Dienstag, 28. Januar 2020
Navigation öffnen

Infos für Patienten

21. März 2019 Bayern gegen Darmkrebs: Das Modellprojekt „Sprich drüber!“ will junge Menschen im Freistaat vor einer Erkrankung bewahren.

FARKOR: Werbe-Anzeige Frau / © Felix Burda Stiftung
Auf Initiative der Felix Burda Stiftung haben sich die bayerischen Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) zum Modellprojekt „Sprich drüber!“ zusammengeschlossen. Ziel des Projekts ist es, ein vorhandenes familiäres Darmkrebsrisiko bei Versicherten im Alter von 25 bis 49 Jahren möglichst so früh zu identifizieren, dass diese vor einer Darmkrebserkrankung bewahrt werden können. Jede Bayerin und jeder Bayer in dieser Altersgruppe erhält im Rahmen des Projekts exklusive Leistungen, die ihn vor Darmkrebs schützen können. Rund 1.000 Teilnehmer machen bereits mit.
Die bundesweite Situation

Ab dem 50. Lebensjahr haben alle gesetzlich Versicherten Anspruch auf eine bezahlte Darmkrebsfrüherkennung - mit 50 auf den immunchemischen Stuhltest, mit 55 auf die Vorsorgekoloskopie. Auch dank dieser Präventionsleistung, ist die Zahl der Neuerkrankungen in der Altersgruppe der 50 bis 74 jährigen seit ihrer Einführung im Jahr 2002 um 17 Prozent zurückgegangen.

Dagegen sieht es bei den Jüngeren gänzlich anders aus: Hier stieg die Anzahl der Neuerkrankungen bei den 25 bis 49 jährigen im selben Zeitraum um 11 Prozent an! Diese Altersgruppe hat aktuell aber auch keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Darmkrebsvorsorge. Und dies, obwohl in Deutschland inzwischen jede zehnte Darmkrebs-Neuerkrankung bei Menschen unter 50 Jahren diagnostiziert wird.

Besonders gefährdet sind Menschen, in deren Familien es bereits Fälle von Darmkrebs gibt. Insbesondere für diese Menschen, die aufgrund ihres familiären Risikos wesentlich früher an Darmkrebs erkranken können, kommt die gesetzliche Früherkennung ab 50 aber oft zu spät.

Das bayerische Modellprojekt „Darmkrebs in der Familie? Sprich drüber!“

Das vom Innovationsfonds der Bundesregierung geförderte Modellprojekt schließt diese Versorgungslücke in Bayern. Im Fokus des Projekts stehen Versicherte im Alter von 25 bis 49 Jahren. Sie erhalten im Rahmen des Projekts erstmals die Möglichkeit, durch die Erhebung einer ausführlichen Familienanamnese über eine eventuell in der Familie vorliegende Veranlagung für Darmkrebs informiert zu werden. Deutet die Familienanamnese auf das Vorliegen eines familiären Risikos hin, können diese Betroffenen in Bayern eine kostenfreie Vorsorgedarmspiegelung oder alternativ einen immunchemischen Stuhltest in Anspruch nehmen.
Und dies bereits ab 25 Jahren!

 
FARKOR: Christa Maar (Felix Burda Stiftung) / © Felix Burda Stiftung
FARKOR: Christa Maar (Felix Burda Stiftung) / © Felix Burda Stiftung


„Bei meinem Sohn Felix wurde mit 31 Jahren Darmkrebs diagnostiziert. Er überlebte diese Diagnose nur zwei Jahre. Dieses Projekt hätte ihm das Leben retten können“, so Christa Maar, die als Vorstand der Felix Burda Stiftung sich im Namen ihres Sohnes gegen Darmkrebs engagiert.

