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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

14. März 2016 BNGO/IQUO – gemeinsame Studien und Projekte

Die Supportivtherapie ist eine Querschnittsdisziplin in der Onkologie und verbindet viele medizinische Fachdisziplinen in ihrem Bemühen um eine effektive, nebenwirkungsarme onkologische Behandlung. Das Ziel ist die Erhaltung der Lebensqualität der Patienten sowohl während als auch nach der Therapie. Themen wie beispielsweise das Management von Übelkeit/Erbrechen, Infektionen, Anämie und Schmerztherapie betreffen sowohl die gynäkologische als auch die urologische Onkologie. Aus diesem Grund führen der BNGO und der IQUO gemeinsame Studien und Qualitätssicherungsprojekte durch. Der Ernährungszustand von Patienten, die eine onkologische Behandlung erfahren, spielt nicht nur eine wichtige Rolle für das Wohlbefinden der Patienten, sondern ein schlechter Ernährungszustand kann bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen den Erkrankungsverlauf kritisch beeinflussen. Wie kann der Mangelernährung durch eine individuelle parenterale Ernährung entgegengewirkt werden? Hierauf gehen die Vorsitzenden der beiden Verbände BNGO und IQUO zusammen mit der Ernährungswissenschaftlerin Stine Bittner im Folgenden ein.

Kriterien zur Diagnosestellung einer Mangelernährung

Ein Body-Mass-Index (BMI) von ≥ 25 kg/m2 und trotzdem mangelernährt? Das ist sowohl für Ärzte als auch Betroffene und deren Angehörige kaum vorstellbar. Doch nicht selten sind onkologische Patienten trotz Übergewicht mangelernährt. Der BMI sollte daher kein Kriterium zur Diagnosestellung für eine Mangelernährung sein. Die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) definieren eine Mangelernährung als einen signifikanten, unfreiwilligen und krankheitsassoziierten Gewichtsverlust, eine Verringerung des Körpereiweißbestandes sowie einen spezifischen Nährstoffmangel (1).

Ein ungewollter Gewichtsverlust ist häufig schon vor der Diagnosestellung ein erstes Symptom der Erkrankung. Gewichtsstabile Tumorpatienten weisen einen besseren Therapieverlauf mit einer besseren Krankheitsprognose auf, als Patienten mit einem Gewichtsverlust (2, 3). Knapp ein Viertel der Krebspatienten stirbt an den Folgen einer Mangelernährung (3).


Ermittlung der Körperzusammensetzung mittels BIA

Die Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) ist eine einfache, nicht-invasive und reproduzierbare Methode, um nicht nur einen Gewichtsverlust, sondern auch die Körperzusammensetzung mit ihren Veränderungen zu erfassen (4). Hierbei wird das Gesamtkörperwasser mit Unterteilung in intra- und extrazelluläres Wasser, die Fettmasse und die fettfreie Masse mit der Körperzellmasse sowie die extrazelluläre Masse bestimmt. Eine reduzierte Körperzellmasse stellt ein Anzeichen für ein Eiweißdefizit und eine Mangelernährung dar (5).

Wird in regelmäßigen zeitlichen Abständen eine BIA-Messung durchgeführt, kann eine Gewichtsveränderung den einzelnen Körperkompartimenten zugeordnet werden. Diese Zuordnung ist unabdingbar, da eine Abnahme von Fett oder Wasser eine andere Auswirkung auf den Organismus hat als ein Verlust stoffwechselaktiver Zellen.


Ernährungstherapie mit individueller parenteraler Ernährung

Das oberste Ziel einer Ernährungstherapie bei onkologischen Patienten ist die Prävention oder Behandlung einer Mangelernährung. Ferner ist ein besseres Ansprechen der onkologischen Therapie mit weniger Nebenwirkungen sowie eine Steigerung der Lebensqualität mit geringeren Infektionsraten, kürzeren stationären Aufenthalten und einer Senkung der Therapiekosten zu fokussieren (6).

Durch tumorassoziierte Fehlfunktionen des Gastrointestinaltrakts, beispielsweise metabolische und funktionale Veränderungen, sowie Nebenwirkungen der Therapie, wie Mukositis, Emesis oder Diarrhö ist eine orale oder enterale Ernährungstherapie nicht mehr ausreichend. Damit ist die Indikation für eine parenterale Ernährung gegeben (6).

