Montag, 26. Oktober 2020
Navigation öffnen

Anrodgendeprivation: Behandlung des Prostatakarzinoms

ADT

© CLIPAREA.com / Fotolia

Androgendeprivation ist eine Antihormontherapie, die hauptsächlich in der Therapie Prostatakarzinoms Anwendung findet. Durch Medikamente (z.B. Antiandrogene, luteinisierendes Hormon Releasing-Hormon(LHRH)-Agonisten oder Antagonisten) oder eine Operation (Orchiektomie) reduziert die Androgendeprivation das Level der Androgene.
 
Hintergrund: Androgene stimulieren das Wachstum von Prostatakarzinomzellen. Die hauptsächlich vorkommenden Androgene, Testosteron und Dihydrotestosteron, werden vor allem im Hoden, aber auch in der Nebenniere, produziert.
 
Die Androgendeprivation in Form einer operativen Kastration wird seit 1940 zur Behandlung von Prostatakrebs durchgeführt. Verschiedene Mechanismen, wie beispielsweise die Persistenz von intratumoralem Androgen trotz Kastration, erhöhte Androgenrezeptor(AR)-Proteinexpression, mutierte Formen von aktivem AR, die erhöhte Aktivität von AR-koregulierenden Proteinen und die Überaktivierung anderer proliferativer Signalwege führen nach einer medianen Dauer von 18 Monaten zu einem kastrationsresistenten Prostatakarzinom (CRPC, castration resistant prostate cancer).
 
Pharmakologische Androgendeprivation:
 
Antiandrogene
Antiandrogene binden an den AR und blockieren so die Bindung von Androgenen an diesen.
 
LHRH-Agonisten
LHRH-Agonisten (LHRH-Analoga) verringern die Testosteronproduktion im Hoden. Da hierbei der LHRH-Rezeptor stimuliert wird, steigt das Serum-Testosteronlevel zunächst an („flare phenomenon“), was für einige Patienten lebensbedrohlich sein kann. Dies kann durch eine Vorbehandlung mit Antiandrogenen verhindert werden. Akute Nebenwirkungen sind Hitzewallungen, Libidoverlust und erektile Dysfunktion. Chronische Nebenwirkungen sind Muskel-Skelett-Erkrankungen, hämatologische und kardiovaskuläre Ereignisse.
 
LHRH-Antagonisten
Auch LHRH-Antagonisten verringern die testikuläre Testosteronproduktion. Sie blockieren den LHRH-Rezeptor. Im Gegensatz zu den LHRH-Analoga kommt es zu keinem initialen Androgenanstieg. Allergische Reaktionen und das QT-Syndrom können u.a. als Nebenwirkungen auftreten.
 
CYP17-Inhibitoren
Da auch die Nebennieren aus Cholesterol-Vorstufen Androgene bilden können, lässt  sich die  Stimulation des Prostatakarzinoms durch Hemmung der testikulären Testosteronproduktion nicht vollständig  blockieren. Durch die Inhibition von Cytochrom P450 17 (CYP17), das den letzten Schritt in der Androgenbiosynthese katalysiert, wird die Bildung von Androgenen in der Nebenniere gehemmt.
 
Auf www.journalonko.de erfahren Sie mehr zum Thema Anrodgendeprivation.

Literatur:

1. Yoo S, Choi SY, You D et al. New drugs in prostate cancer. Prostate Int 2016; 4(2):37-42.
2. Perlmutter MA, Lepor H. Androgen deprivation therapy in the treatment of advanced prostate cancer. Rev Urol 2007; 9(Suppl 1):S3-S8.

Registrieren Sie sich jetzt und nutzen Sie
das gesamte Angebot unserer Plattform

Jetzt registrieren

News

nmCRPC: Gute Verträglichkeit von Darolutamid bestätigt

Seit März 2020 ist Darolutamid (Nubeqa®) in Kombination mit einer Androgendeprivationstherapie (ADT) von der Europäischen Kommission für die Behandlung erwachsener Männer mit nicht-metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom (nmCRPC), die ein hohes Risiko für die Entwicklung von Metastasen aufweisen, zugelassen. Eine ergänzende Analyse der Zulassungsstudie ARAMIS, die während der virtuellen ESMO-Tagung 2020 vorgestellt wurde,...

Vorstellung neuartiger Wirkansätze auf dem ESMO Virtual 2020

Bayer stellt neue Daten seines wachsenden Onkologie-Portfolios auf dem virtuellen Kongress 2020 der Europäischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO) vom 19.-21. September 2020 vor. Dabei geht es um neuartige und differenziert wirkende Therapieansätze, die die Behandlungsergebnisse für Patienten verbessern können, sowie um die Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von Behandlungen bei verschiedenen Tumortypen und in Kombination mit Immuntherapien.

Hormontherapie beim Prostatakarzinom: Positives Wirkprofil von Triptorelin mehrfach bestätigt

Zur Testosteronsenkung bei den metastasierten und/oder kastrationsresistenten Formen des Prostatakarzinoms stehen für die Androgendeprivationstherapie (ADT) verschiedene LHRH-Agonisten zur Verfügung, die sich in ihrem individuellen Wirkprofil unterscheiden. Aufgrund des belegten positiven Wirkprofils ist Triptorelin (Pamorelin®) fester Bestandteil der ADT-Therapie, welche in der aktuellen S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom empfohlen wird (1, 2).

Prostatakarzinom: Updates der SPARTAN- und TITAN-Studie

Sowohl in der Therapie des fortgeschrittenen hormonsensitiven (mHSPC) als auch des nicht metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (M0CRPC) erweise sich Apalutamid (ERLEADA®) zusätzlich zu einer Androgendeprivationstherapie (ADT) als wirksam und verträglich, so Prof. Dr. Christian Schwentner, Stuttgart. In beiden Entitäten kam es darunter zu einem schnellen und anhalten PSA-Ansprechen, das mit einem besseren radiologischen progressionsfreien...

Therapie des mCRPC mit Abirateron/P im klinischen Alltag und in Pandemie-Zeiten

In der Erstlinientherapie des nicht oder mild symptomatischen metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (mCRPC) bei Patienten, die systemisch zuvor nur mit einer konventionellen Androgendeprivationstherapie (ADT) behandelt wurden, ist Abirateronacetat in Kombination mit Prednison eine wesentliche Therapiesäule (1, 2). Bei systemisch nur mit ADT vorbehandelten nicht oder mild symptomatischen mCRPC-Patienten kann basierend auf Empfehlungen der aktuellen S3-Leitlinie neben...

nmCRPC: ARAMIS-Studie zeigt signifikanten OS-Benefit für Darolutamid zusätzlich zu ADT

Die Therapieziele beim nicht metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom – das meistens asymptomatisch ist – sind die Verlängerung der Überlebenszeit, Verzögern der Progression und  Erhalt der Lebensqualität, so der Erstautor der Studie, Dr. Karim Fizazi, Villejuif, Frankreich, in einem Media-Briefing im Rahmen des erstmals virtuell stattfindenden ASCO. Seit März ist der orale Androgenrezeptor-Inhibitor Darolutamid in der EU zur Behandlung...