Samstag, 4. April 2020
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Therapie des Rektumkarzinoms erfordert enge interdisziplinäre Zusammenarbeit

© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Im Jahr 2010 erkrankten in Deutschland etwa 34.000 Männer und 29.000 Frauen an Darmkrebs. Etwa zwei Drittel hatten ein Kolonkarzinom und bei etwa 30% war der Tumor im Rektum lokalisiert.

 

Das Erkrankungsrisiko steigt kontinuierlich mit dem Alter an. Das mittlere Erkrankungsalter der Männer liegt bei 71 Jahren, das der Frauen bei 75 Jahren. Mehr als die Hälfte der Patienten sind zum Zeitpunkt der Diagnose älter als 70 Jahre und etwa 10% erkranken vor dem 55. Lebensjahr.

 

Rektumkarzinome können relativ lange ohne klinische Symptome sein. Blut im Stuhl oder ein positiver Hämocculttest sind Indikationen für eine Koloskopie des gesamten Dickdarms. Spätsymptome können sein: Veränderter Stuhlgang, Obstipation, auch abwechselnd mit Diarrhoe, Tenesmen, Gewichtsverlust, Anämie, Schmerzen, Ileus.

 

Die Einteilung erfolgt nach der TNM-Klassifikation der UICC (1)

 

Die Rektoskopie sollte vor Beginn einer neoadjuvanten Therapie durchgeführt werden, da im Anschluss daran der Tumor nur noch schwer zu erkennen ist. Eine Koloskopie wird zum Ausschluss von Zweitkarzinomen durchgeführt. Im Rahmen der Koloskopie oder Rektoskopie wird eine Biopsie entnommen.

 

Die Therapie orientiert sich nach Lokalisation des Primärtumors und dem TNM-Stadium.

Bei sehr frühen Tumorstadien wird eine lokale Exzision des Tumors (Vollwand-Exzision) unter bestimmten Voraussetzungen als ausreichend erachtet. Bei Tumoren mit hohem Risiko (z.B. tief sitzend, niedriger Differenzierungsgrad oder mit Lymphangiosis carcinomatosa) ist eine radikale chirurgische Therapie indiziert.

 

Standardvorgehen beim lokal fortgeschrittenen Rektumkarzinom (T3, T4 oder N+) in den unteren zwei Rektumdritteln ist eine präoperative Strahlentherapie in Kombination mit einer 5-FU-basierten Chemotherapie, gefolgt von Operation und adjuvanter Chemotherapie.

Der Stellenwert der Radiotherapie des Rektumkarzinoms im oberen Drittel wird kontrovers diskutiert.

 

Wird ein Downsizing angestrebt, z.B. bei T4-Tumoren, nicht ausreichendem Sicherheitsabstand zur mesorektalen Faszie oder bei erwünschtem Sphinktererhalt bei Tumoren im unteren Rektumdrittel, so soll der konventionell fraktionierten Radiochemotherapie der Vorzug vor einer Kurzzeitbestrahlung gegeben werden.

 

Bei Erreichen einer klinischen Komplettremission (kein Tumor endoskopisch und in der RUS sowie im MRT nachweisbar) kann auf die Operation nach Maßgabe der S3-Leitlinie unter Umständen verzichtet werden. Voraussetzungen sind die gründliche Aufklärung über die noch unzureichende Validierung dieses Vorgehens und die Bereitschaft zu einer sehr engmaschigen Kontrolle (Empfehlung: http://jco.ascopubs.org/content/29/35/4633/).

 

Die palliative Chemotherapie kann die Lebensqualität von Patienten mit metastasiertem Rektumkarzinom signifikant verbessern und das Leben verlängern.

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