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Medizin

04. Oktober 2019 Tumoren im Magen-Darm-Trakt: Operationserfolg in spezialisierten Kliniken deutlich größer

Bei Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts ist die operative Entfernung des Tumors nach wie vor der wichtigste Behandlungsschritt, um die Krankheit erfolgreich zu behandeln. Essentiell für den Therapieerfolg ist auch, dass Krebsoperationen in einer auf das jeweilige Krankheitsbild spezialisierten Klinik erfolgen. Doch noch immer begeben sich viele Patienten in nicht ausreichend qualifizierte Krankenhäuser und erhalten deshalb nicht die bestmögliche Therapie. Was sich ändern muss und was Patienten bei der Wahl der Klinik beachten sollten, erklären Experten auf der Pressekonferenz anlässlich der Viszeralmedizin 2019 in Wiesbaden. Der gemeinsame Kongress von Gastroenterologen, Viszeralchirurgen und Endoskopikern findet vom 2.-5. Oktober 2019 in Wiesbaden statt.
Die häufigste Krebsart des Magen-Darm-Trakts ist Darmkrebs: Etwa 60.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr daran; auch immer mehr junge Menschen sind betroffen. Die Heilungschancen bei Darmkrebs haben sich in den letzten Jahren stetig verbessert: Mehr als die Hälfte der Patienten überlebt die Krankheit heute 10 Jahre und länger. Das wichtigste Verfahren zur Behandlung von Darmkrebs ist eine Operation. „Weitere Therapien wie etwa Chemo- oder Immuntherapie kommen zwar oft ergänzend hinzu – ohne Chirurgie jedoch ist beim Darmkrebs keine Heilung möglich“, macht Prof. Thomas Schiedeck, Ludwigsburg, deutlich. Deshalb sei die Wahl einer geeigneten chirurgischen Klinik für Krebspatienten entscheidend.
 
Krebsoperationen am Magen-Darm-Trakt werden in Deutschland an vielen Kliniken angeboten – der Operationserfolg aber fällt je nach Krankenhaus sehr unterschiedlich aus. Forscher des Fachgebiets für Strukturentwicklung und Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen der TU Berlin verglichen die Ergebnisse von Krebsoperationen zwischen Kliniken, die viele Operationen einer bestimmten Art durchführen und kleinen Kliniken, die nur wenige Operationen durchführen. Das Ergebnis bei Darmkrebs-OPs: In den Kliniken mit den wenigsten Operationen versterben etwa 6,6% der Patienten nach dem Eingriff, in den Kliniken mit den höchsten Fallzahlen etwa 5,2%. Ähnliche Ergebnisse fanden sich auch bei anderen Krebsoperationen des Magen-Darm-Trakts. Besonders frappierende Unterschiede zeigten sich beim Outcome nach Speiseröhrenkrebs-OPs, einem hoch komplexen Eingriff: 5,8% betrug die Sterblichkeitsrate in den Kliniken mit den meisten Eingriffen. Fast doppelt so hoch, 10,5%, war diese in jenen mit den wenigsten Eingriffen.
 
Hinzu kommt: Menschen mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen wird in Kliniken, die über wenig Erfahrung verfügen, mitunter gar keine Operation mehr angeboten. „Häufig fehlt dort die Erfahrung und das Wissen, dass heute sogar Patienten mit metastasierendem Krebs durch eine OP geheilt werden können oder ihr Leben deutlich verlängert werden kann – diesen Menschen bleibt also eine lebensentscheidende Therapieoption versagt“, so Schiedeck.
 
Die Lösung des Problems liege in der Spezialisierung und der Förderung von Behandlungszentren, in denen ausreichend Erfahrung und Routine mit Krebs-OPs bestehe, betont der Experte. Um Krebschirurgie auf höchstem Niveau zu erbringen, müssten diese spezialisierten Zentren personell und apparativ hervorragend ausgestattet werden. „Diese teure Ausstattung, aber vor allem auch das notwendige Personal kann selbst in einem Wohlfahrtsstaat wie Deutschland nicht in jedem Krankenhaus adäquat zur Verfügung gestellt werden – auch das spricht für die Förderung von Zentren“, sagt Schiedeck. Die DGAV empfiehlt, sich bei Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts an jene Zentren zu wenden, die für ihr jeweiliges Krankheitsbild von der DGAV zertifiziert sind. Das Zertifikat erhalten Einrichtungen, die hinsichtlich Anzahl der Operationen, Ausstattung sowie Operationsverfahren strengen Vorgaben genügen. Eine Liste der zertifizierten Zentren veröffentlicht die DGAV auf ihrer Internetseite unter www.dgav.de/zertifizierung.
 
Über die Wahl der geeigneten Klinik bei Krebsoperationen sprechen Experten auch auf der Pressekonferenz anlässlich der Viszeralmedizin 2019. Der Kongress findet vom 2.-5. Oktober 2019 in Wiesbaden statt. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), deren Sektion Endoskopie sowie die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) richten den Kongress gemeinsam aus.

Quelle: Viszeralmedizin 2019

Literatur:

Nimptsch U, Mansky T, Hospital volume and mortality for 25 types of inpatient treatment in German hospitals: observational study using complete national data from 2009 to 2014. BMJ Open 2017;7 :e016184. doi: 10.1136/bmjopen-2017-016184.
Modest, D.P. et al., Surgical treatment options following chemotherapy plus cetuximab or bevacizumab in metastatic colorectal cancer—central evaluation of FIRE-3. European Journal of Cancer, Volume 88, 77-86.


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