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Medizin

05. November 2020 Update ESMO-Leitlinie: Ramucirumab plus Erlotinib als neue Erstlinienoption bei aktivierenden EGFR-Mutationen

Die European Society for Medical Oncology (ESMO) hat ein Update ihrer Leitlinien für die klinische Praxis zum metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) veröffentlicht. Danach empfiehlt die ESMO die Kombination aus dem Angiogenesehemmer Ramucirumab (Cyramza®) (1) und dem Tyrosinkinase-Inhibitor Erlotinib als neue Option für die Erstlinientherapie erwachsener Patienten mit aktivierenden Mutationen des epidermalen Wachstumsfaktorrezeptors (EGFR) (2). Grundlage der Einstufung im Evidenzgrad 1B waren die Ergebnisse der Phase-III-Studie RELAY3, die eine signifikante Verlängerung des progressionsfreien Überlebens (PFS) und des medianen Ansprechens durch die Kombination gegenüber Placebo plus Erlotinib zeigte.
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Die Kombination aus Ramucirumab und Erlotinib erhielt im Januar 2020 die EU-Zulassung als Erstlinientherapie von Erwachsenen mit einem metastasierten NSCLC und aktivierenden Mutationen des epidermalen Wachstumsfaktorrezeptors (EGFR) (1). Basierend auf den Ergebnissen der Zulassungsstudie RELAY empfiehlt ein aktuelles Update der ESMO-Leitlinien dieses Regime nun als neue Therapieoption mit dem Evidenzgrad 1B (2). Ziel der internationalen Phase-III-Studie war es, zu zeigen, ob eine kombinierte Blockade des VEGF- und EGFR-Signalwegs mit Ramucirumab und Erlotinib im Vergleich zu Erlotinib alleine, eine dauerhaftere Tumorkontrolle ermöglichen kann (3). Die langfristige Effektivität von Erlotinib ist aufgrund von sich entwickelnden Resistenzen begrenzt (3).

Doppelte Blockade = bessere Tumorkontrolle

Eingeschlossen in RELAY waren 449 therapienaive Patienten im NSCLC-Stadium IV mit den beiden häufigsten EGFR-Mutationen im Exon 19 (Del19) oder Exon 21 (L858R) (3). Randomisiert erhielten sie täglich 150 mg Erlotinib sowie alle 2 Wochen entweder 10 mg/kg Ramucirumab oder Placebo. Im primären Endpunkt ermöglichte die Kombination im Vergleich zum Kontrollarm eine signifikante Verlängerung des PFS um 7 Monate (19,4 vs. 12,4 Monate, HR: 0,59; p < 0,0001). Der Vorteil zeigte sich in allen untersuchten Subgruppen, d.h. er war unabhängig von Geschlecht, Alter, ethnischer Herkunft, ECOG-Status (0 oder 1) oder dem Vorliegen von Lebermetastasen. Auch der Mutationsstatus spielte interessanterweise keine Rolle: So betrug das PFS bei Patienten mit der Exon-19-Deletion 19,6 vs. 12,5 Monate (HR: 0,65; p=0,0098), während Patienten mit der als prognostisch ungünstig geltenden Exon-21-Mutation mit 19,4 vs. 11,2 Monaten in ähnlicher Weise profitierten (HR: 0,62; p=0,0060). Unter der Kombination wurde zudem eine signifikante Verlängerung des medianen Ansprechens erreicht (18,0 vs. 11,1 Monate, HR: 0,62; p=0,0003). Darüber hinaus war der Anteil der Patienten mit einer T790M-Resistenzmutation in beiden Studienarmen etwa genauso hoch (43% vs. 47%) (3). Solche Patienten können in der nächsten Therapielinie mit einem TKI der dritten Generation behandelt werden (4).
Das Sicherheitsprofil von Ramucirumab plus Erlotinib entsprach dem der beiden Einzelsubstanzen beim fortgeschrittenen NSCLC, ohne dass neue sicherheitsrelevante Signale identifiziert wurden. Therapieassoziierte Nebenwirkungen traten unter der Kombination häufiger auf als in der Kontrollgruppe, waren jedoch meist vom Grad 1 oder 2 (3).

„Wir freuen uns sehr, dass die ESMO-Leitlinien für das metastasierte NSCLC nun auch die, Anfang des Jahres neu zugelassene, Kombination aus Ramucirumab und Erlotinib in die Erstlinienempfehlungen aufgenommen haben“, so Professor Martin Reck, Großhansdorf. „Durch die simultane Blockade von gleich 2 Signalwegen ermöglicht dieses Regime eine längere Tumorkontrolle, wobei Patienten mit der bisher als prognostisch ungünstiger eingeschätzten Exon 21-Mutation genauso profitieren wie Patienten mit der Exon 19-Mutation.“

Quelle: Lilly

Literatur:

(1) Fachinformation Cyramza®, aktueller Stand; www.lilly-pharma.de/cyramza.
(2) https://www.esmo.org/guidelines/lung-and-chest-tumours/clinical-practice-living-guidelines-metastatic-non-small-cell-lung-cancer (zuletzt abgerufen 22.9.2020)
(3) Nakagawa K et al., Lancet Oncol 2019; doi: 10.1016/S1470-2045(19)30634-5. Epub ahead of print.
(4) https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/lungenkarzinom-nicht-kleinzellig-nsclc/@@guideline/html/index.html (letzter Zugriff 22.9.2020).


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