Durch den Tumor und die antitumorale Therapie entstehen metabolische Veränderungen und Stoffwechselentgleisungen, welche über Fertigarzneimittel häufig nicht auszugleichen sind (6). Hier ist der Einsatz einer patientenindividuellen parenteralen Ernährung zu empfehlen (2). Unter Berücksichtigung von Nebendiagnosen, Laborwerten und einer Ernährungsanamnese kann der Bedarf an Energie, Flüssigkeit, Makronährstoffen und Elektrolyten bei einer zusammengesetzten („compoundeten“) Infusionslösung gezielt an die individuellen Bedürfnisse des Patienten angepasst werden.


Erhaltung der Lebensqualität

Eine Krebserkrankung und die dadurch ausgelösten Stoffwechselveränderungen können nicht nur den Ernährungszustand, sondern auch die Lebensqualität negativ beeinflussen (7). Im medizinischen Bereich wird Lebensqualität als subjektive Einschätzung des körperlichen, seelischen und sozialen Befindens definiert (8).

Die Lebensqualität wird durch viele Komponenten, wie beispielsweise den Ernährungszustand beeinflusst (7). Untersuchungen zeigen, dass eine Mangelernährung zu einer signifikanten Verschlechterung der Lebensqualität führt (2). Onkologische Patienten, die eine Ernährungstherapie erhalten, weisen die höchste Lebensqualität auf. Die niedrigste ist hingegen bei Patienten beobachtet worden, die keine ernährungstherapeutischen Maßnahmen erhielten (9).

Für viele Patienten kann auch die Versorgung in ihrem gewohnten, häuslichen Umfeld einen hohen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Lebensqualität leisten. Eine ambulante Versorgung mit parenteraler Nahrung kann durch geschultes Pflegefachpersonal garantiert werden.

Studien zeigen, dass eine heimparenterale Ernährung die Überlebenszeit bei Patienten mit einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung verlängert (10).


Fazit

Besonders bei der Behandlung onkologischer Patienten ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Ernährungsfachkräften unumgänglich. Zur Beurteilung des Ernährungszustandes sind nicht nur regelmäßige Gewichtskontrollen, sondern auch ein engmaschiges Monitoring bezüglich der Körperzusammensetzung notwendig. Zusammengesetzte („compoundete“), spezielle Infusionslösungen bieten im Besonderen bei Stoffwechselentgleisungen oder Begleiterkrankungen wesentliche Vorteile. Zudem steigt die Compliance, da durch eine individuelle Zusammensetzung die Bedürfnisse des Patienten berücksichtigt werden können.

Ein guter Ernährungszustand des Patienten senkt durch einen größeren Therapieerfolg und weniger stationäre Aufenthalte nicht nur die Kosten, sondern steigert vor allem auch die Lebensqualität der Patienten.

 

BNGO e.V.
Geschäftsstelle
Friedenstraße 58
15366 Neuenhagen
Tel.: (03342) 42 68 9 – 70
Fax: (03342) 42 68 9 – 80
E-Mail: info@bngo.de
Internet: www.bngo.de
IQUO e.V.
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Tel:  (03342) 42 68 9 – 50
Fax: (03342) 42 68 9 – 60
E-Mail: info@iq-uo.de
Internet: www.iq-uo.de

Literatur:

(1) Vashi PG et al. BMC Cancer 2014, 14:593.
(2) Bozetti F et al. Clin Nutr 2009;28:445-454.
(3) Arends J et al. Aktuel Ernahrungsmed 2015; 40:e1-e74.
(4) Peres WA et al. Nutr Hosp 2012;27(6): 2072-8.
(5) Data Input GmbH. Das B.I.A.-Kompendium, 3. Ausgabe. 2005.
(6) Muscaritoli M et al. Crit Rev Oncol Hematol 2012;84:26-36.
(7) Lis C et al. Nutr J 2012; 11:27.
(8) Holm E. Tumorstoffwesel. In: Holm E. Stoffwechsel und Ernährung bei Tumorkrankheiten. Georg Thieme Verlag Stuttgart, 2007.
(9) Caro MM et al. Clin Nutr 2007;26:289-301.
(10) Pirlich M et al. Aktuel Ernaehr Med 2003; 28(1):10-25.


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