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16. April 2012

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Die Bauchspeicheldrüse, das unbekannte Organ

Die Bauchspeicheldrüse (griech.: Pankreas) ist eine der größten Drüsen des Menschen. Dennoch ist nur wenigen bekannt, wo sie sich befindet und welche Funktionen sie übernimmt. Die Bauchspeicheldrüse ist ein keilförmiges Organ, ungefähr so groß wie eine Hand: ein bis zwei Zentimeter dick und etwa 15 Zentimeter lang. Sie liegt mitten im Oberbauch hinter dem Magen und vor der Wirbelsäule. Mit ihrem sich verjüngenden Ende – dem „Pankreasschwanz“ – reicht sie bis an die Milz. Auf der anderen Seite grenzt der „Pankreaskopf“ an den Zwölffingerdarm. So versteckt, ist die Bauchspeicheldrüse gut vor Einwirkungen von außen geschützt. Ist sie allerdings erkrankt, sind die Schmerzen aufgrund ihrer zentralen Lage im Körper meist sehr unspezifisch. Betroffene verspüren häufig einen dumpfen Schmerz im Oberbauch und glauben, an Magenschmerzen zu leiden. Andere haben sogar Schmerzen, die sie eher als Rückenschmerzen beschreiben würden, da die Drüse so dicht an der Wirbelsäule liegt.

Drüsen sind Organe, die bestimmte Substanzen produzieren und als Sekret nach außen absondern. Ein anschauliches Beispiel hierfür sind die Schweißdrüsen. Die Bauchspeicheldrüse produziert gleich mehrere Substanzen in unterschiedlichen Zelltypen. So bilden traubenförmig angeordnete Azinuszellen Verdauungsenzyme, die sie mit dem Bauchspeichel in den Pankreasgang abgeben. Dieser Gang durchzieht das gesamte Organ der  Länge nach und mündet im Pankreaskopf – zusammen mit dem Gallengang – in den Darm. Über 90 Prozent der Zellen gehören zu diesem als exokrin bezeichneten System. Exokrin deshalb, da der Bauchspeichel nach außen, in den Darm, abgegeben wird. Der andere Zelltyp produziert vor allem die Hormone Insulin und Glukagon, die nach innen in das Blut abgegeben werden, und somit dem endokrinen System angehören.

Die Bauchspeicheldrüse ist enorm leistungsfähig: Täglich produziert sie etwa 1,5 bis 2 Liter Bauchspeichel. Das ist mehr als das 20-fache ihres Eigengewichts. In ihm sind mehr als 20 verschiedene Enzyme enthalten, die die Nahrung in winzige Teile zerlegen. So zerkleinert können die Nahrungsbestandteile dann vom Darm in das Blut übergehen und zu den Körperzellen gelangen, denen sie unter anderem als Energielieferant, Bausubstanz oder Signalstoff dienen. Mit anderen Worten: Die Enzyme der Bauchspeicheldrüse sind für unsere Verdauung essentiell. Um zu verhindern, dass die Enzyme nicht schon in der Bauchspeicheldrüse aktiv werden und das Organ von innen heraus „verdauen“, werden sie in einer inaktiven Form produziert. Erst im Dünndarm werden sie von einem anderen Enzym aktiviert. Für jeden Bestandteil der Nahrung gibt es ein spezielles Enzym: Die große Gruppe der Proteasen zerkleinert Eiweiße, die Amylasen sind für die Zucker (Kohlenhydrate) zuständig und die Lipasen für die Fette. Welche Enzyme in welcher Menge gebildet werden, ist von der Zusammensetzung unseres Essens abhängig. Die Bauchspeicheldrüse wird aktiv, sobald die Nahrung im Mund ist. So genannte Chemorezeptoren der Mundschleimhaut analysieren die Zusammensetzung der Nahrung und geben diese Information über Nervenbahnen an die Bauchspeicheldrüse weiter. Ist sie beispielsweise sehr fettig, werden viele Lipasen produziert. Damit dieses Zusammenspiel klappt, muss die Nahrung allerdings ausreichend lange im Mund verweilen. Das Sprichwort „Gut gekaut ist halb verdaut“ stimmt also!

Die hormonproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse liegen in Grüppchen zwischen den exokrinen Zellen. Mediziner nennen sie Langerhanssche Inseln. Zwar sind sie über die ganze Drüse verteilt, mengenmäßig befindet sich der größte Anteil aber im Pankreasschwanz. Die Inselzellen sind hochspezialisiert und produzieren – ebenfalls in unterschiedlichen Zellen – zwei wichtige Hormone: In den B-Zellen das Insulin, das dafür sorgt, dass Zucker überhaupt in die Körperzellen gelangen kann und in den A-Zellen das Glukagon, das Zucker vor allem aus der Leber freisetzt. Das geschieht zum Beispiel, wenn wir hungrig sind und noch nichts gegessen haben. Glukagon ist damit der Gegenspieler des Insulin.

Der Diabetes mellitus ist eigentlich keine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse, sondern eine Funktionsschwäche bzw. die Folge einer verminderten Bereitschaft der anderen Körperzellen, auf Insulin zu reagieren und den Zucker aus dem Essen aufzunehmen („Insulinresistenz“). Ein Diabetes kann jedoch die Folge einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung sein, wenn die hormonproduzierenden Zellen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Von Relevanz sind drei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse: Der Krebs, die akute sowie die chronische Entzündung (Pankreatitis). Die akute Pankreatitis ist eine sehr dramatische Erkrankung, an deren Ende nicht selten der Tod steht. Meist ist der Auslöser ein Gallenstein, der den gemeinsamen Gang in den Darm versperrt. Dann staut sich der Bauchspeichel in der Drüse zurück, die enthaltenen Enzyme werden durch die Galle vor Ort aktiviert und es kommt zu einer aggressiven Selbstverdauung des Organs.

Schleichender beginnt die chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Diese langsame Zerstörung des Gewebes kann durch zu viel Alkohol, Tabak oder fett- und fleischreiche Nahrung ausgelöst werden. Die frühere Hypothese, dass Kaffee die Bauchspeicheldrüse schädigt, ist nicht bestätigt worden. Sowohl bei Krebs als auch bei der chronischen Pankreatitis merken die Betroffenen fatalerweise erst sehr spät, dass mit dem Organ etwas nicht stimmt. Die frühen Krankheitsstadien verlaufen relativ symptomlos und falls Beschwerden auftreten, sind diese zunächst sehr unspezifisch. Der Bauchspeicheldrüsenkrebs ist in etwa so häufig wie die chronische Pankreatitis. Aufgrund der Tatsache, dass er meist erst spät diagnostiziert wird, steht er jedoch auf Platz vier der häufigsten Krebstodesursachen in Deutschland.
 


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