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Medizin
25. März 2021

Zytomegalievirus bei Stammzelltransplantation: Virusmenge beeinflusst Erfolgsaussichten

Das Zytomegalievirus (CMV) ist ein Herpesvirus, das rund 70 % aller Menschen in sich tragen. Gesunde Erwachsene kontrollieren das Virus in der Regel gut mit ihrem funktionierenden Immunsystem. Bei Leukämiekranken, die eine Stammzelltransplantation erhalten sollen, sieht das anders aus: ihre blutbildenden Zellen werden während der Vorbehandlung zerstört und für kurze Zeit besitzen diese Menschen kein Immunsystem – das Virus wird dann wieder aktiv. Deshalb werden Stammzellempfangende in der Regel vorsorglich auf CMV getestet und es wird eine entsprechende Therapie durchgeführt.
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„In bisherigen Studien hat man vor allem überprüft, ob Spendende und Empfangende positiv oder negativ auf CMV getestet wurden“, sagt Saskia Leserer, Doktorandin in der Klinik für Hämatologie und Stammzelltransplantation am Universitätsklinikum Essen. „Wir sind bei unserer Analyse nun tiefer eingestiegen und haben gesehen, dass die Bedeutung der CMV Viren bei stammzelltransplantierten Patienten wesentlich vom CMV Titer, also der Anzahl der im Blut vorhandenen Viruspartikel und vom Immunprofil der Patientinnen und Patienten abhängt.“ Das Ganze hat das Forschungsteam der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen im zeitlichen Verlauf bei mehr als 700 Patienten nach Stammzelltransplantation betrachtet.


Mittelhoher Virustiter reduziert Leukämierückfälle

Die Forschenden haben die Zahl der Viren im Blut im ersten Jahr nach Stammzelltransplantation überprüft und festgestellt, dass eine Reaktivierung des CMV fast immer innerhalb der ersten 100 Tage geschieht. Sie unterscheiden 3 Risikogruppen: Patienten mit einer hohen, mittleren und niedrigen Viruslast. „Dabei haben wir festgestellt, dass eine frühe, hohe Viruslast ein höheres Mortalitätsrisiko für die Patientinnen und Patienten bedeutet“, erklärt Dr. Dr. Amin Turki, Leiter der Studie. „Interessanterweise reduzierte aber ein mittelhoher Virustiter die Zahl der Leukämierückfälle signifikant.“


Was führt zu diesen unterschiedlichen Virustitern?

Der Studie zufolge liegt die Antwort im Zusammenspiel von Virus und Immunsystem der Behandelten, das erst nach der Stammzelltransplantation wieder in Gang kommt. „Die 3 Gruppen mit niedriger, mittlerer und hoher Viruslast zeigten auch unterschiedliche Immunprofile,“ betont Saskia Leserer. „Bei Personen mit einer hohen Viruslast baute sich das Immunsystem leicht verzögert auf und sie hatten weniger T-Zellen im Blut, während Patienten mit einem niedrigen oder mittleren Virustiter eine schnellere Rekonstitution und eine höhere Anzahl von T-Zellen aufwiesen.“ Das Autorenteam schlägt deshalb vor, dass zukünftig die Viruskinetik, also die Entwicklung der Viruslast über die Zeit, nach der Transplantation genauer betrachtet und möglichweise sogar als Vorhersage modelliert wird, statt nur auf das Vorhandensein des Virus zu testen. „Wichtig ist, dass nicht jede einzelne Episode der CMV-Reaktivierung eine Bedrohung für das Überleben der Betroffenen ist“, betont Dr. Turki.

Quelle: Medizinische Universität Essen


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