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Medizin
Highlights vom AGSMO-Jahreskongress 2021 29. März 2021

Supportivtherapie in der Onkologie ist nicht alles – aber ohne Supportivtherapie ist alles nichts

Die Entwicklung neuer Therapien und Medikamente für Krebspatienten unterliegt einem dynamischen Wandel, und dies erfordert auch die Anpassung und Entwicklung supportiver onkologischer Konzepte. Um diese Themen kümmert sich die Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie (AGSMO) der Deutschen Krebsgesellschaft. Beim ersten virtuellen Jahreskongress der AGSMO am 6. März 2021 wurde die bedeutende und umfassende Rolle der Supportivtherapie für die tägliche Betreuung von Krebspatienten sehr deutlich. Ergänzend zur „klassischen“ onkologischen Supportivtherapie wurden beim Kongress Themen der Pflege, der psychoonkologischen Betreuung, Ansätze in der integrativen Medizin und der Einfluss des „Lifestyles“ bei Krebserkrankungen erörtert. Der AGSMO-Jahreskongress spiegelt die Interdisziplinarität der Arbeitsgemeinschaft wider, alle Facetten der supportiven Therapie wurden abgebildet.
„Die AGSMO hat sich die Ziele gesetzt, Patienten in der aktiven Therapiephase als auch in der Palliativsituation eine bestmögliche Lebensqualität zu ermöglichen“, erläuterte Prof. Dr. Petra Feyer, Berlin, wissenschaftliche Leiterin des AGSMO-Kongresses. Um diese Ziele flächendeckend umzusetzen, arbeitet die Arbeitsgemeinschaft eng mit anderen Arbeitsgemeinschaften, nationalen und internationalen Fachgesellschaften und Gremien sowie öffentlich rechtlichen Trägern der Gesundheitsversorgung zusammen. Seit Beginn des Jahres ist die AGSMO offizielle Unterstützerin der Nationalen Dekade gegen Krebs. Prof. Dr. Karin Jordan, Heidelberg, wissenschaftliche Co-Leiterin des Kongresses, betonte: „Ohne eine adäquate supportive Therapie können wir moderne onkologische Therapiekonzepte gar nicht umsetzen.“

 

Highlights vom Kongress

S 3 Leitlinie „Supportive Therapie bei Onkologischen Patienten“

Einen wichtigen Stellenwert für eine qualitätsgesicherte onkologische Supportivtherapie nehmen nationale und internationale Leitlinien und praxisbasierte Empfehlungen von Fachgesellschaften ein. Dr. Franziska Jahn, Halle, Koordinatorin der Aktualisierung der S3 Leitlinie erläuterte eingangs, dass aktuell ein Update der 10 bereits bearbeiteten Kapitel – Tumorinduzierte Anämie, Antiemese, Granulopoetische Wachstumsfaktoren, Hauttoxizität, Tumortherapie-induzierte Diarrhoe, Periphere Neurotoxizität, Ossäre Komplikationen, Paravasate, Supportive Maßnahmen in der Radioonkologie – erfolgt. Als neue Themen, die in das Update aufgenommen werden, wurden nach einer Umfrage unter den Mitgliedern der AGSMO 4 Themen identifiziert: Autoimmune Erkrankungen als Nebenwirkungen, Kardiotoxizität, Zentrale Neurotoxizität und radiogene Nebenwirkungen am Urogenitaltrakt. Das Update der S3-LL wird für 2022 erwartet.


Chemotherapie-induzierte periphere Polyneuropathie

Die Chemotherapie-induzierte periphere Polyneuropathie (CIPN) ist eine klinisch hoch relevante Nebenwirkung, da sie 60-90% der Patienten betrifft, die ein potenziell neurotoxisches onkologisches Medikament erhalten, sagte Dr. Fiona Streckmann, Basel. Geschädigt werden in erster Linie sensorische und motorische Nervenfasern, und die CIPN ist mit signifikanten Beeinträchtigungen und schlechter Regeneration assoziiert. Es besteht eine zunehmende Evidenz, dass spezifisches, symptomorientiertes neuromuskuläres Training (wie Sensomotorik- oder Vibrationstraining) die Symptome einer CIPN reduzieren, evtl. sogar verhindern kann. Gezielte Bewegungsinterventionen werden in der Supportivtherapie neuropathischer Patienten bislang unterschätzt und sollten daher mehr Aufmerksamkeit erlangen.


Immunassozierte Toxizitäten von Checkpoint-Inhibitoren

Das spezifische Nebenwirkungsprofil von Immuntherapeutika erfordert es, Patienten und Kollegen zu informieren und zu schulen. Die meisten Nebenwirkungen unter Immuntherapeutika treten innerhalb der ersten 12 Wochen nach Therapieeinleitung auf. Diese können durch ein regelmäßiges Toxizitäts-Assessment frühzeitig erkannt werden, wie Kathrin Heinrich, München, erläuterte. Ein erhöhtes Nebenwirkungsrisiko besteht unter CTLA-4 Inhibitoren oder einer Kombinationstherapie aus CTLA-4 Inhibitoren und PD1- oder PDL-1-Inhibitoren. Allerdings können die meisten Nebenwirkungen durch Steroide gut behandelt werden, wobei ein langsames Ausschleichen der Steroide notwendig ist. Eine Re-Exposition nach stattgehabten Nebenwirkungen ist möglich, muss aber nach individueller Risiko-Nutzen-Bewertung abgewogen und mit den Patienten besprochen werden.


Digitalisierung

Die Digitalisierung ist auch im klinischen Alltag zunehmend ein zentrales Thema. Insbesondere die Onkologie ist jedoch noch sehr konservativ aufgestellt und es besteht ein enormer Nachholbedarf. Dr. Friedrich Overkamp, Berlin, gewährte in seinem Impulsvortrag einen Blick in die Zukunft. Noch scheint es unwirklich, dass ärztliche und pflegerische Tätigkeiten durch Roboter ersetzt werden und das medizinische Personal z.B. bei der Blutabnahme abgelöst werden könnte. Overkamp ist jedoch überzeugt, dass sich digitale Tools nach einer Validierung in klinischen Studien durchsetzen werden.


Beratung von Tumorpatienten durch Pflegende & MFAs

Der Informations- und Beratungsbedarf krebskranker Menschen ist gestiegen, wie Kerstin Paradies, die Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Konferenz Onkologischer Kranken- und Kinderkrankenpflege in der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (KOK), betonte. Neue Therapieoptionen (TKI, Immunonkologie, Kombinationstherapien, CAR-T Zelltherapie) bedingen neue Nebenwirkungen und Patienten brauchen einen kontinuierlichen Ansprechpartner. Somit wird eine Spezialisierung hin zur onkologischen Fachpflege immer wichtiger. Ziel der KOK ist es, die Qualität der Pflege und Betreuung krebskranker Menschen durch die Weiterentwicklung der Pflegepraxis und die Förderung der Pflegewissenschaft und -forschung zu verbessern.


Vorträge on demand verfügbar

Der virtuelle Kongress wurde aufgezeichnet. Die freigegebenen Vorträge sind noch bis Anfang Juni auf der Kongressplattform on demand verfügbar. Bitte registrieren Sie sich bei Interesse nachträglich auf der Webseite des Kongressorganisators und Veranstalters RRC-Congress GmbH unter www.agsmo-jahreskongress2021.de.

Quelle: AGSMO


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