„Dieses Modellprojekt ist einzigartig in Deutschland!“, betont Dr. Pedro Schmelz, 1.stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), der rund 15.000 Hausärzte, hausärztlich tätige Internisten, Hautärzte, Gastroenterologen, Gynäkologen, Urologen und Onkologen in Bayern angeschrieben hat, um sich an dem Projekt zu beteiligen. „Mit „Sprich drüber!“ schließen wir eine Versorgungslücke in der Darmkrebsvorsorge für junge Menschen. Darauf sind wir sehr stolz, denn bislang hatten unsere bayerischen Ärzte keine Möglichkeit, junge Erwachsene mit familiärem Darmkrebsrisiko zu identifizieren und ihnen Vorsorge-Maßnahmen anzubieten“, so Schmelz.
 
FARKOR: Dr. Pedro Schmelz (KVB) / © Felix Burda Stiftung

Auch die Krankenkassen in Bayern unterstützen die Initiative. Klaus Schwarzer, Direktor der AOK Bayern erläutert die Ansprache der Indexpatienten: „Patienten, die in den letzten 18 Monaten an Darmkrebs erkrankt sind, werden von den Krankenkassen angeschrieben und darüber aufgeklärt, welches Risiko ihre Erkrankung für ihre eigene Familie bedeutet.“ Mit den beiliegenden Info-Flyern können diese Betroffenen dann ihre Angehörigen informieren.

Der Magen-Darm-Arzt Dr. Berndt Birkner kennt die Problematik aus seiner eigenen gastroenterologischen Praxis: „Wenn Vater oder Mutter an Darmkrebs erkrankt sind, löst das bei den Familienmitgliedern Ängste aus, das gleiche Schicksal erleiden zu müssen. Menschen mit familiärem Risiko werden daher durch die Beratung und mit den Vorsorge-Möglichkeiten des Projekts physisch und psychisch entlastet.“
 
FARKOR: Dr. Berndt Birkner, Magen-Darm-Arzt, Kuratoriumsmitglied der Felix Burda Stiftung und medizinischer Berater des Modellprojekts / © Felix Burda Stiftung


Das Modellprojekt zielt demnach von zwei Seiten auf die 25 – 49 jährigen: Zum einen über die Ansprache der Ärzte, wenn diese Menschen wegen ganz anderer Beschwerden in der Praxis erscheinen. Zum anderen über die Motivation der bereits erkrankten Familienmitglieder.

Ziel: Die Regelversorgung

Ziel von „Sprich drüber!“ ist es, innerhalb des Erhebungszeitraums bis März 2020 in Bayern eine ausreichende Zahl von Teilnehmern – Ärzten und Patienten - zu rekrutieren, um das Projekt wissenschaftlich evaluieren zu können.

Von den bayernweit eingeschriebenen Ärzten, stellen die Hausärzte aktuell mit 65 Prozent die größte Gruppe. Rund 1.000 Menschen in Bayern haben bereits an „Sprich drüber!“ teilgenommen und auch von den Sonderleistungen profitiert.

„Wenn dieses Projekt in Bayern erfolgreich ist“, macht Pedro Schmelz das Ziel deutlich, „können das erarbeitete Prinzip und die Prozesse im Anschluss bundesweit in die Regelversorgung übernommen werden.“

„18 Jahre nach Felix‘ Tod, haben familiär Betroffene in Deutschland immer noch keinen Anspruch auf eine risikoadaptierte Vorsorge“, gibt Initiatorin Christa Maar zu bedenken. „Ich hoffe, dass wir mit diesem Projekt diesen Menschen endlich genauso die Chance geben Darmkrebs zu verhindern, wie es den über 55 jährigen bereits seit 2002 möglich ist.“

Werbe- und PR-Kampagne

Für „Sprich drüber“ wurde eine eigene Werbekampagne entwickelt, um Betroffene und ihre Familien auf das Projekt aufmerksam zu machen. Die Projekt-Website www.darmkrebs-in-der-familie.de informiert über das familiäre Darmkrebsrisiko und die möglichen Folgen. Hier stehen auch ein Online-Selbsttest und eine Arztsuche zur Verfügung.
 
