Donnerstag, 26. November 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Vargatef
Vargatef
Medizin

12. November 2020 Zur Zukunft der Hämatologie und Onkologie: Ein Update

Die Zukunft der Onkologie und Hämatologie aktiv mitgestalten – unter diesem Zeichen stand der virtuelle MediaDialog im Vorfeld des diesjährigen DGHO-Kongresses. Experten erläuterten aktuelle Aspekte zur Therapie des rezidivierten/refraktären multiplen Myeloms mit Carfilzomib (Kyprolis®) sowie des metastasierten Kolorektalkarzinoms (mCRC) mit Panitumumab (Vectibix®). Thema war auch die vergleichbare Wirksamkeit des Bevacizumab-Biosimilars MVASI® mit dem Originalprodukt, das u.a. beim mCRC eingesetzt werden kann.
Anzeige:
Zynteglos
Zynteglos
Ein zentraler Punkt für die Entwicklung neuer innovativer Behandlungsmöglichkeiten ist die Erforschung der molekularen Mechanismen, die einer Erkrankung zugrunde liegen. Dabei liegt die Konzentration auf schweren Erkrankungen, für die großer medizinischer Bedarf besteht.
 
Meilensteine: 5 Jahre Carfilzomib beim rezidivierten/refraktären multiplen Myelom
 
Für relevante Fortschritte in der Hämato-Onkologie ist das multiple Myelom ein besonders gutes Beispiel, erklärte Dr. Deniz Gezer, Aachen. Die komplexe Erkrankung ist nicht heilbar, dank innovativer Therapien können Patienten jedoch von einem verlängerten Gesamt- und progressionsfreien Überleben sowie von einer verbesserten Lebensqualität profitieren. Einen wesentlichen Anteil daran hat laut Gezer das Wirkprinzip der Proteasominhibition. Myelomzellen sind in mehrfacher Hinsicht von einem funktionierenden Proteasom abhängig. Die Proteasominhibition greift breit in zelluläre Prozesse innerhalb und außerhalb der Myelomzelle ein und schafft dadurch ein proapoptotisches, anti-proliferatives Umfeld (1). Ein wichtiger Vertreter aus dieser Substanzgruppe ist Carfilzomib, das als Proteasominhibitor der zweiten Generation seit November 2015 in Kombination mit entweder Lenalidomid und Dexamethason oder mit Dexamethason alleine zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit multiplem Myelom indiziert ist, die mindestens eine vorangegangene Therapie erhalten haben (2).

ENDEAVOR-Studie
 
„Die Einführung von Carfilzomib war ein weiterer Fortschritt und in der Zulassungsstudie ENDEAVOR wurde deutlich, dass sich Proteasominhibitoren hinsichtlich Wirksamkeit und Verträglichkeit deutlich unterscheiden“, betonte Gezer. Im Rahmen der ENDEAVOR-Studie wurden Carfilzomib plus Dexamethason (Kd) und Bortezomib plus Dexamethason (Vd) direkt miteinander verglichen (3). Unter der Therapie mit Kd kam es zu einer Verdoppelung des tiefen Ansprechens von 6% unter Vd auf 13% unter Kd (4). Das progressionsfreie Überleben (PFS) war unter Kd mit 18,7 Monaten signifikant länger als unter Vd mit 9,4 Monaten (5). Die Verlängerung des Gesamtüberlebens war von 40,0 Monaten auf 47,6 Monate unter Kd ebenfalls signifikant (4). Hinsichtlich der Verträglichkeit hob Gezer die deutlich geringere Rate an peripheren Neuropathien unter Carfilzomib gegenüber Bortezomib als Vorteil für die Patienten hervor (3). Kd kann gerade für Patienten, die bereits mit Lenalidoimd vorbehandelt und/oder Lenalidomid-refraktär sind, eine gute Therapieoption sein. Die Carfilzomib-Therape führte sowohl in der Zweifach- als auch in der Dreifachkombination zu einem schnellen (3, 6) und tiefen Ansprechen (7, 8).

Überlegenheit von Carfilzomib als Dreifachkombination mit Lenalidomid und Dexamethason
 
Die Überlegenheit von Carfilzomib als Dreifachkombination mit Lenalidomid und Dexamethason (KRd) gegenüber der Kombination aus Lenalidomid und Dexamethason (Rd) wurde in der Zulassungsstudie ASPIRE gezeigt (6, 9). Mit KRd behandelte Patienten profitierten von einer um 8,7 Monate verlängerten Zeit bis zum Krankheitsprogress oder Tod: Das PFS betrug im KRd-Arm 26,3 Monate im Vergleich zu 17,6 Monaten im Rd-Arm (6). Das mediane OS betrug unter KRd 48,3 Monate gegenüber 40,4 Monate für Rd (9). Patienten, die unter KRd mindestens eine Komplettremission (CR) erreichten, wiesen ein medianes PFS von 50,4 Monaten und ein OS von mehr als 5 Jahren auf (10). Gezeigt wurde auch, dass die durch KRd erzielten Verbesserungen im PFS offenbar unabhängig vom zytogenetischen Risikoprofil waren (11). Somit können auch Patienten, die beispielsweise aufgrund eines zytogenetischen Hochrisikos einen hohen Therapiebedarf haben, von KRd profitieren.
 
