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27. April 2018

Ovarialkarzinom – Vorsorge kann Leben retten

Eierstockkrebs gehört zu den seltenen aber aggressiven Krebserkrankungen. Neue molekulare Untersuchungen können heute entscheidende Risiko-Gene nachweisen. Vorsorge ist vor allem bei einer erblichen Vorbelastung sehr wichtig. Informationen zum Status quo auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie vom 24. bis 26. Mai 2018 in Berlin.
Rund 7.000 Frauen erkranken in Deutschland jährlich an Eierstockkrebs, in der Medizin Ovarialkarzinom genannt. Bei der Entstehung von Krebs spielen vielfältige Aspekte eine Rolle. Unter anderem sorgen Genmutationen dafür, dass sich Zellen plötzlich auf Kosten anderer Zellen vermehren. Dabei entziehen sie sich den natürlichen Kontrollmechanismen des Körpers. „Ovarialkrebs gehört zu den seltenen und aggressiven Karzinomarten“, erklärt Dr. Birgid Markiefka, geschäftsführende Oberärztin am Institut für Pathologie der Universitätsklinik Köln. „Die Diagnose Mammakarzinom wird jährlich bei etwa 70.000 Frauen gestellt und ist damit zehn Mal höher.“  

Je früher ein Karzinom aufgespürt wird, desto besser sind die Therapiechancen. „Ovarialkrebs wird meist erst in fortgeschrittenem Stadium entdeckt“, sagt die Referenzpathologin im Bereich familiärer Brustkrebs und Ovarialkarzinome. „Die Eierstöcke haben etwa die Größe einer Mandel und sind damit sehr klein. Erst wenn sich die Krebsgeschwulst über den Eierstock und Eileiter hinaus auch im Bauchraum ausgedehnt hat und Beschwerden macht, wird sie in der Regel erkannt.“

Mutationen im BRCA-Gen

Welche Krebsart bei einer Patientin entsteht, hängt auch davon ab, welche Gene von einer Mutation betroffen sind. Bei einem Teil der Ovarialkarzinome ist es das sogenannte BRCA1- oder BRCA2-Gen. Etwa 20 Prozent aller Frauen mit einem Ovarialkarzinom tragen diese Mutation von Geburt an in ihren Körperzellen und haben diese also ererbt. Der Mediziner spricht hier von einer Keimbahnmutation.

„In Familien mit Keimbahnmutationen im BRCA1/2-Gen sind Frauen häufiger von Ovarialkarzinomen und/oder Brustkrebs betroffen, außerdem meist rund zehn bis zwanzig Jahre früher im Vergleich zu Patientinnen ohne erbliche Vorbelastung“, so die Kölner Pathologin. „Häufiger treten in diesen Familien auch andere seltenere Tumoren wie z.B. Bauchspeicheldrüsenkrebs auf. Bei zirka 10 Prozent der Ovarialkarzinome liegen sogenannte somatische BRCA-Mutationen vor, die nur im Tumor, nicht aber in der Keimbahn, das heißt nicht im Blut, vorkommen.“

Neue Erkenntnisse dank molekularer Tests

Neue molekulare Methoden bieten mit dem Next Generation Sequencing (NGS) die Möglichkeit, Panels mit mehr als 150 Genen gleichzeitig zu analysieren. Jüngste Ergebnisse haben weitere Gene entschlüsselt, die wie BRCA  eine Rolle bei der Entstehung von Mamma- und Ovarialkarzinomen spielen. Dr. Markiefka: „ATM, CHEK2, BRIP1-, PALB2 und RAD51 sind ebenfalls Risiko-Gene für diese Krankheitsbilder. Hier dürfen wir in den kommenden Jahren mit neuen Erkenntnissen rechnen, auf deren Basis mit Sicherheit auch innovative Wirkstoffe für die Therapie entwickelt werden.“

Regelmäßige Vorsorge wichtig bei erblicher Vorbelastung

Aufmerksam werden sollte jede Frau, wenn in ihrer Familie Fälle von Brust- und Eierstockkrebs mehrfach vorgekommen und diese deutlich vor dem durchschnittlichen Erkrankungsalter von Mitte 60 aufgetreten sind.

Auf der Website der Deutschen Krebsgesellschaft (www.krebsgesellschaft.de) und des Deutschen Konsortium Familiärer Brust- und Eierstockkrebs (www.konsortium-familiaerer-brustkrebs.de) kann eine Checkliste zur Erfassung der erblichen Vorbelastung für Brust- und/oder Eierstockkrebs heruntergeladen werden.

„Wenn das Ergebnis ergibt, dass eine Patientin zur Risikogruppe zählt, sollte unbedingt ein Bluttest durchgeführt werden. Betroffene und Ratsuchende können sich an eines der bundesweit 17 spezialisierten Zentren des deutschen Konsortiums wenden“, so Dr. Markiefka. „Hierbei werden Keimbahnanalysen bei der Risikopatientin und gegebenenfalls auf Wunsch auch bei Angehörigen vorgenommen. Sollte von verstorbenen Familienmitgliedern eventuell noch in pathologischen Archiven verfügbares Gewebe vorliegen, wird auch das untersucht.“

Wird die erbliche Vorbelastung bestätigt, haben die Betroffenen Anspruch auf  umfangreiche Vorsorgeuntersuchungen. „Bei Frauen mit einem stark erhöhten Risiko kann auch eine Entfernung der Eierstöcke und Eileiter sowie des Brustdrüsengewebes sinnvoll sein. In etwa drei Prozent dieser prophylaktisch entfernten Eierstöcke und Eileiter finden sich klinisch bis dahin unbekannte tumoröse Veränderungen“, weiß die Expertin. „Ein solcher Eingriff ist für die Betroffenen natürlich eine schwere Entscheidung, nimmt aber vielen die enorm belastende Angst und bedeutet eine Entscheidung für das Leben.“

„Seltene Erkrankungen“ gehören neben den Themen „Tumorevolution und Tumorheterogenität“ sowie „digitale Pathologie“ zu den drei Schwerpunktthemen auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie vom 24. bis 26. Mai 2018 in Berlin.

Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V.


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