Montag, 26. August 2019
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Keimzelltumoren des Hodens: Früh erkannt stehen die Heilungschancen gut

© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Bei Hodentumoren handelt es sich fast immer um Keimzelltumoren. Hodenkrebs ist eine eher seltene Krebsart, allerdings tritt er charakteristisch im jüngeren Alter (Altersgipfel: 25-45 Jahre) auf und ist in dieser Altersspanne die häufigste bösartige Erkrankung überhaupt. Die Heilungschancen sind gut – v.a. wenn der Krebs frühzeitig erkannt wird.

 

Je nachdem, aus welchem Keimzellytp der Hodentumor entsteht, handelt es sich um ein Seminom oder ein Nicht-Seminom. Diese Unterscheidung ist neben dem Tumorstadium für die Therapieentscheidung wichtig. Der erste Schritt einer Hodenkrebs-Therapie ist im Normalfall die inguinale Ablatio testis, also die operative Entfernung des Hodens (sog. Orchiektomie). Ist der Tumor ein Seminom, so wird je nach Stadium nach Operation entweder eine adjuvante Chemotherapie mit Carboplatin oder eine adjuvante Bestrahlung durchgeführt. In einem sehr frühen Stadium kann auch nur beobachtet werden (Surveillance-Strategie). Liegt ein Nicht-Seminom vor, so wird bei vorliegender Gefäßinfiltration eine adjuvante Chemotherapie mit dem PEB-Schema (Cisplatin, Etoposid, Bleomycin) durchgeführt, oder – wenn die Gefäße nicht betroffen sind – ebenfalls nur beobachtet.

 

Metastasierte Seminome werden je nach Tumorstadium entweder bestrahlt (bei niedrigerem Stadium) oder eine Chemotherapie (bei höherem Tumorstadium) mit dem PE(B)-Schema durchgeführt. Im Falle eines Rezidivs wird, wenn möglich, nachoperiert, oder aber eine erneute Chemotherapie mit u.U. anderen Zytostatika wie Ifosfamid oder Paclitaxel unternommen, bzw. auch eine Hochdosischemotherapie mit PEI (Cisplatin, Etoposid, Ifosfamid) oder CE (Carboplatin, Etoposid) durchgeführt.

 

Metastasierte Nicht-Seminome werden anhand verschiedener Prognosefaktoren in 3 verschiedene Risikogruppen (good risk, intermediate risk und poor risk) eingeteilt und dementsprechend mehr oder weniger intensiv mit PE(B)- oder PEI bzw. Hochdosis-Chemotherapie-Schemata behandelt. Kommt es im Anschluss zu Rezidiven, kommen Salvage-Operation, und TIP-Chemotherapie (Paclitaxel, Ifosfamid, Ciaplatin) oder eine Hochdosischemotherapie mit PEI oder CE zum Einsatz. Ist im Vorfeld schon eine Hochdosistherapie unternommen worden, so bleiben als Optionen Therapien mit Gemcitabin, Oxaliplatin oder Paclitaxel.

 

Als Tumormarker werden beim Hodenkrebs zur Verlaufskontrolle (und auch zur Prognoseabschätzung) das Hormon hCG (Choriongonadotropin), das Glykoprotein AFP (Alpha-Fetoprotein) und das Enzym LDH (Laktatdehydrogenase) verwendet.

 

Aktuelle Reviews und Neuigkeiten zur Behandlung der Keimzelltumoren des Hodens können Sie unter www.journalonko.de einsehen.

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