Donnerstag, 13. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Vectibix
Medizin
19. August 2016

Supportive Ernährungstherapie: Stellenwert der medizinischen Trinknahrung bei Tumorpatienten und Frailty

Bilanzierte medizinische Trinknahrung erhöht nicht nur die Nährstoffzufuhr und bessert so den Zustand von mangelernährten älteren Patienten, sondern sie verringert sogar deren Mortalität. Außerdem können auf diese Weise gestärkte Tumorpatienten anstrengende Therapien besser tolerieren und erleiden seltener Komplikationen. Mit präoperativer Immunonutrition fünf Tage vor der Operation – z. B. wegen eines Pankreaskarzinoms – hat der Gastroenterologe, Endokrinologe und Ernährungsmediziner Prof. Dr. med. Matthias Pirlich, Abt. Innere Medizin der Evangelischen Elisabeth Klinik, Berlin, gute Erfahrungen gemacht. Deshalb wendet er diese regelmäßig an, weil sie die Komplikationsrate nach Tumorchirurgie nachweislich senkt.
Prof. Dr. med. Matthias Pirlich, Berlin, veranschaulichte anhand der Kohlezeichnung von Albrecht Dürers Mutter von 1514, was für eine Tumorkachexie typisch ist: Die hochgradige Atrophie der Muskulatur und auch der Kaumuskulatur, der komplette Schwund von subkutanem Fettgewebe und damit das Bild der totalen Auszehrung. Zugrunde liegen Appetitlosigkeit und oft mechanische Probleme bei der Nahrungsaufnahme. Eine Studie mit 400 Patienten mit verschiedenen Tumorentitäten belegt, dass Mangelernährung mit Appetitlosigkeit, Dyspnoe, Obstipation, Insomnie, Erbrechen, Schmerzen und Fatigue einhergeht. „Mangelernährte Patienten sterben früher, unabhängig von Schweregrad und Dauer der Erkrankung. Das ist sogar so, wenn Patienten vermeintlich noch übergewichtig sind“, stellte Pirlich fest. Mangelernährung ist also ein zusätzlicher Faktor für einen prognostisch ungünstigen Verlauf der Krebserkrankung.

Bedarf des Mangelernährten effektiv ausgleichen

Ein Krebspatient soll vorrangig eine proteinreiche (1,2-1,5 g/kg KG/d) und energiereiche Kost erhalten, der mobile Patient 30 kcal/kg/KG/d und der bettlägerige 25 kcal/kg/Kg/d. Der Fettanteil soll mindestens 35% der Gesamtenergiezufuhr betragen und kann bei Insulinresistenz oder zur Erhöhung der Energiedichte auf 50% der Nicht-Eiweiß-Energiezufuhr erhöht werden. „Unsinnige Diäten bringen nichts. Der Patient muss mit einer qualifizierten Diätberatung in Kontakt treten“, riet Pirlich.

Insbesondere weil das Kollektiv oft älter ist und nicht mehr über ein soziales Netzwerk verfügt, setzt Pirlich Trink- oder Sondennahrung ein, die dem Patienten mindestens ca. 600-800 kcal/d extra liefern. „Nutricia hat ein sehr energiedichtes Präparat auf dem Markt, das meiner Ansicht nach genau dem entspricht, was wir uns wünschen, also wenig Volumen, aber viel Eiweiß und Energie“, sagte er. Er hob hervor, dass Produkt- und Geschmacksvielfalt gewachsen sind, weil man Patienten mindestens über einen Zeitraum von drei Monaten damit versorgen möchte.
Eine Metaanalyse von 62 Studien mit 10.187 Patienten belegt eine verminderte Mortalität bei mangelernährten Patienten (n = 2461). „Eine simple Intervention wie Trinknahrung verringerte hier die Komplikationsrate signifikant um 14%“, sagte Pirlich.

Eine weitere Metaanalyse zeigt für 3.790 Patienten im mittleren Alter von 74 Jahren, dass eiweißreiche Trinknahrung einen Gewichtsanstieg und eine Verbesserung der Lebensqualität erzielt. Darüber hinaus beobachtete man eine Verkürzung des Krankenhausaufenthalts um fast 4 Tage (3,77 Tage).

Omega-3-Fettsäuren unterdrücken Interleukin (IL)-6 und hemmen die tumorinduzierte Lipolyse und den Skelettmuskelabbau. Empfohlen wird, Patienten mit Tumorkachexie zur Verbesserung ihrer systemischen Inflammationsmarker, des Appetits, der Nahrungsaufnahme, des Körpergewichts und der Lebensqualität EPA (1,5-2,5 g; auch als Fischöl) zu verabreichen.

Ernährungstherapie und Frailty

Prof. Dr. med. Regina Roller-Wirnsberger, Universitätsklinik für Innere Medizin, Graz/Österreich, mit dem Schwerpunkt Altersmedizin, erklärt „Frailty“ (Gebrechlichkeit) als alterungsbedingten Abbau aller funktionellen Fähigkeiten. Der Begriff meint auch vermehrte Sturzneigung, Abhängigkeit vom Pflegepersonal, Verlust von Selbständigkeit und vorzeitigen Tod.

Ältere Patienten sind in der Regel multimorbide. „Je mehr Syndrome der Patient hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er frail wird und ein Defizit entwickelt, sich selbst zu versorgen“, erinnerte die Referentin. Ein bettlägeriger Patient wird innerhalb von drei Tagen frail und braucht 14 Tage Ernährungs- und Physiotherapie, um ihn in Bezug auf sein Leistungsvermögen wieder auf sein vorheriges Ausgangsniveau zu bringen, erläuterte sie.

Kommt noch eine Tumorerkrankung hinzu, zeigen sich vermehrt systemische inflammatorische Prozesse, eine gesteigerte Kortisolsekretion, Lipolyse und Lipidoxidation, erhöhter Glukoseumsatz bei Insulinresistenz, und durch höheren Eiweißumsatz der extreme Verlust von Muskelmasse.

Der Appetit von onkologischen Patienten verändert sich. Ein Gewichtsverlust gefährdet den Erfolg der bevorstehenden Therapien. Daher kann zusätzliche Trinknahrung, die ein Arzt diesen Patienten schmackhaft macht, die Effekte der onkologischen Kausaltherapie unterstützen, unerwünschte Nebenwirkungen abfangen und ihnen verlorene Lebensqualität zurückgeben.

Fortimel® Compact 2.4 beispielsweise ist eine vollbilanzierte, hochkalorische Trinknahrung mit 2,4 kcal/ml, die 300 kcal pro Flasche mit nur 125 ml enthält. Das Produkt steht in sieben Geschmacksrichtungen und als neutrale Variante zur Verfügung. Alle Fortimel®-Produkte (außer Jucy) können vom Arzt zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden.

Quelle: Nutricia


Das könnte Sie auch interessieren

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Supportive Ernährungstherapie: Stellenwert der medizinischen Trinknahrung bei Tumorpatienten und Frailty"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.