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Medizin

03. November 2020
Seite 1/3
Wichtige Studienergebnisse zum CRC: ASCO- und ESMO-Highlights

Im Rahmen eines virtuellen Fachpresse-Workshops fassten Experten die neuesten Erkenntnisse im Hinblick auf gastrointestinale Tumoren von den diesjährigen Kongressen der American Society of Clinical Oncology (ASCO) und der European Society for Medical Oncology (ESMO) in kompakter Form zusammen. So präsentierte Prof. Dr. Sylvie Lorenzen, München, u.a. aktuelle Ergebnisse von 6 relevanten Studien beim Kolorektalkarzinom (CRC).
 
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KEYNOTE-177-Studie

Als besonders spannend empfand Lorenzen die Ergebnisse der KEYNOTE-177-Studie, die auf dem ASCO vorgestellt wurden (1): In dieser Studie war der Checkpoint-Inhibitor Pembrolizumab bei Patienten mit metastasiertem CRC (mCRC) mit hoher Mikrosatelliteninstabilität (MSI-H) bzw. mit einer Mismatch Reparatur-Defizienz (dMMR) mit einer Chemotherapie nach Wahl des Untersuchers verglichen worden. Es konnte gezeigt werden, dass Pembrolizumab in diesem Patientenkollektiv zu einer klinisch relevanten und statistisch signifikanten Verbesserung des progressionsfreien Überlebens (PFS) gegenüber dem Chemotherapie-Arm führte (medianes PFS: 16,5 vs. 8,2 Monate; HR=0,60; 95%-KI: 0,45-0,80; p=0,0002). Die 2-Jahre-PFS-Raten betrugen 48,3% unter Immuntherapie vs. 18,6% unter Chemotherapie. Auch das Tumoransprechen war deutlich länger im Pembrolizumab-als im Kontroll-Arm: Die Gesamtansprechrate (ORR) betrug 43,8% vs. 33,1% (p=0,0275). Die mediane Dauer des Ansprechens (DoR) war im Pembrolizumab-Arm noch nicht erreicht vs. 10,6 Monate unter Chemotherapie. Die Therapie mit dem Immuncheckpoint-Inhibitor war dabei für die Patienten verträglicher als die Standardchemotherapie. Dies spiegelte sich auch in den Ergebnissen einer Analyse zur Lebensqualität wider, wie Lorenzen berichtete: „Die Patienten unter der Pembrolizumab-Monotherapie zeigten eine klinisch relevante Verbesserung in ihrer gesundheitsbezogenen Lebensqualität im Vergleich zu denen unter Chemotherapie.“  

BEACON-CRC-Studie

In dieser Phase-III-Studie wurde Encorafenib + Cetuximab mit oder ohne Binimetinib beim BRAF-V600E-mutierten mCRC mit einer Chemotherapie-haltigen Therapie bestehend aus entweder Irinotecan oder FOLFIRI jeweils zusammen mit Cetuximab verglichen. Eine Interimsanalyse hatte ergeben, dass sowohl die Triplett- als auch die Doublet-Therapie das OS und die ORR im Vergleich zur Kontrolle verbessern konnten. Auf dem ASCO-Kongress wurde ein Update zu Überlebensdaten vorgestellt (2): Es zeigte sich ein signifikanter und klinisch relevanter Wirksamkeitsvorteil von Encorafenib + Cetuximab gegenüber der Kontrolle mit einer ORR von 20% vs. 2%. Die Risikoreduktion bezüglich des PFS lag bei 56% (mPFS: 4,3 vs. 1,5 Monate) und im Hinblick auf das OS bei 39% (mOS: 9,3 vs. 5,9 Monate). Bei Patienten unter der Zweifachblockade blieb die Lebensqualität länger erhalten im Vergleich zur Kontrolle. Das Verträglichkeitsprofil erwies sich als jeweils konsistent mit den bekannten Profilen der Einzelsubstanzen und war insgesamt günstiger unter der Zweifachblockade vs. Kontrolle. Lorenzen wies darauf hin, dass die Studie nicht darauf ausgelegt war, die Wirksamkeit der Dreifach- und der Zweifachblockade direkt miteinander zu vergleichen. Es zeigte sich aber, dass diese in den beiden Armen sehr ähnlich war. Allerdings wies die Zweifachblockade das günstigere Verträglichkeitsprofil auf. Lorenzen erklärte, dass es möglicherweise bestimmte Subgruppen gäbe, die von einer Dreifachblockade am meisten profitieren würden. Prinzipiell sei aber die Zweifach-Kombination aus Encorafenib und Cetuximab zu bevorzugen. Aufgrund dieser Studiendaten hat die europäische Arzneimittelagentur (EMA) im Juni dieses Jahres die Zulassung für die Zweifachblockade mit Encorafenib + Cetuximab für Patienten mit BRAF-V600E-mutiertem mCRC nach systemischer Vorbehandlung erteilt. „Damit steht für diese Patienten erstmals eine Chemotherapie-freie Option zur Verfügung“, resümierte Lorenzen.
 
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