EGFR-Inhibitor Panitumumab: hoher Stellenwert in der Erstlinientherapie des mCRC
 
Das Therapieziel in der Erstlinientherapie des mCRC ist oftmals eine maximale Tumorreduktion. Patienten, deren allgemeiner Gesundheitszustand dies zulässt, erhalten in der Regel eine Chemotherapie in Kombination mit einem EGFR-Inhibitor, sofern sie einen RAS-Wildtyp-Tumor mit linksseitigem Primarius haben, erläuterte Prof. Dr. Dominik Paul Modest, Berlin. Metaanalysen der Head-to-Head-Erstlinienstudien zeigen einen Überlebensvorteil beim Einsatz von EGFR-Inhibitoren gegenüber dem VEGF-Inhibitor Bevacizumab (12, 13). Zur Erstlinientherapie mit dem EGFR-Inhibitor Panitumumab in Kombination mit den Standardregimen FOLFOX und FOLFIRI bei Patienten mit RAS-Wildtyp liegt eine überzeugende Evidenz vor (14-16). In der PEAK-Studie konnte eine 65%-ige Tumordiameter-Schrumpfung bei Patienten, die Panitumumab in Kombination mit mFOLFOX (6) erhalten hatten, festgestellt werden, und lediglich eine 46,3-%ige Schrumpfung unter Bevacizumab-Therapie (DpR) (17). Das tiefe Ansprechen (DpR) korrelierte mit verbesserten Resektionsraten, verbesserter Tumorsymptomatik und längerem Überleben. „Die Erstlinientherapie mit EGFR-Inhibitoren bei Tumoren mit RAS-Wildtyp hat daher einen hohen Stellenwert“, betonte Modest. In der Zweitlinientherapie erscheinen dagegen VEGF-Inhibitoren als die bessere Wahl, was laut Modest das Konzept der Sequenztherapie unterstreicht.
 
VEGF-Inhibition: Bevacizumab-Biosimilar

 
Zum Amgen-Portfolio gehört auch das Bevacizumab-Biosimilar MVASI®, das für verschiedene Tumorerkrankungen zugelassen ist. Unter anderem wird MVASI® in Kombination mit einer Chemotherapie auf Fluoropyrimidin-Basis zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit metastasiertem Kolon- oder Rektumkarzinom angewendet (19). Für die Zulassung von Biosimilars wird die Ähnlichkeit zum Originator in einer Indikation geprüft, in der mögliche Unterschiede zum Referenzprodukt am wahrscheinlichsten gezeigt werden können. Die sensitivste Population für Bevacizumab-Biosimilars ist das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom (NSCLC). Im Rahmen der MAPLE-Studie wurden daher die Wirksamkeit und Verträglichkeit von ABP 215/MVASI® gegenüber dem Referenzprodukt Avastin® bei NSCLC-Patienten untersucht (20). Wie Modest erläuterte, zeigte sich ein Ansprechen bei 39,0% der Patienten unter ABP 215/MVASI® und bei 41,7% unter dem Referenzprodukt. Damit konnte die vergleichbare Wirksamkeit beider Substanzen gezeigt werden. Nach dem Konzept der Extrapolation können diese Ergebnisse auch auf das mCRC übertragen werden, so dass MVASI® in dieser Indikation ebenso wie das Originalpräparat eingesetzt werden kann (20).

Quelle: Amgen

Literatur:

(1)  Roy P et al. Biomedicines. 2018; 6(2): 59.
(2)  Fachinformation Kyprolis®, Stand Juni 2020.
(3)  Dimopoulos MA et al. Lancet Oncol. 2016 Jan;17(1):27-38.
(4)  Dimopoulos MA et al. Lancet Oncol. 2017 Oct;18(10):1327-1337.
(5)  Moreau et al. Leukemia 2017;31:115-22.
(6)  Stewart AK et al. N Engl J Med 2015; 372: 142-152.
(7)  Dimopoulos MA et al. Blood Cancer J 2017;7(4):e554.
(8)  Dimopoulos MA et al. J Hematol Oncol 2018;11(1):49.
(9)  Siegel DS et al. J Clin Oncol 2018;36(8):728-734.
(10) Weisel K et al. ASH 2018, Abstract 3299.
(11) Avet-Loiseau H, Fonseca R, Siegel D, et al. Blood 128:1174-1180, 2016.
(12) Heinemann V et al. Eur J Cancer 2016; 67:11-20.
(13) Khattak MA et al. Clin Colorectal Cancer 2015;14:81−90.
(14) Fachinformation Vectibix®, Stand September 2019.
(15) Douillard JY et al. N Engl J Med 2013;369:1023–1034.
(16) Rivera F et al. Eur J Cancer 2015;51(Suppl 3):S1–S810: abstr 2014 (and poster).
(17) Rivera F et al. Int J Colorectal Dis. 2017 Aug;32(8):1179-1190.
(18) Douillard JY et al. Eur J Cancer 2015;51:1231−42.
(19) Fachinformation MVASI®, Stand August 2020.
(20) Thatcher N et al. Clin Cancer Res 2019;25:2088-2095


Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Zur Zukunft der Hämatologie und Onkologie: Ein Update"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab