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Medizin
24. Februar 2017

Tumorlokalisation: Metaanalyse zur Erstlinientherapie des mCRC

Patienten mit linksseitig lokalisiertem, metastasiertem Kolorektalkarzinom (mCRC) mit RAS-Wildtyp profitieren in der Erstlinientherapie offenkundig von einer Chemotherapie in Kombination mit einem Anti-EGFR-Antikörper wie Panitumumab (Vectibix®). So die Ergebnisse einer Anfang 2017 publizierten Metaanalyse von 13 kontrollierten und randomisierten Studien zur Erstlinientherapie bei Patienten mit mCRC und einer prospektiven pharmakogenetischen Studie zur prognostischen Relevanz der Tumorlokalisation (1). Eine neue retrospektive Analyse der PEAK-Studie zeigt überdies die gute Wirksamkeit der Panitumumab-basierten Therapie: Bei Patienten mit links gelegenen RAS-WT-Tumoren wurde unter Panitumumab ein Gesamtüberleben von 43,4 Monaten und damit ein bislang einzigartiger Überlebensvorteil von fast einem Jahr gegenüber der Bevacizumab-basierten Therapie (32,0 Monate) erreicht (2).
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Retrospektive Analysen lieferten in letzter Zeit Hinweise, dass die Lokalisation des Primärtumors im Kolon für die Prognose und das Ansprechen auf die Therapie von Bedeutung sein könnte (2-4). Während bei rechtsseitigen Tumoren auf Basis der derzeitigen Daten noch keine optimale Behandlung definiert werden kann, zeigen Untersuchungen zu linksseitigen Tumoren mit RAS-Wildtyp einen Vorteil der EGFR-Blockade (1,5): Auf Basis der Ergebnisse plädieren die Autoren der Metaanalyse bei Patienten mit linksseitig lokalisierten RAS-WT-Tumoren für die Erstlinien-Chemotherapie in Kombination mit einem Anti-EGFR-Antikörper wie Vectibix® (1).
 
Aus fünf Studien der Metaanalyse waren Informationen zu den Therapieergebnissen in Abhängigkeit von der Tumorlokalisation vorhanden (2-4). Sie wurden von der Münchner Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Volker Heinemann in zwei Metaanalysen separat ausgewertet:

· Eine Metaanalyse der Phase III-Studien CRYSTAL und PRIME sollte Daten zum Benefit der EGFR-Blockade zusätzlich zur Erstlinien-Chemotherapie in Abhängigkeit von der Lokalisation des Primärtumors liefern.

· Die zweite Metaanalyse der Phase III-Studien CALGB/SWOG 80405 und FIRE-3 sowie der Phase II-Studie PEAK überprüfte den Einfluss der Tumorlokalisation auf das Outcome der Erstlinien-Chemotherapie in Kombination entweder mit einem Anti-EGFR- oder einem Anti-VEGF-Antikörper.
 
Teilnehmer der Studien CRYSTAL und PRIME mit RAS-WT-Tumoren im linken Kolon profitierten von der zusätzlichen Gabe eines Anti-EGFR-Antikörpers wie Panitumumab zur Chemotherapie mit einer signifikanten Reduktion ihres Mortalitäts- und Progressionsrisikos um relativ gut 30% im Vergleich zur Chemotherapie allein (p<0,0001).

Die zweite Metaanalyse der Studien CALGB/SWOG 80405, FIRE-3 und PEAK bestätigt den Benefit der Anti-EGFR-Therapie gegenüber einer Anti-VEGF-Therapie bei Patienten mit im linken Kolon lokalisierten mCRC mit RAS-WT: So wurde das Mortalitätsrisiko bei Addition eines Anti-EGFR-Antikörpers zur Chemotherapie im Vergleich zur Anti-VEGF-basierten Kombinationstherapie signifikant um relativ 30% reduziert (p=0,0003). Beim Ansprechen ergab sich ebenfalls ein signifikanter Vorteil zugunsten der EGFR-Blockade. Die Arbeitsgruppe um Heinemann bezeichnete die Lokalisation des Tumors im linken Kolon daher als positiven Prädiktor für einen Überlebensvorteil von Anti-EGFR-Antikörpern.
 
Dies spiegelt sich auch in den Therapieempfehlungen der AIO (Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie) wider: Bereits im September 2016 hatte sie auf Basis der retrospektiven Studienanalysen eine Therapieempfehlung kommuniziert (5): Sie spricht sich in der Erstlinientherapie von Patienten mit einem RAS-WT-Tumor und einem Primärtumor im linksseitigen Kolon für die Kombination aus Anti-EGFR und Chemotherapie aus. Bei rechtsseitigen Tumoren handelt es sich laut AIO um eine molekular heterogene Gruppe, sodass weitere translationale Studien abgewartet werden, bevor diese Tumorlokalisation bei der therapeutischen Entscheidung berücksichtigt wird.
 
RAS-Mutationsstatus konsequent analysieren

Die Ergebnisse der Metaanalyse bestätigen, dass die Analyse des RAS-Mutationsstatus eine zentrale Voraussetzung für die Therapieentscheidung darstellt, wie es auch in den Leitlinien festgeschrieben ist (6). Damit Patienten von den Vorteilen einer personalisierten Anti-EGFR-Therapie wie Panitumumab profitieren können, muss zuvor ein RAS-Wildtyp in einem entsprechenden Test nachgewiesen worden sein. Tumorregisterdaten zeigen jedoch einen Rückgang der Testungen des RAS-Status von 84,1% im Jahr 2014 auf 69,1% zwei Jahre später (7).

Quelle: Amgen

Literatur:

(1) Holch JW et al. Eur J Cancer 2017;70:87-98
(2) Boeckx N et al. Ann Oncol 2016;27(Suppl 6): Poster und Abstr. 89P
(3) Lenz H et al. ESMO 2016, Vortrag Special Session „Right or Left metastatic colon cancer: Will the side change your treatment?”
(4) Peeters M et al. ESMO 2016; Vortrag Special Session „Right or Left metastatic colon cancer: Will the side change your treatment?
(5) Statement der AIO-KRK-Leitgruppe zur Wahl der Erstlinientherapie bei Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom ohne Nachweis einer RAS Mutation unter Berücksichtigung der primären Tumorlokalisation: AIO-KRK-0306/FIRE-3- und CALGB 80405 Verfügbar unter: http://www.aio-portal.de/index.php/stellungnahmen.html. Zugriff im Januar 2017.
(6) https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/kolonkarzinom/@@view/html/index.html
(7) iOMEDICO Tumorregister Kolorektales Karzinom, Zwischenauswertung 31.03.2016, unpublizierte Daten


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