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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

04. August 2016 Update für gynäkologische Onkologen

IV. BNGO-Hauptstadt-Kongress 10.-11.06.2016

G. Heinrich, Fürstenwalde.

Zum 4. Mal veranstaltete der BNGO den jährlichen Hauptstadtkongress – in bewährter Weise gemeinsam mit dem IQUO. Die 90 Teilnehmer aus BNGO-Praxen (Ärzte, Study Nurses, Medizinische Fachangestellte) erlebten gemeinsam mit den urologischen Kollegen an 2 Tagen die Vorträge, Podiumsdiskussionen und praxisrelevanten Kurse. Die Kongressdisziplin war gut – trotz des hervorragenden Sommerwetters in Berlin. Nach konzentrierter Kongressarbeit war auch der traditionelle Festabend in der Berliner Kongresshalle am Kanzleramt wieder ein Highlight.
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Seit dem 2. Jahreskongress 2014 wird die Veranstaltung in Kooperation mit den urologischen Kollegen vom IQUO ausgerichtet. Das erhöht die Effizienz der Fortbildung und reduziert den Organisationsaufwand für beide Berufsverbände. Der Hauptstadtkongress ist eine Plattform für ambulant tätige gynäkologische und urologische Onkologen aus Praxis und Klinik.

Für Gynäkologen gab die Early-Bird-Session „News vom ASCO 2016“ am Freitag den Auftakt. Wie in den Jahren davor gaben Prof. Dr. Jens-Uwe Blohmer und Prof. Dr. Jalid Sehouli, Klinikdirektoren der Charité-Frauenkliniken Berlin, einen Überblick über die Neuheiten des ASCO-Kongresses in Chicago, der 1 Woche vorher stattfand.


ASCO-News – Mammakarzinom

3 Studien aus der Präsentation von Prof. Blohmer seien beispielhaft genannt:


KRISTINE-Studie – T-DM1 neoadjuvant

Die Phase-III-Studie untersuchte 432 Patientinnen mit lokal fortgeschrittenem, operablem, inflammatorischem oder > 2 cm großem Mammakarzinom. Randomisiert wurde prospektiv für 6 Zyklen Docetaxel + Carboplatin + Trastuzumab (TCH) + Pertuzumab (P) neoadujvant → 12 Zyklen HP adjuvant oder 6 Zyklen T-DM1 + P neoadjuvant → 12 Zyklen T-DM1 + P adjuvant. Die Studie war auf eine Verbesserung der Rate kompletter Remissionen (pCR-Rate) um 15% durch die Kombination T-DM1 + P gepowert. In der Zwischenanalyse der pCR-Rate (ypT0/is, ypN0) nach der neoadjuvanten Phase war die Kombination T-DM1 + P (n=223) dem Vergleichsarm TCH + P (n=221) unterlegen (44 vs. 56%, p=0,0155), trotz hoher pCR mit T-DM1 + P wurde das Zwischenziel nicht erreicht (1). Dieser Unterschied betraf sowohl die Subgruppen Östrogenrezeptor-positiv (ER+) als auch ER-. Die Grad-3/4-Nebenwirkungen wie Neutropenien und Diarrhoen indes waren im T-DM1-Arm deutlich geringer (Tab. 1), ebenso blieben Lebensqualität und physische Funktionsfähigkeit länger erhalten.
 

Tab. 1: Nebenwirkungsraten der neoadjuvanten Therapien mit TCH + P versus T-DM1 + P.
Tab. 1: Nebenwirkungsraten der neoadjuvanten Therapien mit TCH + P versus T-DM1 + P.


„Die neoadjuvante Therapie des HER2-positiven Mammakarzinoms sollte mit Taxan, Trastuzumab und Pertuzumab erfolgen. T-DM1 als alleinige Therapie ist diesem Standard unterlegen“, resümierte der Referent.


ABC-Studie – Anthrazyklin-freie Therapie adjuvant

In der ABC-Analyse (Anthracyclines in early Breast Cancer) wurden die Daten von insgesamt 4.242 Patientinnen aus den Studien B-49, B-46-I/USOR07132 und USOR 06-090 gemeinsam ausgewertet (2). Es sollte die Non-Inferiorität von Docetaxel und Cyclophosphamid gegenüber Anthrazyklin- und Taxan-haltigen Regimen in der adjuvanten Therapie nachgewiesen werden. Das krankheitsfreie Überleben (DFS) wurde bei den Anthrazyklin-haltigen Regimen (6x TAC q3w oder 4x AC q3w → 12x Paclitaxel q1w oder 4x AC q2w → 12 Paclitaxel q1w oder 4x AC q2w → 4x Paclitaxel q2w, n=2.052) mit Anthrazyklin-freier Therapie (6x DocC q3w, n=2.071) verglichen.

