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22. Juni 2021
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SCD: Häufigere und längere VOC-bedingte Krankenhausaufenthalte nach Vorgeschichte von VOC-Hospitalisierungen – Ergebnisse einer Beobachtungsstudie

Die Sichelzellkrankheit (SCD), die sich unter anderem durch schmerzhafte rezidivierende vasookklusive Krisen (VOCs) und damit verbundene Organschäden präsentiert, wurde trotz ihrer globalen Bedeutung bisher weitgehend vernachlässigt. Trotz Verbesserungen bei Diagnose, Behandlung und Erkrankungsmanagement ist die SCD-Morbidität nach wie vor hoch. Insbesondere die VOCs sind mit relevanter Morbidität und Mortalität assoziiert und stellen die Hauptursache für Krankenhausaufenthalte von SCD-Patienten dar. Eine retrospektive Analyse einer US-amerikanischen Beobachtungsstudie, deren Daten bei der EHA-Jahrestagung 2021 vorgestellt wurden, analysierte mögliche Risikofaktoren, die mit der Häufigkeit und Länge von Krankenhausaufenthalten als Folge von VOCs assoziiert sind (1).
In der multizentrischen US-amerikanischen Beobachtungsstudie NCT01220115 wurden über 3 Jahre prospektive Daten zur SCD erhoben, um die Belastung durch die Erkrankung und das aktuelle Erkrankungsmanagement bei 498 SCD-Patienten ab einem Alter von 2 Jahren besser zu verstehen. Die Daten wurden im Zeitraum zwischen Januar 2010 und September 2014 erhoben. Die aktuelle retrospektive Analyse, deren Ergebnisse Dr. Matthew MacLead Heeney, Boston, MA, USA, beim EHA 2021 vorstellte, fokussierte auf jugendliche und erwachsene SCD-Patienten. In die Analyse gingen die Daten von 202 Patienten ab einem Alter von 16 Jahren ein, für die dokumentierte Daten zu Krankenhausaufenthalten als Folge von VOCs (H-VOCs) vorlagen. Um mögliche Zusammenhänge zwischen den Basischarakteristika der Patienten und dem Therapiemanagement der SCD mit der Häufigkeit und der Länge von H-VOCs zu erkennen, wurde eine negative binomiale Regressionsanalyse durchgeführt, in der Alter, Geschlecht und SCD-Genotyp der Patienten berücksichtigt wurden.

Insgesamt hatten 70,8% der 202 eingeschlossenen Patienten, die je zur Hälfte weiblich und männlich waren, einen HbSS-Genotyp. 97,5% der Patienten waren Schwarze oder Afroamerikaner. Das das mediane Alter der Kohorte betrug 31 Jahre. In den 12 Monaten vor Studienbeginn hatten 36,1% der Patienten Opioide, 14,4% Hydroxyurea (HU) und 51,0% Bluttransfusionen erhalten – 29,7% bis zu 5 Transfusionen und 21,3% mindestens 6. Der mediane Hämoglobinwert der Patienten betrug 8,9 g/dl. Laut Heeney wiesen 95% der Patienten einen Baseline-Hämoglobinwert von unter 10 g/dl auf.

Während des 3-Jahres-Follow-up erlitten 55% der Patienten mindestens eine H-VOC mit einer medianen Dauer von 16 Tagen, bei 39% waren mehrere H-VOCs aufgetreten. Die H-VOC-Historie war signifikant mit einer höheren Rate an nachfolgenden H-VOCs (Inzidenzraten-Ratio (IRR)=4,32; p<0,001) und einer längeren H-VOC-Dauer assoziiert (IRR=5,37; p<0,001). Das gleiche galt für den Zusammenhang von Transfusions-Historie und H-VOC-Rate (IRR=1,58; p=0,030) sowie H-VOC-Dauer (IRR=3,79; p<0,001).

Weitere Analysen ergaben zudem, dass ein HbSC- oder HbSβ-Thalassämie-Genotyp (IRR=1,72; p=0,006), eine Bodymass-Index von < 18,5 kg/m2 (IRR=2,46; p=0,013) und ein höherer Aspartataminotransferase-Spiegel (IRR=1,05; p=0,011) mit einer längeren H-VOC-Dauer assoziiert waren, während höheres Lebensalter (IRR=0,98; p=0,008), männliches Geschlecht (IRR=0,69; p=0,030) und der Einsatz von Opioiden im Vorfeld (IRR=0,73; p=0,045) eine Assoziation mit einer kürzeren H-VOC-Dauer zeigten.

Eine separate Analyse in der Gesamtkohorte der NCT01220115-Studie wies zudem darauf hin, dass auch die Häufigkeit von Bluttransfusionen in den 12 Monaten vor Studienbeginn einen Einfluss auf das Auftreten und die Länge von H-VOCs hatte. So zeigte sich eine Assoziation von ≥ 6 Transfusion im Vorfeld mit der H-VOC-Rate (IRR=1,79; p=0,022), während ein solcher signifikanter Zusammenhang bei bis zu 5 Transfusionen nicht bestand (IRR=1,43; p=0,133). Allerdings waren sowohl seltenere (bis 5) und häufigere (≥ 6) Transfusionen mit einer längeren H-VOC-Dauer assoziiert (IRR=1,83; p<0,001 bzw. IRR=3,57; p<0,001).

Heeney zog aus den bisher vorliegenden Daten den Schluss, dass die H-VOC-Historie in den letzten 12 Monaten signifikant mit einer höheren Rate an nachfolgenden H-VOCs und einer längeren H-VOC-Dauer assoziiert ist, unabhängig von Alter, Geschlecht und Genotyp. Er wies aber auch darauf hin, dass die Daten eine begrenzte statistische Aussagekraft haben und nicht verallgemeinert werden dürfen. Es seien Studien in größeren Kohorten und/oder mit Patienten aus unterschiedlicheren geografischen Regionen erforderlich, um endgültige Aussagen treffen zu können. Dennoch untermauern die vorliegenden Ergebnisse laut Heeney die dringende Notwendigkeit, VOCs mit all ihren negativen Konsequenzen bei Patienten mit SCD weiter zu reduzieren.

Dr. rer. nat. Claudia Schöllmann

Quelle: Virtuelle Jahrestagung der European Hematology Association (EHA) vom 9.-17. Juni 2021

Literatur:

(1) Heeney MM et al. Factors associated with hospital admission due to vaso-occlusive crisis in patients with sickle cell disease: retrospective analysis of 3-year observational study data. EHA 2021, Abstract EP1222 und e-Poster.


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