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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

25. Juli 2020
Seite 1/6
Aktinische Keratosen

S. Hüning1, A. C. Brehmer1, T. Dirschka2,3, D. Nashan1.
1Hautklinik, Klinikum Dortmund, Dortmund, 2CentroDerm Klinik GmbH, Wuppertal, 3Fakultät für Gesundheit, Universität Witten-Herdecke, Witten.

Das Plattenepithelkarzinom (PEK) ist nach dem Basalzellkarzinom (BZK) der zweithäufigste maligne Hauttumor. Von einer Vervierfachung der Inzidenz in den letzten 30 Jahren ist auszugehen (1, 2). Als Vorläuferläsionen werden Aktinische Keratosen (AK) angesehen, welche eine vorrangig durch UV-Strahlung hervorgerufene intraepitheliale Proliferation atypischer Keratinozyten darstellen. Klinisch als rötliche Maculae zumeist mit Hyperkeratose definiert, sind AK häufig von klinisch und histopathologisch sichtbaren Lichtschäden umgeben. Bei zunehmender flächiger Ausdehnung wird von „Feldkanzerisierung“ gesprochen. Das Entwicklungsspektrum der AK reicht von spontaner Rückbildung bis hin zu einem schnell progredienten invasiven PEK. Bislang gibt es keine fundierten wissenschaftlichen Aussagen, welche AK in ein invasives PEK übergehen. Daraus schlussfolgernd sind neben adäquater Prävention eine konsequente Therapie sowie Kontrollen angeraten.
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Da sowohl flächendeckende Registrierungen fehlen als auch AK durch die Eingruppierung zu den non-melanoma skin cancer (NMSC) als C44 in der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitszustände (ICD) zusammen mit invasiven kutanen PEK und BZK gezählt werden, gibt es wenig belastbare Daten zur Epidemiologie. Es wird davon ausgegangen, dass sich ca. 1,7 Millionen Menschen in Deutschland mit AK in dermatologischer Behandlung befinden (3). Da die Hautveränderungen oft, insbesondere zu Beginn nur dezent und vor allem häufig symptomlos sind, wird die Zahl betroffener Patienten weitaus höher liegen.
 
Ein Prävalenzanstieg kann bei Zunahme der Erkrankung im Alter durch den demographischen Wandel erklärt werden (1, 4). Eine Prävalenz bei über 60-Jährigen von 20% und bei über 70-Jährigen von ca. 52% ist publiziert (5, 6). Eine auch zu erwartende Zunahme im jüngeren Alter wird durch die Prävalenzen aus sonnenreichen Ländern belegt und dürfte hier u.a. auf geändertem Freizeitverhalten und Benutzung von Solarien basieren (1, 4). Die altersbezogenen Prävalenzen für 20-, 30- und 60-jährige Patienten in Australien betragen 7%, 27% und 74% (7). Relevant ist die dazu korrelierende Inzidenz der PEK in Australien von 550/100.000, während in Deutschland bisher von 80/100.000 Einwohner auszugehen war, aber ein Inzidenzanstieg der PEK im letzten Jahrzehnt verzeichnet wird (8).
 
AK treten vermehrt auf chronisch lichtexponierter Haut auf. Hauptrisikofaktoren zur Ausbildung von AK stellen ein heller Hauttyp (Hauttyp I und II nach Fitzpatrick) und Immunsuppression dar. Am Beispiel der organtransplantierten Patienten lässt sich dies verdeutlichen: NMSC dominieren die malignen Tumoren post transplantationem (9-11). Neben einer vermehrten Entwicklung von AK zu PEK (9, 12) wird ein Inzidenzanstieg der PEK um das 50- bis 250-Fache (13) und eine beschleunigte Tumorausbreitung (1) bei transplantierten Patienten beschrieben.
 
Die Berufskrankheit (BK) 5103 fasst den beruflich bedingten UV-Schaden der „outdoor-worker“, wie z.B. Bauern, Gärtner oder Bergführer, als Berufskrankheit zusammen (14, 15). Grundlegend sind multiple AK (> 5 AK in einem Jahr), ein histologisch belegtes PEK oder eine Feldkanzerisierung (> 4 cm2). 40% der Standard-Erythemdosis (als personendosimetrisch erfasste Belastung in der beruflich exponierten Haut) wird zugrunde gelegt (16). Dies bewirkt eine Verdopplung des Hautkrebsrisikos. Als Richtwerte sind 15 Jahre „outdoor work“ für 50-Jährige mit einer Steigerung von jeweils 3 Arbeitsjahren für 60- und 70-Jährige anzusetzen. Nach Meldung mittels Berufskrankheiten-Anzeige und Anerkennung als BK 5103, welche auch rückwirkend und in der Rente bewilligt werden kann, läuft die Versorgung über die Sozialversicherung.
 
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