In der unabhängigen Analyse war nach einem 3,2-Jahres-Follow-up das invasive krankheitsfreie Überleben (iDFS) in den Kohorten triple-negatives Mammakarzinom (TNBC) und ER+ Mammakarzinom signifikant zugunsten des Anthrazyklin-Armes im Vorteil (Δ2,5%; p=0,04). Keinen Unterschied gab es beim Gesamtüberleben (OS). Das primäre Ziel, die Non-Inferiorität eines Anthrazyklin-freien Regimes zu belegen, wurde in der Zwischenanalyse nicht erreicht.

Das Fazit aus diesen Ergebnissen zog Blohmer wie folgt: „Wenn die Indikation zu einer adjuvanten Chemotherapie besteht, soll diese weiterhin in Kombination mit Anthrazyklinen gegeben werden.“


PALOMA-2-Studie – Palbociclib palliativ

Palbociclib ist ein Hemmstoff des Subtyps 4/6 der Cyclin-dependent-Kinase (CDK), welche durch (De-)Phosphorylierung den Zellzyklus reguliert. Die Hemmung arretiert die Tumorzelle in der G0-Phase (Abb. 1). Palbociclib zeigte in präklinischen Daten eine gute Wirksamkeit bei Mammakarzinomzellen mit ER+/HER-.
 
Abb. 1 : Schematische Darstellung des Angriffspunktes von Palbociclib im Zellzyklus.
Abb. 1 : Schematische Darstellung des Angriffspunktes von Palbociclib im Zellzyklus.


Die vorangegangene Phase-II-Studie PALOMA-1 hatte bereits eine deutliche Koaktivität von Aromataseinhibitoren (AI) mit Palbociclib beim metastasierten Mammakarzinom zeigen können, was zu einer beschleunigten Zulassung dieser Kombination durch die FDA führte.

Die auf dem ASCO 2016 präsentierte Phase-III-Studie PALOMA-2 rekrutierte 666 postmenopausale Patientinnen (ER+, HER2-, firstline ohne Resistenz auf AI) 2:1 zu Letrozol mit oder ohne Palbociclib 125 mg (21 Tage Einnahme, 7 Tage Pause, alle 28 Tage bis zum Progress). Als Studienziel war ein verbessertes progressionsfreies Überleben (PFS) mit Senkung der HR auf 0,69 durch Hinzunahme von Palbociclib angestrebt worden. Die aktuelle, unabhängige Auswertung nach 33 Monaten erzielte beim primär definierten Endpunkt PFS eine signifikante Verlängerung auf median 30,5 Monate (Letrozol + Palbociclib) versus 19,3 Monate (Letrozol), HR=0,65; p=0,0005 (unabhängiges, zentrales Review) (Abb. 2) (3).
 
Abb. 2: Progressionsfreies Überleben (PFS) unter Palbociclib und Letrozol versus Placebo und Letrozol, zentrales Review PALOMA-2-Studie. NR= not reached
Abb. 2: Progressionsfreies Ãœberleben (PFS) unter Palbociclib und Letrozol versus Placebo und Letrozol, zentrales Review PALOMA-2-Studie.


Die PFS-Verbesserung betraf alle Subgruppen. Ebenso war die Gesamtansprechrate (ORR) in der Verumgruppe signifikant verbessert (Intent-to-treat(ITT)-Population: 42,1 versus 34,7%; p<0,031). Als hämatologische Nebenwirkung von Palbociclib waren Leuko- und Neutropenie relevant (Neutropenien Grad 3/4: 66 vs. 2%). Nicht-hämatologische, doch insgesamt seltene, Grad-3/4-Nebenwirkungen unter Palbociclib waren Fatigue, Nausea, Arthralgie und Alopezie. Die OS-Daten sind noch immatur.

„Die Hinzunahme des CDK4/6-Inhibitors wird aufgrund der überzeugenden Daten der neue Standard für die Firstline-Therapie des Hormonrezeptor-positiven, metastasierten Mammakarzinoms werden“, lautete das Statement von Blohmer zu dieser wichtigen Studie.



ASCO-News – Ovarialkarzinom

Prof. Sehouli gab ein Update zu den relevanten Studienergebnissen beim Ovarialkarzinom. 2 Studien werden im Folgenden hervorgehoben.


