Donnerstag, 26. November 2020
Navigation öffnen
Medizin

20. Juli 2017 Sollen Brustkrebspatientinnen an Tumorkonferenzen teilnehmen?

Tumorkonferenzen bieten den Vorteil, dass bei bösartigen Krebserkrankungen eine Reihe von Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen gemeinsam die einzelnen Fälle bespricht und sich eine umfassende Meinung über die Weiterbehandlung bildet. Sollen künftig auch Brustkrebspatientinnen bei solchen Konferenzen anwesend sein und ihre Erfahrungen einbringen? Diese strittige Frage soll nun in einem gemeinsamen Projekt der Universitätsklinika Bonn und Köln und des Centrums für Integrierte Onkologie Köln Bonn untersucht werden.
Anzeige:
Avastin MammaCA BC
Avastin MammaCA BC
 
Bislang finden Tumorkonferenzen meist ohne Einbeziehung von Brustkrebspatientinnen statt, denn neben einer Reihe von Vorteilen gibt es auch Punkte, die eher dagegen sprechen. Befürworter erhoffen sich davon, dass zum Beispiel die Therapieempfehlungen stärker an den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Patientinnen ausgerichtet werden. Dagegen spricht unter anderem, dass durch die offene Kommunikation in der Runde die emotionale Belastung der Betroffenen zunehmen könnte, weil Fachbegriffe verunsichern oder Ängste ausgelöst werden. Darüber hinaus könnte die Einbeziehung der Patientinnen den administrativen Aufwand für die Tumorkonferenzen stark ausweiten.

„Bislang gibt es keine gesicherten Erkenntnisse zu Risiken und Nutzen der Teilnahme von Patientinnen mit Brustkrebs an Tumorkonferenzen“, sagt Prof. Dr. Nicole Ernstmann von der Forschungsstelle für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Bonn. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Ernstmann und Juniorprofessorin Dr. Lena Ansmann vom Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft der Universität zu Köln soll im Projekt PINTU an insgesamt sechs nordrhein-westfälischen Brustzentren untersucht werden, welche Konsequenzen eine Beteiligung von Patientinnen an den Tumorkonferenzen hat. Das Projekt mit dem vollen Namen „Patient involvement in multidisciplinary tumor conferences in breast cancer care“ (Patientinnenteilnahme an multidisziplinären Tumorkonferenzen in der Brustkrebsversorgung) wird für drei Jahre von der Deutschen Krebshilfe mit rund 247.000 Euro gefördert.

Mit Videoaufzeichnungen betritt die Versorgungsforschung Neuland

Insgesamt sollen 18 Tumorkonferenzen – die Hälfte mit und die andere Hälfte ohne Patientinnenbeteiligung – anhand von Videokameras aufgezeichnet werden. Mit der geplanten Analyse der Filmaufzeichnungen betritt die Versorgungsforschung Neuland. Außerdem sollen mindestens 90 Brustkrebserkrankte unmittelbar vor und direkt nach der Tumorkonferenz sowie vier Wochen später befragt werden. Anhand von standardisierten Fragebögen wollen die Wissenschaftler Informationen unter anderem zur emotionalen Belastung der Brustkrebserkrankten und ihrer individuellen Gesundheitskompetenz gewinnen. Darüber hinaus sollen in Diskussionsrunden mit den teilnehmenden Ärzten, Pflegern, Sozialarbeitern und Psychoonkologen die Erfahrungen diskutiert und hinsichtlich der Machbarkeit ausgewertet werden. Auch die Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V. wird in das Projekt einbezogen.

„Wir freuen uns sehr über die Projektförderung der Deutschen Krebshilfe und sind gespannt auf die Ergebnisse“, sagt Juniorprofessorin Ansmann. Die Resultate der Studie sollen in Fachzeitschriften publiziert und auf Kongressen der Onkologie und Versorgungsforschung diskutiert werden, um Impulse für eine patientenorientierte Versorgung von Krebspatientinnen und weitere wissenschaftliche Studien zu geben.

Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn


Anzeige:
Infothek Sekundäre Immundefekte

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Sollen Brustkrebspatientinnen an Tumorkonferenzen teilnehmen?"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab