Freitag, 26. April 2019
Navigation öffnen

Infos für Patienten

02. Mai 2018 Immunologie revolutioniert die Krebstherapie

Die Bekämpfung von Schnupfen-Viren ist eine leichte Übung für unser Immunsystem. Bei Krebs gerät es an seine Grenzen. Immunologen auf der ganzen Welt und auch in Regensburg arbeiten deshalb an innovativen Immuntherapien, die das Immunsystem bei der Zerstörung von Tumoren unterstützen. Der Internationale Tag der Immunologie rückt die Kraft des Immunsystems am 29. April in den Fokus der Öffentlichkeit.
Das körpereigene Abwehrsystem ist unsere stärkste Waffe gegen Krankheiten. Vom Schnupfen bis zum Krebs hat das Immunsystem die Kraft zu heilen. Da scheint es nur logisch, dass die Immunologie, also die Lehre vom Immunsystem, einige der größten medizinischen Durchbrüche unserer Zeit hervorgebracht hat. Dazu gehört das Konzept der Impfung, bei dem das Immunsystem lernt, wie es lebensbedrohliche Krankheitserreger abwehren kann. „Seit einigen Jahren erleben wir in der Krebsforschung einen Durchbruch, der sich in ähnlicher Weise auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirken könnte wie Impfungen“, macht Professor Dr. Philipp Beckhove, Direktor des Regensburger Centrums für Interventionelle Immunologie (RCI), deutlich. So haben Immunologen nach jahrzehntelanger internationaler Forschung Mechanismen gefunden, mit denen das körpereigene Immunsystem bösartige Tumoren erkennen und zerstören kann. „Diese Entdeckungen münden aktuell in der Entwicklung von neuen Immuntherapien gegen Krebs. Damit können erstmals auch weit fortgeschrittene Tumoren erfolgreich behandelt und langfristig kontrolliert werden“, gibt Professor Beckhove einen Einblick in die Möglichkeiten der Immunologie. Da sich Tumoren nicht nur mit einem, sondern mit vielen, zum Teil noch nicht erforschten Mechanismen, vor dem Immunsystem schützen, kann mit der Immuntherapie allerdings bislang erst ein kleiner Teil der Krebsfälle effektiv behandelt werden.

Lange Immunologie-Tradition in Regensburg

In Deutschland gehört Regensburg zu den Leuchttürmen in der Interventionellen Immunologie. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) und des RCI sind bei der Erforschung und Entwicklung neuer Immuntherapieansätze gegen Krebs an vorderster Front beteiligt. Als Einrichtung des RCI ist das José-Carreras-Centrum für Somatische Zelltherapie (JCC) auf die Herstellung von Zelltherapeutika und Arzneimittel für neuartige Therapien spezialisiert. Die Immunologen dieser drei Institutionen konzentrieren sich auf die wirksamsten Immunzellen, die T-Lymphozyten. Diese weißen Blutkörperchen können Tumorzellen erkennen und zerstören, was ihnen den Spitznamen T-Killerzellen beschert.

„Wir wollen T-Lymphozyten durch genetische Manipulationen in die Lage versetzen, Tumorzellen noch besser als bisher zu erkennen“, erläutert Professor Dr. Wolfgang Herr, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des UKR und Sprecher des Sonderforschungsbereichs Transregio 221 zur Immunzelltherapie der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Unter Federführung seiner Klinik startete kürzlich die erste klinische Studie in Deutschland zu einem neuen Ansatz in der Krebsimmuntherapie mit manipulierten T-Zellen.

„Die Immunzelltherapie ermöglicht es uns zukünftig, T-Killerzellen gegen unterschiedliche Tumorerkrankungen gezielt herzustellen, was mit anderen Immuntherapeutika bisher kaum möglich ist“, führt Professor Dr. Matthias Edinger, Leiter des José-Carreras-Centrums für Somatische Zelltherapie, aus. In den hochmodernen Reinräumen des JCC am Universitätsklinikum Regensburg erfolgt die zelluläre Wirkstoffproduktion. In Kooperation mit Biotechnologiefirmen wurden im JCC zuletzt neue Zellsortierungstechnologien entwickelt, die erstmals weltweit die gezielte Isolierung seltener Immunzellsubpopulationen ermöglichen und in ersten klinischen Studien zur Behandlung von Transplantationskomplikationen bereits erfolgreich eingesetzt werden.
 
Professor Dr. Markus Feuerer, Inhaber des Lehrstuhls für Immunologie am Regensburger Centrum für Interventionelle Immunologie (RCI), Professor Dr. Philipp Beckhove, Direktor des RCI, Professor Dr. Wolfgang Herr, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des UKR und Professor Dr. Matthias Edinger, Leiter des José-Carreras-Centrums für Somatische Zelltherapie (nicht im Bild), forschen an neuen Immuntherapieansätzen gegen Krebs. © UKR/Domenica Golka
Professor Dr. Markus Feuerer, Inhaber des Lehrstuhls für Immunologie am Regensburger Centrum für Interventionelle Immunologie (RCI), Professor Dr. Philipp Beckhove, Direktor des RCI, Professor Dr. Wolfgang Herr, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des UKR und Professor Dr. Matthias Edinger, Leiter des José-Carreras-Centrums für Somatische Zelltherapie (nicht im Bild), forschen an neuen Immuntherapieansätzen gegen Krebs. © UKR/Domenica Golka


