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Medizin

09. Dezember 2019 Transfusionspflichtige Myelodysplastische Syndrome: Ansprechen auf Eisenchelation geht im klinischen Alltag mit Überlebensverbesserung einher

Zur Behandlung der Eisenüberladung bei Patienten mit myelodysplastischem Syndrom (MDS) und chronischem Transfusionsbedarf wird Deferasirox (Exjade®) in der klinischen Praxis häufig zur Eisenchelation eingesetzt. Eine bei der 61. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) in Orlando, Florida, USA, vorgestellte retrospektive Kohortenstudie verdeutlichte nun die klinische Relevanz des individuellen Ansprechens bei MDS-Patienten, die eine Eisenchelationstherapie mit Deferasirox erhalten. Ein komplettes Ansprechen auf die Eisenchelation war mit einem verbesserten Gesamtüberleben (OS) und einer reduzierten kumulativen Inzidenz einer AML-Entwicklung assoziiert. Umgekehrt wurde bei Patienten mit Eisenüberladung ein signifikant schlechteres Gesamtüberleben dokumentiert (1).
Zahlreiche klinische Studien haben gezeigt, dass durch Deferasirox bei verschiedenen Kohorten von Patienten mit MDS eine Reduktion der medianen Eisenspiegel erreicht wird. Allerdings fehlen bislang weltweit akzeptierte einheitliche Kriterien zur Beurteilung des individuellen Ansprechens auf die Eisenchelation. Deshalb ist es bisher schwierig, die klinische Relevanz für den einzelnen Patienten zu beurteilen, so die Autoren der italienischen Studie. Um den Einfluss einer Eisenchelation im klinischen Alltag zu evaluieren, wurden retrospektiv 301 MDS-Patienten analysiert, die konsekutiv an insgesamt 20 hämatologischen Zentren in Italien behandelt wurden. Das mediane Alter der Patienten zu Beginn der Eisenchelationstherapie lag bei 74 Jahren, der mediane Ferritin-Wert bei 1.595 ng/ml. Als komplettes Ansprechen (CR) auf die Eisenchelation wurden Ferritin-Werte < 500 ng/ml und als partielles Ansprechen (PR) Ferritin-Werte < 1.000 ng/ml gewertet. Eine Ferritin-Verbesserung (FI) lag definitionsgemäß bei einer Ferritin-Reduktion von > 50% gegenüber dem Ausgangswert vor, wenn die Ferritin-Werten aber noch über 1.000 ng/ml lagen. Außerdem wurden die Kategorien Ferritin-Stabilisierung (FS, Reduktion < 50% oder keine signifikanten Veränderungen im Vergleich zum Baseline-Ferritinwert) sowie Fehlendes Ansprechen (NR) als Anstieg der Ferritin-Werte während der Eisenchelation definiert.

Im Median wurde bei den Patienten 21 Monate nach der MDS-Diagnose und 11,3 Monate nach Beginn der Transfusionstherapie mit der Eisenchelationstherapie begonnen. 12,7% der Patienten erhielten eine Anfangsdosis von < 10 mg/kg Deferasirox, 36,6% eine Anfangsdosis von 10-14 mg/kg, 18,9% erhielten zunächst 15-19 mg/kg Deferasirox und 31,9% starteten mit einer Anfangsdosis von ≥ 20 mg/kg. Bei 281 Patienten konnte die Wirksamkeit der Eisenchelationsbehandlung ausgewertet werden: 12,3% erreichten eine CR, 21,6% eine PR und 7,6% eine FI. Bei 37,2% blieb der Ferritin-Wert stabil und bei 14,6% wurde kein Ansprechen registriert.

Die 5-Jahres-OS-Rate nach Beginn der Eisenchelation betrug in der Gesamtkohorte 43,9%, es zeigten sich aber deutliche Unterschiede zwischen den Gruppen mit unterschiedlichem Ansprechen: Bei den Patienten mit CR lag die OS-Rate bei 74,8%, bei Patienten mit PR bei 51,7% und bei den Patienten mit FI bei 50,6%. Von den Patienten, bei denen nur eine FS erreicht werden konnte, lebten nach 5 Jahren nur noch 38,6% und von den NR-Patienten nur noch 21,1% (p=0,002). Ein ähnliches Bild zeigte sich bei der kumulativen 5-Jahres-Inzidenz einer AML-Entwicklung (CIE). So lag die CIE bei 7,6% bei Erreichen einer CR und bei 27% bei Erreichen einer PR. Bei FI-Patienten betrug die Rate 38,3% und bei FS-Patienten 20,8%. Bei Patienten, die gar nicht auf die Eisenchelation angesprochen hatten, betrug sie 57,7% (p=0,003). Interessanterweise zeigte sich zwischen den Patienten mit PR, FI und FS kein statistisch signifikanter Unterschied, weder hinsichtlich des Gesamtüberlebens noch hinsichtlich der Entwicklung einer AML.

Die Daten aus dem klinischen Alltag unterstreichen nicht nur, wie wichtig ein Ansprechen auf die Eisenchelation für den einzelnen Patienten und damit auch eine Dosisanpassung bei unzureichendem Ansprechen ist. Sie zeigen auch, dass unter einer andauernden Transfusionstherapie bereits das Erreichen stabiler Ferritin-Werte mit einer Verbesserung beim Gesamtüberleben ähnlich der nach Erreichen einer PR oder FI war. Demnach sollte in der täglichen Praxis auch die Stabilisierung der Ferritin-Werte als Ansprechen auf die Eisenchelation gewertet werden, so die Autoren.

Dr. Claudia Schöllmann

Quelle: ASH 2019

Literatur:

(1) Latagliata R et al. Clinical Relevance of Individual Response to Iron Chelation Therapy (ICT) in Patients with Myelodysplastic Syndromes (MDS) and Transfusion Requirement. Poster im Rahmen der 61. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) 2019, 8. Dezember 2019; Abstract 3010


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