Study 19 – platinsensibles Rezidiv

Ein Update zur EU/FDA-zugelassenen Olaparib-Erhaltungstherapie bei platinsensitivem Ovarialkarzinom gab J.A. Ledermann. In der Study 19 wurden auch 154 Patientinnen ohne BRCA-Mutationsnachweis eingeschlossen, 141 Patientinnen wiesen eine BRCA-Mutation auf. In Europa ist Olaparib (Lynparza®) nur bei Nachweis einer somatischen oder in-Tumor-Mutation zugelassen. Eingeschlossen wurden 265 Patientinnen mit high-grade serösem Ovarialkarzinomrezidiv. Es mussten 2 oder mehr Carboplatin-haltige Vortherapien erfolgt und ein Ansprechen auf die aktuelle Rezidivtherapie (komplett oder partiell, CR, PR) nachgewiesen sein. Randomisiert wurde zu Olaparib 800 mg/d (n=136) versus Placebo (n=129) bis zur Krankheitsprogression. Im primär definierten Endpunkt Time to first subsequent therapy(TFST)/Time to second subsequent therapy (TSST) wurde nach 78 Monaten eine Reduktion der Zeit bis zum Progress zugunsten der Erhaltungstherapie mit Olaparib erreicht (22 vs. 15,3 Monate; HR=0,41; p=0,00001) (Abb. 3). Das 5-Jahres-Überleben betrug in der Verumgruppe 29,2 vs. 20,4% in der Placebogruppe (4).
 
Abb. 3: TFST und TSST der BRCAm-Population, Studie 19 (mod. nach (4)).
Abb. 3: TFST und TSST der BRCAm-Population, Studie 19 (mod. nach (4)).


„Der Standard der Olaparib-Maintenance-Therapie in dieser Population wurde durch die Studie bestätigt“, so das Fazit von Sehouli.


TRIAS – Sorafenib

Eine weitere Studie unter Leitung von J. Sehouli und maßgeblicher Beteiligung deutscher Studienzentren (auch BNGO-Praxen!) war die TRIAS-Studie. Es wurden 172 Patientinnen mit platinresistentem Rezidiv ausgewertet. Die Patientinnen erhielten eine Monochemotherapie mit Topotecan mit oder ohne den Multityrosinkinase-Inhibitor Sorafenib. Nach Beendigung der Chemotherapie wurde Sorafenib bis zur Progression fortgeführt. In beiden Endpunkten PFS und OS konnte in dieser prognostisch ungünstigen Klientel eine signifikante Verbesserung der primär definierten Endpunkte zugunsten der additiven Sorafenib-Erhaltungstherapie erreicht werden: PFS: 6,7 vs. 4,4 Monate, HR=0,6; p=0,02; OS: 17,1 vs. 10,1 Monate, HR=0,65; p=0,016 (5). Der Effekt war im Stratum der 1. Rezidivtherapie deutlich ausgeprägter als in der Second- und Thirdline-Rezidiv-Therapie.

Die Nebenwirkungen im Sorafenib-Arm im Vergleich zum Placebo-Arm waren insbesondere Alopezie Grad 2 und Hand-Fuß-Syndrom.

Die ausrichtenden onkologischen Fachverbände der Urologie und Gynäkologie hatten eine Auswahl praxisrelevanter Kurse in den Kongress integriert. Die Teilnehmerzahlen bestätigten das Konzept des Jahreskongresses: GCP-Auffrischkurs (60), Genetikkurs (60), AMGEN-Symposium zur Osteotherapie (65), Symposium Sanofi-Aventis zur aktuellen HPV-Vakzinierung (110), Komplementärmedizin (40). Für gynäkologische Onkologen wurden fachübergreifende Vorträge, u.a. über „STD (sexual transmitted disease) in der Praxis“ (Brockmeyer, Bochum), „Osteoprotektive Therapien“ (Link, Dresden), „Palliativmedizin“ (Wierick, Lohsa), „Dyspnoe als Leitsymptom“ (Meixner, Hoyerswerda) angeboten.

„Die gute Organisation kann ich nur loben“, meinte die Kongressteilnehmerin Barbara Barleben, gynäkologisch-onkologische MFA aus Fürstenwalde. „Besonders haben mir die Vorträge zur Palliativmedizin und zur aktuellen HPV-Impfung gefallen. Teilweise waren die Vortragszeiten jedoch anders als im Programm ausgewiesen.“

Der BNGO wertet den Kongress mit Rekordteilnehmerzahl als Erfolg. Das Kongresskonzept und die Inhalte richten sich nicht nur an die Verbandsmitglieder des BNGO, sondern an alle onkologisch interessierten Kolleginnen und Kollegen aus Ambulanzen und Kliniken. Weitere Informationen über den BNGO-Hauptstadtkongress des kommenden Jahres sind über die Website www.bngo.de verfügbar.

Literatur:

(1) Hurvitz SA et al. ASCO 2016. J Clin Oncol 34, 2016 (suppl; abstr 500).
(2) Blum JL et al. 2016 ASCO, J Clin Oncol 34, 2016 (suppl; abstr 1000).
(3) Finn RS et al. 2016 ASCO. J Clin Oncol 34, 2016 (suppl; abstr 507).
(4) Ledermann JA et al. 2016 ASCO Ann Meeting, J Clin Oncol 34, 2016 (suppl; abstr 5501).
(5) Sehouli J et al. 2016 ASCO Ann Meeting, J Clin Oncol 34, 2016 (suppl; abstr 5522).


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