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Medizin
02. April 2021

Supportivtherapie: Knochenschutz und Diarrhö-Mangement im Fokus

Knochengesundheit bei onkologischen Patienten und das Diarrhö-Management standen auf dem Programm des virtuellen Fachpresse-Workshops im März (1). Dabei fokussierte Prof. Dr. med. Florian Schütz, Speyer, auf die Knochenprotektion beim hormonrezeptorpositiven Mammakarzinom. Prof. Dr. med. Joachim Drevs, Sickte, beklagte, dass über Diarrhoe selten gesprochen wird, obwohl sie gar nicht selten therapielimitierend sei.
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Bei Brustkrebspatienten wirken antihormonelle Therapien negativ auf die Knochendichte und erhöhen die Frakturgefahr. Insgesamt gilt, je stärker die ovarielle Hormonbildung durch verschiedene endokrine Therapeutika allein oder in Kombination unterdrückt wird, desto höher ist die Osteoporose-Rate (2). Daher benötigen Frauen mit diesen Therapien unbedingt einen risikoadaptierten Knochenschutz, appelliert Schütz.
 

Leitlinie Osteoporose beachten

Bei jeder Patientin mit Indikation für eine endokrine Therapie sollte zunächst ihr Osteoporose- beziehungsweise Fraktur-Risiko bestimmt werden. Liegt bereits vor Therapiebeginn eine verminderte Knochendichte im Sinne einer Osteoporose vor, ist das Risiko für eine Fraktur doppelt so hoch verglichen mit Frauen ohne Osteoporose (3). Ob eine knochenschützende Therapie notwendig ist, sollte immer individuell anhand der Leitlinie „Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose“ des Dachverbands für Osteologie DVO nachgeschlagen werden (4).
 

Therapie und Prävention des Tumortherapie induzierten Knochenmasseverlusts

Zu den Präventions- und Therapiemaßnahmen mit dem höchsten Evidenzgrad gehören Nikotinverzicht, mäßiger Alkoholkonsum und die Vermeidung von Untergewicht (< 20 kg/m2). Sehr wichtig sind auch körperliche Aktivität, die Vermeidung von Immobilisation und die Zufuhr von Kalzium und Vitamin D3. Medikamentös sind Bisphosphonate oder der RANK Ligand Antikörper Denosumab (Prolia®), der die Osteoklastenaktivität inhibiert, indiziert. Beide sind von der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) Mamma als Doppel-Plus-Empfehlung gekennzeichnet, und damit geeignet einer Tumortherapie induzierten Osteoporose entgegenzusteuern bzw. diese zu behandeln (5).
 

Therapiealgorithmus der Diarrhö bei Tumorpatienten

Bei Tumorpatienten treten Diarrhöen mit einer Inzidenz von bis zu 80% auf, wovon es sich bei 30% um schwere Fälle handele, erläuterte Drevs. Diese sind nicht nur chemo- oder strahlentherapiebedingt. Auch die neueren Immun- und zielgerichteten Therapien können – zwar mit anderen Pathomechanismen, aber deswegen nicht minder nachteilig – den Gastrointestinaltrakt schädigen.
Grundsätzlich sollten bei einer Diarrhö Flüssigkeits- und Elektrolytverluste oral oder intravenös substituiert werden. Liegt eine therapieassoziierte Diarrhö vor, ist Loperamid die Therapie der ersten Wahl. Hat sich die Symptomatik nach 48 Stunden nicht gebessert, kann als eine wirksame und unbedenkliche Zweitlinientherapie auf Opiumtinktur umgestellt werden. Bei den Wirkstoffen der Opiumtinktur handelt es sich um verschiedene Alkaloide wie Morphin, Codein, Narcotin, Papaverin und Narcein. Laut DGHO-Leitlinie sind Opiat-Antidiarrhoika eine wesentliche Stütze der symptomatischen Therapie, wenn eine zielgerichtete Behandlung nicht möglich ist (7). Allerdings ist ein BtM-Rezept erforderlich. Drevs wies darauf hin, dass es im Darm und im enterischen Nervensystem nach Opiatgabe keine Toleranzentwicklung gegenüber der obstipierenden Opiatwirkung gebe.
 

Opiumtinktur jetzt als kontrolliertes GMP-konformes Fertigarzneimittel

Seit kurzem gibt es ein GMP (Good Manufacturing Practice)-konformes Opiumtinktur-Fertigarzneimittel unter dem Handelsnamen Dropizol®. Es ist auf 10 mg/ml Morphin standardisiert und enthält als weitere synergistisch wirkende Bestandteile Kodein, Papaverin und Thebain. Damit basiert es auf der jahrelang unveränderten eingestellten Opiumtinktur (8).
Bei den meisten Patienten genüge eine Dosis von morgens und abends 5 Tropfen (entspricht 5mg Morphin täglich; Umrechnung: 10 mg Morphin = 20 Tropfen = 1ml Dropizol®) (9), um die Diarrhö einzustellen, erläuterte Drevs.
Als„Take Home Message“ empfahl Drevs den Kollegen, ihre Patienten gezielt nach Durchfall zu fragen, um rechtzeitig und leitliniengerecht behandeln zu können.

Dr. rer. nat Carola Göring

Quelle: Fachpresse-Workshop „Onkologische Supportivtherapie im Fokus“, 17.03.2021; Veranstalter: pomme-med

Literatur:

(1)    Virtueller Fachpresse-Workshop „Onkologische Supportivtherapie im Fokus“ der POMME-med GmbH am 17. März 2021
(2)    Francis PA et al. N Engl J Med 2018; 379:122-137)
(3)    Bouvard et al. Ann Oncol 2014; 25(4)843-847
(4)    www.dv-osteologie.org – Leitlinien, Kitteltaschenversion, S.4, Tabelle 4.2
(5)    AGO Mamma, Guidelines Breast, Version 2021.1D; www.ago-online.de
(6)    Gnant et al. J Clin Oncol 2007,25:820-828
(7)    Chapman PB et al. N Engl J Med. 2011;364:2507-2516
(8)    Schmidt-Hieber M et al. Ann Hematol. 2018,97(1):31-49
(9)    Fachinformation Dropizol® 10mg/ml Tropfen, Stand August 2019


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