 
 

Felix Burda Stiftung


Das könnte Sie auch interessieren

José Carreras Leukämie-Stiftung lobt Best Paper Award 2018

José Carreras Leukämie-Stiftung lobt Best Paper Award 2018
© Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

„Nur über medizinische Forschung wird es uns gelingen, Leukämie und andere bösartige Blut- oder Knochenmarkserkrankungen bei jedem und immer heilbar zu machen. Nach 2016 und 2017 zeichnet die José Carreras Leukämie-Stiftung deshalb auch in diesem Jahr wieder herausragende wissenschaftliche Arbeiten aus. Dotiert ist der 3. Best Paper Award mit 10.000 Euro, über die der Preisträger für seine weitere wissenschaftliche Arbeit frei verfügen kann“,...

Schmerzmittel Methadon ist kein Krebsheilmittel - keine falschen Hoffnungen wecken

Schmerzmittel Methadon ist kein Krebsheilmittel - keine falschen Hoffnungen wecken
@ efmukel / Fotolia.com

Das Opioid Methadon sollte nicht zur Tumortherapie eingesetzt werden. Die derzeit vorliegenden Daten aus Labor- und Tierversuchen sowie einer Studie mit 27 Krebspatienten reichen nicht aus, um eine Behandlung zu rechtfertigen. Einige Medienberichte wecken dennoch bei an Leukämie oder Hirntumor erkrankten Patienten die falsche Hoffnung auf Heilung. Methadon ist zur Behandlung starker Schmerzen zugelassen und ein etabliertes Medikament in der Schmerztherapie bei Krebserkrankten. Darauf...

Kehlkopfentfernung – und wie geht es weiter?

Kehlkopfentfernung – und wie geht es weiter?
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Nicht mehr mit der eigenen Stimme sprechen zu können, ist für gesunde Menschen schwer vorstellbar. Wenn jedoch der Kehlkopf infolge einer Tumorerkrankung entfernt werden muss, wird das schnell zur Realität. Simone Kornburger, Case Managerin der Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde des Universitätsklinikums Regensburg (UKR), hat einen interdisziplinären Patientenleitfaden entwickelt, der die Betroffenen von der Diagnose bis nach der Entlassung...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Bayern gegen Darmkrebs: Das Modellprojekt „Sprich drüber!“ will junge Menschen im Freistaat vor einer Erkrankung bewahren."

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASH 2019
  • Erhöhte Knochendichte ist ein ungünstiger prognostischer Faktor bei aggressiver systemischer Mastozytose
  • Neue ITP-Leitlinien der ASH unterstreichen die Bedeutung von Thrombopoetinrezeptor-Agonisten für die Zweitlinientherapie der ITP
  • Registerdaten aus dem klinischen Alltag zur CAR-T-Zell-Therapie bei DLBCL-Patienten
  • CML: Real-world-Daten zeigen besseres zytogenetisches und molekulares Ansprechen durch Zweitgenerations-TKI
  • Polycythaemia Vera: Post-hoc-Analyse des Langzeitansprechens auf Ruxolitinib
  • Transfusionspflichtige Myelodysplastische Syndrome: Ansprechen auf Eisenchelation geht im klinischen Alltag mit Überlebensverbesserung einher
  • Fortgeschrittene systemische Mastozytose: Verhältnis von RNA- und DNA-basierten quantitativen KIT D816V-Mutationsanalysen prognostisch relevant
  • Ruxolitinib moduliert Mikroenvironment des Knochenmarks bei der Myelofibrose
  • CML: TIGER-Studie bestätigt tiefes und anhaltendes molekulares Ansprechen unter Nilotinib-basierter Therapie
  • Sichelzellanämie: Reduktion schmerzhafter vaso-okklusiver Krisen verringert Organschädigungen und verbessert Lebensqualität