RCI programmiert körpereigene Zellen gegen den Krebs

Die Erfolge der Regensburger Immunmedizin sollen nun mit Hilfe des Regensburger Centrums für Interventionelle Immunologie systematisch weiter entwickelt und ausgebaut werden. „Am RCI untersuchen wir, über welche Fähigkeiten eine Immunzelle verfügen muss, um Krebszellen effektiv abstoßen zu können, und statten sie dann gezielt damit aus“, erklärt Professor Beckhove. Das RCI bündelt die immunologische Expertise im Bereich Tumorimmunabwehr, Autoimmunität und Transplantationsmedizin und überführt die immunologische Grundlagenforschung in hochmoderne Immuntherapien zur Behandlung von Krebs und immunologischen Abstoßungsreaktionen, die dann im UKR direkt zur klinischen Anwendung kommen. Hierzu konnten international renommierte Wissenschaftler an das RCI rekrutiert werden. Noch in diesem Jahr sollen zwei neue Professuren für genetische und funktionelle Immunzellmanipulation besetzt werden. „Mit der Immuntherapie können wir in Zukunft nicht nur Krebs effektiv bekämpfen, sondern werden auch dazu in der Lage sein, unerwünschte Immunreaktionen, wie Autoimmunkrankheiten zu behandeln“ skizziert Professor Dr. Markus Feuerer, Inhaber des Lehrstuhls für Immunologie am RCI, seine Vision für die immunmedizinische Krankenversorgung.

Regensburg wird Immunologie-Forschungsstandort von internationaler Bedeutung

Die bayerische Staatsregierung unterstützt den ambitionierten Weg der Regensburger Immunmedizin nicht nur durch ein neues Institutsgebäude für das RCI am Universitätsklinikum Regensburg, dessen Richtfest im März dieses Jahres gefeiert wurde, sondern auch durch die Zusage des neuen bayerischen Ministerpräsidenten, das RCI in ein außeruniversitäres Forschungsinstitut umzuwandeln und mittelfristig in die Leibniz-Gemeinschaft zu überführen. „Dies gibt uns die nötigen Ressourcen und langfristige Sicherheit, um das RCI zu einem Forschungszentrum von internationaler Bedeutung auszubauen“, freut sich Professor Beckhove.

Universitätsklinikum Regensburg


Das könnte Sie auch interessieren

Bis zu 40 Prozent mehr Leberkarzinome entdecken – dank Ultraschallverfahren mit kombinierten Bluttests

Bis zu 40 Prozent mehr Leberkarzinome entdecken – dank Ultraschallverfahren mit kombinierten Bluttests
© Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

In Deutschland erkranken jährlich circa 9000 Menschen an Leberkrebs – und die Häufigkeit der Erkrankung nimmt deutlich zu. In den vergangenen 35 Jahren hat sich die Zahl der Neuerkrankungen verdoppelt. Ein gängiges Verfahren zur Diagnose dieser Erkrankung ist die Ultraschalluntersuchung: Mithilfe der modernen Sonografie lässt sich gutartiges Gewebe sehr exakt von bösartigem unterscheiden. Wenn die Ultraschalldiagnostik mit speziellen Bluttests kombiniert wird,...

Mit individuell zugeschnittenen Behandlungen länger überleben

Mit individuell zugeschnittenen Behandlungen länger überleben
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Lange Zeit galt die Diagnose Lungenkrebs als sicheres Todesurteil. Dank neuer Diagnostik und personalisierter Behandlungsmethoden haben sich die Aussichten für Betroffene in den letzte fünf Jahren dramatisch verbessert, wie Experten auf dem Kongress der European Respiratory Society (ERS) in Mailand erklärten. Wichtig sei, stets einen Lungenfacharzt in die Behandlung mit einzubeziehen, betont die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Patienten...

Prävention: „Körperliche Aktivität so wichtig wie ein Krebsmedikament“

Prävention: „Körperliche Aktivität so wichtig wie ein Krebsmedikament“
© Heidi Mehl / Fotolia.com

Nach Schätzungen beruhen etwa 70 Prozent aller behandelten Erkrankungen in den Industrienationen auf Lebensstilfaktoren, wie Übergewicht, das aufgrund von falscher Ernährung und mangelnder Bewegung entstanden ist. Ein gesunder Lebensstil sei ein wesentlicher Präventionsfaktor und müsse dringend gesundheitspolitisch verankert werden, fordert ein Experte im Vorfeld der MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2016. Es gelte nicht nur medizinische, sondern auch gravierende soziale...

Bayern gegen Leukämie – Gemeinsamer landesweiter Aktionstag für Typisierung am 25. Mai 2018

Bayern gegen Leukämie – Gemeinsamer landesweiter Aktionstag für Typisierung am 25. Mai 2018
© RFBSIP / Fotolia.com

Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Robert Koch-Institut Berlin rund 11.000 Menschen neu an Leukämie. Mit einer Stammzellspende können sie gerettet werden, jedoch gibt es für jeden zehnten Patienten noch immer keinen passenden Spender. Deshalb sind am 25. Mai alle Bayern aufgerufen, sich als Stammzellspender gegen Leukämie typisieren zu lassen. Die DAK-Gesundheit in Bayern unterstützt gemeinsam mit zahlreichen Partnern die nach Angaben der Stiftung Aktion...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Immunologie revolutioniert die Krebstherapie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.