Montag, 23. November 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Vargatef
Vargatef
Medizin

16. November 2017 Weniger Nebenwirkungen bei der Tumortherapie mit synthetischen T-Zellen

Eine Immunzelltherapie kann starke Nebenwirkungen haben und die Herstellung der veränderten T-Zellen ist technisch anspruchsvoll. Ein Team von Forschern um ETH-Professor Martin Fussenegger am Departement Biosysteme in Basel schlägt nun einen neuartigen, einfacheren Ansatz vor, um therapeutisch nutzbare synthetische Designer-Zellen zur Bekämpfung von Tumoren herzustellen: Die Forscher haben Nierenzellen und (Fett-)Stammzellen des Menschen drei zusätzliche Komponenten eingebaut und dadurch in synthetische T-Zell-ähnliche Designer-Zellen verwandelt.
Eine der Komponenten der synthetischen T-Zellen sind molekulare Antennen, die weit aus der Zelle herausragen. In der Zellmembran verankert sind zudem Antikörper mit spezifischen Andockstellen, welche Zielstrukturen der entsprechenden Krebszelle erkennen und an sie binden. Die dritte Komponente ist ein Gennetzwerk, das einen Molekülkomplex erzeugt.

Dieser Molekülkomplex besteht aus einem molekularen "Raketenkopf", der die Membran der Zielzelle durchdringt. An ihn gekoppelt ist ein Konvertermolekül, das im Inneren der Krebszelle einen Antitumor-Wirkstoff "scharf" macht.

Die Vorläufersubstanz dieses Wirkstoffs muss dem System von außen beigefügt werden. Krebszellen nehmen diese Substanz auf und das Konvertermolekül wandelt die inaktive in eine aktive Form um. Die Krebszelle platzt, der Wirkstoff wird freigesetzt und eliminiert in der "Todeszone" rund um die synthetische T-Zelle weitere Tumorzellen. "Dieser Bystander-Effekt macht unsere synthetischen T-Zellen noch effektiver", sagt Fussenegger.

Mechanischer Auslöser

Der Mechanismus, welcher die Kaskade bis zur Tötung der Krebszelle in Gang setzt, ist neu und funktioniert physikalisch: Indem die synthetische T-Zelle ihre Zielzelle nahe an sich heranzieht, verbiegen sich die Antennenproteine. Dadurch verliert die Verankerung der Antenne, die in die Zelle hineinragt, den Kontakt zu einem molekularen Schalter, den sie bis dahin blockiert. Als Reaktion auf den "An"-Befehl setzt sich eine Signalkaskade in Gang, welche die Produktion des Molekülkomplexes anschaltet.

Die neuartigen künstlichen T-Zellen haben gegenüber heutigen Krebstherapien einige Vorteile. Während bei Chemotherapien der Körper mit Wirkstoffen geflutet wird, um wenig wählerisch möglichst viele sich schnell teilende Zellen abzutöten, braucht es hier nur wenige künstliche T-Zellen. Zudem sind diese nur lokal und sehr gezielt im Einsatz.

"Unsere neuartigen T-Zellen erkennen und töten metastasierende Krebszellen zu einem sehr frühen Zeitpunkt, an dem andere Therapien nicht greifen", sagt Fussenegger. Ein weiterer Vorteil der Methode: "Die künstlichen T-Zellen arbeiten völlig unabhängig vom Immunsystem, so dass dieses weiter voll funktionstüchtig bleibt und weniger Nebenwirkungen zu erwarten sind."
 
So funktionieren die künstlichen T-Zellen. © ETH Zürich
Lupe
So funktionieren die künstlichen T-Zellen. © ETH Zürich


Mit Baukastensystem zur Generalisierung

Das System ist überdies baukastenartig erweiterbar. Die Forscher können die künstlichen Killerzellen mit verschiedenartigen Andockstellen, die an andere Krebszelltypen binden, ausstatten. Für die vorliegende Arbeit, die in Nature Chemical Biology erschienen ist, verwendeten die Forscher Andockstellen, die ausschließlich einen bestimmten Typ von Brustkrebszellen erkennen. "Mit dieser Technik erzielen wir eine enorme Generalisierung, die mit den aktuell in Krebstherapien verwendeten echten T-Zellen nicht zu erreichen ist", betont Fussenegger.

Noch ist nicht bekannt, ob und wie wie dieses System im Menschen funktionieren wird. Die ETH-Forscher haben ihre neuen Zellen bislang erst in Zellkulturen getestet. "Unser neues System ist momentan weit von einer therapeutischen Anwendung entfernt", sagt der ETH-Professor. "Aber ich denke, wir haben eine neue Front gegen Krebs eröffnet."

Quelle: Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Literatur:

Kojima R, Scheller L, Fussenegger M.
Nonimmune cells equipped with T-cell-receptorlike signaling for cancer cell ablation.
Nature Chemical Biology, published online 13th Nov. 2017. doi: 10.1038/nchembio.2498
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29131143
 


Anzeige:
Piqray

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Weniger Nebenwirkungen bei der Tumortherapie mit synthetischen T-Zellen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab