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Medizin

29. März 2018 Umfassendes molekulares Tumorprofiling kann bei zielgerichteten Therapie unterstützen

Die Nutzung molekularer Informationen zur Unterstützung der Therapiewahl wird in der Onkologie aktuell intensiv erforscht. Speziell bei seltenen oder weit fortgeschrittenen Krebserkrankungen können sie basierend auf dem jeweiligen Tumorprofil relevante Informationen zu möglichen zielgerichteten Therapien liefern. Der Service FoundationOne® sequenziert mehr als 300 aktuell bekannte krebsassoziierte Gene mit dem Ziel, die Therapieentscheidung von Ärzten zu unterstützen. Auf dem diesjährigen Deutschen Krebskongress (DKK) sprachen Experten aus Klinik und Praxis über den Stellenwert umfassender Tumorprofilings – unter anderem am Beispiel des CUP-Syndroms (Krebs mit unbekanntem Primärtumor).
Eine zielgerichtete Behandlung von Krebspatienten mit seltenen oder fortgeschrittenen Tumoren ist aufgrund der Heterogenität der Erkrankung komplex. Umfassende Tumorprofilings helfen, molekulare Veränderungen zu identifizieren und können somit bei der Therapieentscheidung unterstützen. Der validierte Service FoundationOne® (1) sequenziert den Tumor auf 315 krebsassoziierte Gene und bestimmt zudem die Tumormutationslast sowie die Mikrosatelliteninstabilität. Ein Team aus Bioinformatikern fasst in einem Bericht alle gefundenen Mutationen zusammen und listet dazu passende zielgerichtete Therapiemöglichkeiten sowie laufende Studien auf. Diese Information kann den Arzt bei der Entscheidung hinsichtlich einer zielgerichteten Therapie unterstützen.

Aktuelle Studien beschreiben den Stellenwert eines umfassenden Tumorprofilings

Aktuelle Studien zeigen, dass Patienten vom Einsatz eines umfassenden Tumorprofilings profitieren können. So erhielten beispielsweise in der prospektiven klinischen Studie MOSCATO 01 (2) 199 Patienten mit einem fortgeschrittenen Krebsleiden eine auf die jeweilige molekulare Veränderung abgestimmte Therapie. Bei 193 Patienten konnte der primäre Studienendpunkt untersucht werden. Es zeigte sich, dass 33% der so behandelten Patienten ein wenigstens um den Faktor 1,3 verlängertes progressionsfreies Überleben (PFS) erreichten (primärer Studienendpunkt), als unter der vorangegangenen Therapie. Das dabei erreichte mediane Gesamtüberleben (OS) betrug 11,9 Monate (95%-KI:9,5-14,3 Monate).

Auch in der prospektiven Studie ProfiLER (3), welche im Rahmen des ASCO Kongresses 2017 präsentiert wurde, erfolgte die Therapiewahl bei Patienten mit fortgeschrittener maligner Erkrankung jedweder Histologie auf Grundlage molekularer Tumorprofile. Im Rahmen dieser Studie erhielten 143 Patienten eine auf die jeweilige molekulare Veränderung abgestimmte Therapie. Das mediane 3-Jahres-OS der Patienten, die mit einer zielgerichteten Therapie behandelt wurden, betrug 53,7% gegenüber 46,1% bei den Patienten, die keine zielgerichtete Therapie erhalten hatten (5-Jahres-Überleben: 34,8% vs. 28,1%).

CUP-Syndrom: Geplante Studie untersucht zielgerichtete Therapiewahl nach umfassendem Tumorprofiling

Eine von Roche geplante Studie soll den Nutzen eines umfassenden Tumorprofilings bei Patienten mit einem CUP-Syndrom (Cancer of Unknown Primary, Metastasen bei unbekanntem Primärtumor) prüfen. Nach wie vor besteht ein erheblicher medizinischer Bedarf bezüglich Diagnostik und Therapie bei Patienten mit CUP-Syndrom, denn die Tumordiagnose wird anhand von Metastasen erstellt, ohne dass die Lokalisation des Primärtumors zu eruieren ist (4). In einer geplanten internationalen Studie wird untersucht, wie ein umfassendes molekulares Tumorprofiling genetische Veränderungen identifizieren kann, die mithilfe zielgerichteter Therapien wirksam behandelt werden können.

Bei allen Patienten soll zunächst ein umfassendes Tumormutationsprofil mithilfe des validierten FoundationOne-Panels (1) erstellt werden, mit dem 315 krebsrelevante Gene sowie die Tumormutationslast und die Mikrosatelliteninstabilität analysiert werden. Nach drei Zyklen Chemotherapie sollen die Patienten mit klinischem Ansprechen jeweils in den Standard- oder experimentellen Arm randomisiert werden. Dabei wird die zytostatische Systemtherapie im Standardarm fortgeführt und im experimentellen Arm eine auf dem Tumorprofil basierende zielgerichtete Therapie verabreicht. Der geplante primäre Endpunkt der Studie ist das gepoolte PFS der Patienten in den neun experimentellen Studienstrata im Vergleich zur Standardchemotherapie.

Quelle: Roche

Literatur:

(1) Frampton GM et al. Nat Biotechnol 2013; 31(11): 1023-31
(2) Massard C et al. Cancer Discov 2017; 7(6): 586-95
(3) Tredan O et al. J Clin Oncol 2017; 35(18): Abstract LBA100
(4) Massard C et al. Nat Rev Clin Oncol 2011; 8: 701-10


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