkologen (BNGO) statt. Hier standen zum einen nach Fachgebiet getrennte Themen zu Behandlungsstrategien im Alltag auf der Agenda, aber zum anderen wurden ganz aktuelle gesundheits- und berufspolitische Themen in gemeinsamen Foren diskutiert. Wir befragten Dr. Götz Geiges, Vorsitzender des IQUO, zu den Highlights der Kongresse.
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Interview mit Dr. Götz Geiges, Berlin
Herr Dr. Geiges, was waren Ihre Highlights vom ASCO aus uro-onkologischer Sicht?

Hier würde ich das „Refining“ der Therapiealgorithmen im Bereich des Prostatakarzinoms nennen, beispielsweise die Präzisierung des frühzeitigen Einsatzes der Taxane.

Spannend ist die zukünftige Rolle der Immun-Onkologie. Hier stehen wir mit der Checkpoint-Inhibition beim Nierenzellkarzinom (RCC) und beim Urothelkarzinom vor neuen Möglichkeiten im Verständnis der pathologischen Prozesse und in der Behandlung.


Muss man etwas an der gängigen Praxis ändern?

Quantensprünge gab es beim ASCO nicht – auch keine absolut neuen Phase-III-Daten. Die Veränderungen erfolgen schrittweise und summieren sich über die Zeit zu beachtlichen Verbesserungen für den betroffenen Patienten.


Gibt es Unterschiede zwischen den Ländern bzw. Kontinenten zu bestimmten Themen und Indikationen?

Absolut. Nordamerika diskutiert zunehmend Kosten und Preise von Arzneimitteln und Therapien. Diese Entwicklung hat seit dem letzten ASCO an Relevanz gewonnen. Die verstärkte Wahrnehmung von PRO (patient reported outcome)-Daten bestätigt, dass wir mit der Zielsetzung des IQUO den richtigen Kurs verfolgen. Wir halten die Versorgungsforschung nah am Patienten mit realen Daten für eine sinnvolle, zukunftsweisende und notwendige Ergänzung zu klassischen Studiendesigns. Ich möchte hier noch einmal auf die STAMPEDE-Daten verweisen – ein kluges und innovatives Multi-Arm-/Multi-Stage-Design, das klassische randomisierte kontrollierte Studien (RCT) mit Versorgungsforschungsanteilen kombiniert.


Richten sich die deutschen niedergelassenen Urologen nach Leitlinien, und wenn ja, welche sind für Sie besonders relevant? Gibt es dazu eventuell Umfragen aus Ihrem Verband?

Gerade die deutschen Leitlinien sind je nach ihrer Entität sowohl national als auch international fester Bestandteil der Diskussionen. Für den Urologen sind besonders die deutschen S3-Leitlinien zu Prostata-, Urothel- und Nierenzellkarzinom maßgebend.


Welche Fragestellungen beschäftigen die deutschen Uro-Onkologen derzeit am meisten?

Die Umsetzung theoretischer Erkenntnisse bestimmt in vielfältiger Weise den Praxisalltag – ob medizinisch wissenschaftlich als neue Informationen und Anpassung an die Erfordernisse der individuellen Erkrankung oder hinsichtlich der Auswahl der richtigen Maßnahmen oder eher betriebswirtschaftlich als Fortschritt in allen Bereichen, die zum Management einer Arztpraxis gehören. Erst die richtige praktische Umsetzung sichert erfolgreiches praxisrelevantes Handeln in der Uro-Onkologie und beschäftigt jeden Einzelnen.


Wie sehen Sie die gesundheitspolitische Zukunft der Uro-Onkologie in der Praxis?

Die Ableitungen aktueller Fortschritte und Updates zu urologischen Tumoren und die Erkenntnisse zum richtigen Einsatz der verschiedenen Therapieoptionen in der uro-onkologischen Praxis sind für den niedergelassenen Urologen wichtig und interessant. Diese Informationen müssen wir mit unserer Arbeit im IQUO auch auf eine belastbare Grundlage für die Anwendung in der niedergelassenen uro-onkologischen Facharztversorgung stellen. Die wissenschaftliche Beweisführung durch ihre professionelle Datendokumentation ist für eine qualifizierte Versorgungsform unabdingbar. Nur durch die kontinuierliche Verbesserung können wir den hohen qualitativen Standard unserer wohnortnahen Versorgung auch in Zukunft sicherstellen.


Können die Praxen trotz ASV neben den Kliniken bestehen, oder ist zu befürchten, dass die Kliniken in einem erbitterten Konkurrenzkampf alles an sich reißen werden, und würde das nicht einen Rückschritt in die 1990er Jahre bedeuten, zu Lasten der Patienten?

Der IQUO hat sich gerade aus der Erkenntnis für die Notwendigkeit der Qualitätssicherung gegründet. Deshalb ist die Dokumentation unserer Arbeit verpflichtend für jedes Mitglied. Dazu bieten wir ein breites Spektrum an Fortbildungen und kooperieren eng mit anderen Fachgesellschaften, um wissenschaftlich aktuell zu sein. Wir gewährleisten größtenteils eine wohnortnahe Behandlung und Therapie urologischer Tumore. Dies ist für unsere älter werdenden Patienten von erheblicher Bedeutung. Dem Großteil der betroffenen Patienten ist die Alternative einer ambulanten Krebstherapie im gewohnten Umfeld unbekannt. Sie müssen heute nicht mehr unbedingt in eine Klinik gehen.


Und nun noch ein Wort zum neuen Antikorruptionsgesetz: Was sagen Sie dazu? Was kommt auf Sie als Ärzte zu? Muss sich am Verhalten der Ärzte gegenüber der Pharmaindustrie etwas ändern? Was raten Sie Ihren Kollegen?

Es verwundert, dass wir als Berufsgruppe so explizit behandelt werden. Möglicherweise liegt es an der besonderen Beziehung und Verantwortung, die die Behandlung kranker Menschen mit sich bringt. Eigentlich ist alles in den berufsrechtlichen Vorschriften geregelt. Das Gesetz verankert nun strafrechtlich, was bereits durch die MBO berufsrechtlich untersagt war. Schwierig für die Kollegen ist momentan die Unschärfe, die das Gesetz mit sich bringt. Es wurde nicht klar herausgestellt, was künftig geahndet wird. Dadurch fehlt noch die Orientierung. Wir werden in den kommenden Monaten die Ergebnisse der Arbeit der Staatsanwaltschaften und Gerichte beobachten. Die ersten Präzedenzfälle werden zeigen, worauf der Fokus gelegt wird.

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