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Medizin
07. Dezember 2020
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Sichelzellkrankheit: Trend zu geringerem Opioideinsatz beim Management vasookklusiver Krisen unter Crizanlizumab

Die Europäische Kommission hat kürzlich den Anti-P-Selektin-Antikörper Crizanlizumab (Adakveo®) zur Prävention wiederkehrender vasookklusiver Krisen (VOCs) bei Patienten ab 16 Jahren mit Sichelzellkrankheit (sickle cell disease, SCD) zugelassen. Die Zulassung erfolgte auf Basis der Phase-II-Studie SUSTAIN, die unter Crizanlizumab eine relevante Verminderung von VOCs gegenüber Placebo gezeigt hatte (1). VOCs sind bei der SCD mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität assoziiert. Eine aktuelle Post-hoc-Analyse, die bei der Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) 2020 präsentiert wurde, legt nun auch einen verminderten Opioidverbrauch zum Management der schmerzhaften VOCs nahe. Es zeigte sich ein deutlicher Trend hin zu einer Verminderung der medianen Anzahl der Tage mit Opioidnutzung, ganz gleich, ob die Opioide oral oder parenteral verabreicht wurden (2).
Crizanlizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der mit hoher Affinität an P-Selektin bindet. Diese Bindung auf der Oberfläche des aktivierten Endothels und der Thrombozyten blockiert wirksam die Interaktionen zwischen Endothelzellen, Thrombozyten, Erythrozyten und Leukozyten und wirkt so einer Vasookklusion entgegen. Die Zulassung für Crizanlizumab erfolgte auf Basis der randomisierten Phase-II-Studie SUSTAIN, in der unter Crizanlizumab (5,0 mg/kg) gegenüber Placebo die jährliche Rate an VOCs nahezu halbiert und die Zeit bis zur ersten Krise verdoppelt wurde (1). Eine spätere Post-hoc-Analyse hatte darüber hinaus gezeigt, dass die Wirkung von Crizanlizumab auf VOCs noch vorteilhafter war, wenn die Patienten gemäß dem Studienprotokoll (Per-Protocol-Population) behandelt wurden (3).

Beim ASH-Meeting 2020 stellte Dr. Wally Smith, Richmond, Virginia, USA, eine weitere Post-hoc-Analyse der SUSTAIN-Studie vor, die nach einem medianen Follow-up von 52 Wochen retrospektiv den Opioidverbrauch analysierte, der zum Management der schmerzhaften VOCs notwendig war. Dazu wurden die „jährlichen Tage“ (annualized days) mit Opioidverbrauch für jeden Patienten kalkuliert, indem die Anzahl der Tage mit Opioidnutzung im Studienzeitraum von 52 Wochen durch die Anzahl der Tage unter Behandlung mit Crizanlizumab oder Placebo dividiert wurde.

In die Analyse gingen insgesamt 40 Patienten im Crizanlizumab-Arm und 41 im Placebo-Arm ein. Die beiden Gruppen zeigten vergleichbare Patientencharakteristika. Die medianen jährlichen Tage mit Opioidnutzung waren in der Per-Protocol-Population unter Crizanlizumab im Trend niedriger als unter Placebo, mit einer absoluten Differenz von 2,52 bis 4,0 Tagen, entsprechend einer Reduktion um 51% bis 57%. Wurden speziell die jährlichen Tage mit parenteral applizierten Opioiden analysiert, zeigte sich ein vergleichbarer Ergebnis mit einer absoluten Reduktion der jährlichen Tage mit Opioidnutzung um median 2,01 bis 2,03 Tage und einer relativen Reduktion um 50% bis 67%. In dieser Analyse wurde das Signifikanzniveau erreicht (p=0,047).

Die Ergebnisse dieser retrospektiven Analyse der SUSTAIN-Studie legen nach Smiths Ansicht nahe, dass die Anzahl der jährlichen Tage, bei denen Patienten mit SCD Opioide zum Management schmerzhafter VOCs benötigen, unter dem Einfluss von Crizanlizumab etwa halbiert wird, unabhängig davon, ob die Opioide oral oder parenteral verabreicht wurden. Es spielte auch keine relevante Rolle, ob die Opioide "wie verschrieben“ verabreicht wurden oder nicht. Die aktuellen Daten sind konkordant mit den primären Daten der SUSTAIN-Studie, die eine Verminderung von VOCs unter Crizanlizumab gezeigt hatten, müssen aber noch in weiteren Studien evaluiert werden. Smith: "Das ist eine Hypothesen-generierende Studie, die die weitere Untersuchung der möglichen Reduktion des Opioidgebrauchs unter Crizanlizumab unterstützt."



 

Dr. rer. nat. Claudia Schöllmann

Quelle: 62nd Annual Meeting and Exposition der American Society of Hematology (ASH) vom 5.-8. Dezember 2020

Literatur:

(1) Ataga KI et al: Crizanlizumab for the prevention of pain crises in sickle cell disease. N Engl J Med 2017; 376:429-39.
(2) Smith WR et al. The effect of crizanlizumab on the number of days reqzuiring opioid use for management of pain associated with vaso-occlusive crises in patinets with sickle cell sidease: results from sustain trial. ASH 2020, Abstract 796 und Posterpräsentation.
(3) Liles DK et al: Established prevention of vaso-occlusive crises with crizanlizumab is further improved in patients who follow the standard treatment regimen: Post-hoc analysis of the phase II Sustain study. ASH 2018; Abstract 1082.


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