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Medizin
17. September 2012

Zur Rolle der zertifizierten Krebszentren in der medizinischen Versorgung Deutschlands

Zertifizierte Zentren sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer besseren Qualität in der Krebsversorgung. Dieses Fazit zogen die Experten auf einer Pressekonferenz zur Eröffnung des 1. CCOP-Updates am Cancer Center Oldenburg, Pius-Hospital. Die Finanzierung dieser hohen Versorgungsqualität dürfe jedoch nicht mehr länger allein auf den Schultern der einzelnen Zentren liegen.

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Eine steigende Zahl von Kliniken in Deutschland, darunter auch das Pius-Hospital in Oldenburg, baut auf ein onkologisches Versorgungskonzept, das besonders die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller beteiligten Fachgruppen und Institutionen fördert. Organkrebszentren, die auf die Behandlung einer Tumorart spezialisiert sind, bilden die Basis dieses Konzepts, das seit Jahren von der Deutschen Krebsgesellschaft unterstützt wird. Auf der zweiten Stufe des Versorgungskonzepts stehen so genannte onkologische Zentren, die mehrere Krebsarten unter einem Dach behandeln. In Kooperation mit vertragsärztlichen onkologischen Schwerpunktpraxen findet dort eine umfassende Krankenversorgung inklusive der psychosozialen Versorgung und der Einsatz supportiver und palliativmedizinischer Maßnahmen statt.
 
„Die interdisziplinäre Zusammenarbeit an den Zentren ist enorm wichtig, um eine qualitativ hochwertige Krebsversorgung entlang der gesamten onkologischen Versorgungskette zu erreichen“, sagte Professor Frank Griesinger, Koordinator am Cancer Center Oldenburg, Pius-Hospital. „Darüber hinaus verpflichten wir uns zur Einhaltung bestimmter Qualitätsstandards, die auf der Grundlage der neuesten Behandlungsleitlinien festgelegt werden. Das hilft, unnötige Behandlungen zu vermeiden und bringt gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse rascher zu den Patienten.“ Das Cancer Center Oldenburg, Pius-Hospital, hat erst kürzlich den Zertifizierungsprozess der Deutschen Krebsgesellschaft durchlaufen.
 
In der Tat gäbe es mittlerweile Belege dafür, dass sich die Zertifizierung positiv auf das Ergebnis der Krebsbehandlung auswirke, erklärte Dr. Monika Klinkhammer-Schalke, Geschäftsführerin am Tumorzentrum Regensburg e. V. Einen deutlichen Qualitätsunterschied sehe man zum Beispiel deutschlandweit bei der adjuvanten Chemotherapie des Kolon-Karzinoms im Stadium III. „Diese Behandlung erhalten 74% der Patienten an zertifizierten Zentren, aber nur 61% der Behandelten an nicht zertifizierten Zentren. Für die Betroffenen macht das immerhin einen Unterschied von 10% in der Fünfjahres-Überlebensrate aus.“ Hier bietet das Darmkrebszentrum Oldenburg, Pius-Hospital, die entsprechende operative und systemtherapeutische Kompetenz. Das Pankreaskrebs-Zentrum am Pius-Hospital ist das einzige seiner Art mit einem DKG-Zertifikat in Niedersachsen und hat sich daher zur überregionalen Anlaufstelle für Patienten mit dieser Krebserkrankung entwickelt.
 
Dass die Leitlinientreue einen erheblichen Anteil an einer qualitativ hochwertigen Krebsversorgung hat, bestätigte auch Professor Manfred Wischnewsky vom eScience lab in Bremen und bezieht sich dabei auf Daten der BRENDA-Studie, wonach Verstöße gegen die S3-Leitlinie zum Mammakarzinom das Überleben von Brustkrebs-Patientinnen deutlich verschlechtern. Ähnliche Untersuchungen sollen jetzt für Lungenkrebs durchgeführt werden - Lungenkrebs ist die häufigste Ursache für den Krebstod bei Männern und die dritthäufigste bei Frauen. Das Pius-Hospital verfügt über ein Lungenkrebszentrum, das bereits 2010 zertifiziert und 2012 rezertifiziert wurde; neben Osterkappeln und Hannover ist dies das einzige in Niedersachsen zertifizierte Lungenkrebszentrum.
 
Auch wenn sich die Behandlungsqualität durch eine Zertifizierung verbessert, so ist die Aufrechterhaltung und Verbesserung einer qualitativ hochwertigen Krebsversorgung für die Zentren doch mit einem erheblichen Aufwand verbunden, so Dr. Dirk Weyhe, Leiter des Darm- und Pankreaskrebszentrums Oldenburg, Pius-Hospital. Bislang wird dieser Aufwand im Wesentlichen von den Zentren selbst finanziert. Doch die Experten waren sich einig: Es sei fraglich, wie dies angesichts des steigenden Kostendrucks im Gesundheitswesen noch möglich sei. Ein Pay-for-Performance-Verfahren, das die Vergütung von Gesundheitsleistungen an deren Qualität knüpft, könnte hier möglicherweise Abhilfe schaffen. Zwei Ansätze sind prinzipiell denkbar: (1) die Erbringung von Leistungen ausschließlich von Krankenhäusern, die die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen, oder (2) die Einrichtung von Zentrenzuschlägen, z. B. als Zusatzentgelte.

Quelle: Pius-Hospital Oldenburg


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