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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

06. Dezember 2016 Endlich auch Fortschritte in der Therapie von Weichgewebesarkomen

„Fortgeschrittene Weichgewebesarkome sind seltene Tumorerkrankungen, die schwierig zu behandeln sind“, sagte Prof. Dr. Peter Reichhardt, Berlin. Bisherige Versuche, das Gesamtüberleben (OS) bei Weichteilsarkomen mit Kombinationstherapien zu verlängern, blieben erfolglos – bis jetzt. Die Daten zu dem Anti-PDGFRa-Antikörper Olaratumab sind vielversprechend. „Ein signifikanter Vorteil von etwa 11 Monaten im OS unter der Kombination von Olaratumab und Doxorubicin im Vergleich zu Doxorubicin allein – das war überraschend“, sagte Reichhardt.
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Fachinformation
In der systemischen Therapie von Weichteilsarkomen kommen mehrere Substanzen zum Einsatz, wie Reichhardt erklärte. Dazu zählen Anthrazykline, Ifosfamid und DTIC und neuere Medikamente wie Trabectedin, Pazopanib und Eribulin. Kombinationstherapien in der Erstlinie mit Doxorubicin/Epirubicin mit Ifosfamid +/- DTIC führten zwar zu signifikant höheren Ansprechraten und verbessertem progressionsfreien Überleben (PFS) als die entsprechenden Monotherapien, gingen aber auch mit höheren Toxizitäten einher und konnten das OS nicht signifikant verlängern, gab Reichhardt zu bedenken.

Olaratumab, ein voll humaner monoklonaler Antikörper, der selektiv PDGFRa bindet, wurde in einer randomisierten Phase-II-Studie in Kombination mit Doxorubicin mit alleiniger Doxorubicin-Behandlung bei Patienten, die nicht für eine kurative Behandlung (Operation oder Strahlentherapie) in Frage kamen und die nicht mit Doxorubicin vorbehandelt waren, verglichen (1). Das mediane PFS betrug 6,6 Monate unter Olaratumab + Doxorubicin und 4,1 Monate unter Doxorubicin mono (HR=0,67; p=0,0615). Das mediane OS betrug 26,5 Monate unter der Kombination und 14,7 Monate unter der Doxorubicin-Monotherapie (HR=0,46; p=0,0003). Die Gesamtansprechrate war mit 18,2% unter Olaratumab/Doxorubicin höher als mit 11,9% unter Doxorubicin mono (p=0,3421). Nebenwirkungen, die unter der Kombination häufiger auftraten als unter der Monotherapie, waren Neutropenie (58% vs. 35%), Mukositis (53% vs. 35%), Übelkeit (73% vs. 52%), Erbrechen (45% vs. 18%) und Diarrhoe (34% vs. 23%). Febrile Neutropenien von Grad ≥ 3 waren in beiden Gruppen ähnlich (Olaratumab/Doxorubicin: 13% vs. 14% unter Doxorubicin mono).

Reichardt: „Die Studie erreichte damit ihren primären Endpunkt, das PFS, und ein hoch signifikant verbessertes OS von 11,8 Monaten, was einen deutlichen Fortschritt für die Behandlung der Weichteilsarkome darstellt. Nun hoffen wir, dass die laufende Phase-III-Studie diese positiven Daten bestätigt“.

Prof. Dr. Bernd Kasper, Heidelberg, berichtete, dass die EU-weiten Erhebungen zu Weichgewebesarkomen mit den Daten für Deutschland weitestgehend übereinstimmen – das hat das „RARECARE“-Projekt gezeigt. Wesentliches Ergebnis war, dass ältere Patienten mit Weichteilsarkom ein schlechteres Outcome haben. Es soll nun eine S3-Leitlinie zu Weichteilsarkomen erarbeitet werden, Kasper rechnet 2019 mit der Fertigstellung.


Anm. d. Red.: Olaratumab (LARTRUVOTM) hat am 11.11.2016 die EU-Zulassung für die Behandlung erwachsener Patienten mit fortgeschrittenem Weichgewebesarkom erhalten (siehe Zulassungen).

(sk)

Quelle: Symposium „Fortgeschrittenes Weichgewebesarkom – wo stehen wir und was ändert sich?“, 15.10.2016, DGHO-Kongress, Leipzig, Veranstalter: Lilly

Literatur:

(1) Tap WD et al. Lancet 2016; 388(10043):488-97.


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