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JOURNAL ONKOLOGIE – Artikel

27. Juli 2018
Seite 1/2
4-Länder-Tagung mit den senologischen Fachgesellschaften aus Österreich, Schweiz, Frankreich und Deutschland

Auch in diesem Jahr war es wieder spannend auf dem Senologie-Kongress. Das „genomic profiling“ hat in allen Disziplinen der Brustkrebsdiagnostik und -therapie Einzug gehalten. Genomische Daten werden zunehmend die Entscheidungsprozesse im klinischen Alltag beeinflussen. Um Patientinnen und Patienten weiterhin gut beraten zu können, müssen die Therapeuten Schritt halten mit den neuen Entwicklungen in Tumorbiologie, Genetik und Bioinformatik. Dr. Christoph Uleer, Hildesheim, stellt im Beitrag seine persönlichen Eindrücke vom Kongress dar.
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Es wurden wichtige Erkenntnisse diskutiert, die bereits auf den großen internationalen Kongressen wie ASCO, ESMO und SABCS – auch unter Mitwirkung deutscher Studiengruppen – vorgetragen worden waren. Dabei wurde auch die mögliche Umsetzung der wissenschaftlichen Ergebnisse in der Routineversorgung von Mammakarzinompatienten besprochen. Der fachliche Diskurs fand erstmals auf einer 4-Länder-Ebene mit den senologischen Fachgesellschaften Deutschlands, Österreichs, Frankreichs und der Schweiz statt. So befasste sich eine Sitzung mit den „economic challenges“ für die Gesundheitssysteme der beteiligten Länder. In Hauptvorträgen und Postersessions wurden aber auch bisher unveröffentlichte Ergebnisse aus Grundlagenforschung und klinischer Forschung präsentiert.


Genomic Profiling

Die Bestrebungen der modernen Medizin im Allgemeinen und der (Brust-) Krebsforschung im Speziellen, die Erkrankungen auf genetischer Ebene zu erfassen, werden unter dem Stichwort „genomic profiling“ zusammengefasst.Zu Beginn des diagnostischen Vorgehens beim Mammakarzinom steht die Sicherung durch die Histologie und die Immunhistochemie. Durch RNA-Expressionsanalysen können die intrinsischen Subtypen des Mammakarzinoms, die luminalen Tumoren, das HER2-positive Karzinom und das triple-negative Karzinom, unterschieden werden. Aber von der Protein- und RNA-Ebene geht es diagnostisch weiter mit der molekularen Tumorgenetik und der Teilsequenzierung der Tumor-DNA und -mRNA, um Mutationen und andere genetische Aberrationen aufzuspüren. Anhand großer Datenbanken („big data“), in denen Biomaterialien (Gewebe und Blut) und Informationen über die unterschiedlichen Therapieverläufe gesammelt werden, ermittelt man in translationalen Forschungsprojekten klinische Schnittmengen und auffällige Wiederholungen genetischer Muster. Aus diesen kann man wiederum auf Übereinstimmungen hinsichtlich intrazellulärer Signalwege schließen und zielgerichtete Therapien – „targeted therapies“ – zur Blockade derselben entwickeln. Das deutsche Praegnant-Projekt ist ein Beispiel für eine solche Biodatenbank, in die aktuell 61 auserwählte Studien-Zentren dokumentieren und Informationen zusammentragen. Die in Deutschland zugelassenen CDK4/6-Inhibitoren Palbociclib und Ribociclib sind beispielhafte Produkte der beschriebenen Forschungsaktivitäten und werden im klinischen Alltag gegen das metastasierte, Hormonrezeptor(HR)-positive, HER2-negative Mammakarzinom angewendet. Die in Deutschland zugelassenen CDK4/6-Inhibitoren und ihr Therapiemanagement fanden auf dem Kongress besondere Beachtung und wurden in zahlreichen Sitzungen diskutiert. Auch die Substanzgruppen der PARP-Inhibitoren beim Brustkrebs mit BRCA-Mutationen und die Checkpoint-Inhibitoren Pembrolizumab und Atezolizumab beim triple-negativen Mammakarzinom standen im Mittelpunkt verschiedener Sitzungen.


Gen-Signaturen gehören zum Genomic Profiling

Sie bereichern das Spektrum der zahlreichen Prognosefaktoren des Mammakarzinoms und untersuchen die Expression verschiedener Brustkrebsgene. In der klinischen Routine verwendet man sie zur Therapieplanung der luminalen Karzinome (HR-positiv/HER2-negativ). Auf dem diesjährigen Senologie-Kongress befasste sich eine Session mit dem intrinsischen Subtyp des Mammakarzinoms, der den Kliniker vor die Herausforderung stellt, zwischen gering proliferativen Luminal-A-Karzinomen und den Luminal-B-Typen zu unterscheiden, die einer Chemotherapie zur Senkung des Rezidivrisikos bedürfen. Wenn die semiquantitative Bestimmung der Hormonempfindlichkeit, das Grading, Ki-67 oder auch die Proteasenbestimmung keine Zuordnung in Luminal A oder B erlauben, können die Gen-Signaturen angewendet werden (Zusammenstellung auf www.ago-online.de: Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie des Mammakarzinoms). Prof. Dr. Christoph Thomssen, Halle, erläuterte in diesem Zusammenhang die auf dem ASCO präsentierten Ergebnisse der TAILORx-Studie (Abb. 1). Das untersuchte Kollektiv von 6.897 Frauen mit HR-positivem/HER2-negativem Brustkrebs und einem mittleren Rezidivrisiko nach Oncotype DX und einem Recurrence-Score von 11-25 profitierte nicht von einer Chemotherapie gegenüber der alleinigen endokrinen Behandlung. Nach 7,5 Jahren mittlerer Nachbeobachtung war das Überleben ohne invasiven Rezidivtumor in beiden Gruppen (Endokrin-Monotherapie vs. Chemotherapie) mit 84% identisch. In beiden Armen sind auch nur in 5% der Fälle Fernmetastasen dokumentiert worden. Allerdings rät Thomssen zu einer differenzierten und zurückhaltenden Anwendung der kostenaufwändigen Gen-Signaturen, die in nur ca. 10% aller adjuvanten Therapieplanungen erforderlich seien.
 
Abb. 1: Design der TAILORx-Studie.
 Abb. 1: Design der TAILORx-Studie.


 
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