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24. September 2020
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Spezifische Therapie des mCRC mit MSI-H in Sicht

Der Nachweis einer hohen Mikrosatelliteninstabilität (MSI-H) oder einer Mismatch-Repair-Defizienz (dMMR) könnte schon bald die Erstlinientherapie beim metastasierten kolorektalen Karzinom (mCRC) verändern. Der PD1-Hemmer Pembrolizumab (Keytruda®) führte in dieser Situation zu einer deutlichen Reduktion von Progressions- und Sterberisiko im Vergleich zur Chemotherapie.
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Für eine Vielzahl von Tumoren ist das Vorkommen einer MSI-H nachgewiesen. Sie geht einher mit einer höheren Tumormutationslast und deutlich mehr Neoantigenen als bei Tumoren ohne eine MSI, erklärte PD Dr. Gunnar Folprecht vom Universitätskrebszentrum in Dresden. In einer Phase-I-Studie hatte Pembrolizumab bei Patienten mit verschiedenen soliden Tumoren mit MSI-H ein gutes Ansprechen bis hin zur Komplettremission bei jedem fünften Patienten gezeigt (1). In einer Phase-II-Studie bestätigte sich die Wirksamkeit von Pembrolizumab in Zweit- oder Folgelinien der Therapie des mCRC mit MSI-H oder dMMR (2). Die Phase-III-Studie KEYNOTE-177 prüfte Pembrolizumab (200 mg alle 3 Wochen) gegenüber einer systemischen Standardtherapie (nach Wahl des Prüfarztes mFOLFOX6 oder FOLFIRI, mit oder ohne Bevacizumab oder Cetuximab) bei Patienten mit fortgeschrittenem CRC und MSI-H/dMMR mit gutem Allgemeinzustand.

Potenzial für neuen Standard

Nach der ersten Analyse lag das Progressions- oder Sterberisiko in der Patientengruppe mit Pembrolizumab-Monotherapie signifikant um 40% niedriger als bei Patienten, die eine Chemotherapie erhalten hatten (HR=0,60; 95% Konfidenzintervall 0,45-0,80; p=0,0002). Das mediane progressionsfreien Überleben (PFS) war mit 16,5 Monaten mehr als doppelt so lang wie das von Patienten, die eine Standardtherapie erhalten hatten (8,2 Monate). Die 2-Jahres-PFS-Rate lag mit Pembrolizumab bei 48%, mit der Standardtherapie bei 19%. Dabei scheint ein Teil der Patienten sehr langfristig von der Immuntherapie zu profitieren, betonte Dr. Folprecht. Die Toxizität der Pembrolizumab-Therapie war geringer als im Chemotherapie-Arm der Studie und gut beherrschbar, berichtete er. Unerwünschte Wirkungen des Grads 3 und höher entwickelten 22% der Patienten unter Pembrolizumab und 66% der Patienten unter der Standardtherapie. „Meiner Meinung nach ist die Immuntherapie ein neuer Standard der Erstlinientherapie von fortgeschrittenen CRC mit MSI-H/dMMR“, erklärte Dr. Folbrecht. Eine entsprechende Zulassung könnte 2021 erfolgen.

Friederike Klein

Quelle: Symposium: „Von der Leber über Pankreas zum Kolon — ein Überblick über aktuelle Therapieoptionen und Studiendaten“ am 17. September 2020 anlässlich des virtuellen Kongresses „Best of DGVS“ vom 16.-19. September 2020. Veranstalter: MSD

Literatur:

(1) Le DT et al. Science 2017; 357: 409-413. doi: 10.1126/science.aan6733
(2) Le DT et al. J Clin Oncol 2020; 38: 11–19. doi: 10.1200/JCO.19.02107
(3) Andre T et al. J Clin Oncol 2020; 38 (suppl; abstr LBA4). Doi: 10.1200/JCO.2020.38.18_suppl.LBA4.


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