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Medizin
17. August 2015

WCGI 2015: Sunitinib bei gastrointestinalen Stromatumoren: „Individuell dosieren und trotz Progress weiter behandeln“

Patienten mit fortgeschrittenen gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) profitieren in der Zweitlinientherapie mit dem Tyrosinkinase-Inhibitor Sunitinib von einer individualisierten Therapiesteuerung. Erhielten Patienten eine individuell angepasste Dosierung, verlängerte sich das mediane Gesamtüberleben um mehr als das Doppelte, wie aktuelle Daten der bisher größten Behandlungsstudie (1) zu GIST zeigen, die PD Dr. Peter Reichardt, Berlin-Buch, auf einer Pressekonferenz im Rahmen des World Congress on Gastrointestinal Cancer (WCIG) präsentierte. Als vorteilhaft erwies sich auch das Fortführen der Therapie über die Progression hinaus.

Gastrointestinale Stromatumoren sind Sarkome, die ihren Ursprung im Bindegewebe des Magen-Darm-Traktes haben. Ursache der Erkrankung sind meist Mutationen, die die Rezeptor-Tyrosinkinase KIT oder den PDGF-Rezeptor betreffen. Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt und operiert, könne bei etwa 60% der Patienten eine vollständige Heilung erreicht werden, erklärte Reichardt. Für Patienten mit mittlerem bis hohem Rückfallrisiko biete sich eine dreijährige adjuvante Therapie mit dem Tyrosinkinase-Inhibitor Imatinib an. Lokal fortgeschrittene Tumoren sollten neoadjuvant behandelt werden, riet er: „Es ist ethisch nicht vertretbar, Patienten zu gastrektomieren, ohne vorab versucht zu haben, den Tumor medikamentös zu verkleinern“. Etwa 40% der Patienten entwickelten jedoch innerhalb von zwei Jahren eine sekundäre Resistenz gegenüber Imatinib, die zur Tumorprogression führe. Daher biete sich nach Imatinib-Versagen der Tyrosinkinase-Inhibitor Sunitinib (Sutent®) zur Zweitlinientherapie bei GIST an - er gelte weltweit als Goldstandard, so Reichardt. Entscheidend sei es, die Therapie patientenindividuell zu steuern, wie die Nachauswertung der weltweiten Treatment-Use-Studie¹ mit 1.124 Patienten bestätigte, in der es erlaubt war, vom initialen Dosierungsschema (4 Wochen Behandlung mit 50 mg/Tag, 2 Wochen Pause) abzuweichen und die Therapie den Patientenbedürfnissen anzupassen. Patienten, deren Dosisschema variiert wurde, überlebten deutlich länger als jene, die nach striktem Dosisregime behandelt wurden (medianes Gesamtüberleben 23,5 Monate vs 11,1 Monate).

„Zielgerichtete Therapien muss man mit viel Feingefühl steuern. Durch individualisierte Dosierung und flexible Behandlungspausen können wir die Patienten möglichst lange unter Therapie halten. Je länger dies gelingt, desto länger leben die Patienten progressionsfrei sowie insgesamt“, betonte Reichardt. Auch müsse ein Progress nicht die Beendigung der Behandlung bedeuten: „Es ist nicht ratsam, die Therapie allein aufgrund eines radiologischen Befundes, der einen wachsenden Tumor zeigt, zu beenden - wichtiger ist die klinische Einschätzung.“, so Reichardt. Denn der Therapieabbruch führe nahezu obligat zu einer rascheren Tumorprogredienz. Durch das Fortführen der Behandlung über den Progress hinaus gewinne der Patient hingegen zusätzlich etwa ein Jahr mediane Überlebenszeit. In der Studie verlängerte sich das mediane Gesamtüberleben durch die Weiterbehandlung bei Progression von 13,2 auf 22,8 Monate.

Susanne Pickl

Quelle: Pressegespräch „Zeitpunkt und Dauer der Behandlung bestimmen Patientennutzen: Sunitinib bei seltenen GI-Tumoren“ am 3. Juli 2015 anlässlich des 17. World Congress on Gastrointestinal Cancer (WCGIC) in Barcelona; veranstaltet von Pfizer Oncology.

Literatur:

(1) Reichardt P et al., Cancer 2015; 121(9):1405-13.


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