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Medizin
16. März 2021

Selpercatinib als erster RET-Inhibitor zur Therapie des mNSCLC zugelassen

Mit Selpercatinib (Retsevmo®) steht nun der erste hochselektive RET-Inhibitor für Patienten mit RET-fusionspositivem fortgeschrittenen NSCLC zur Verfügung. Selpercatinib zeigte in der Zulassungsstudie (1) ein starkes und anhaltendes Ansprechen bei günstiger Verträglichkeit. Voraussetzung für die Therapie mit Selpercatinib ist die molekularbiologische Abklärung des RET-Status. Die Zulassungsdaten sowie die Bedeutung der Zulassung für die Patienten diskutierten Prof. Christian Grohé, Heliosklinikum Berlin-Buch und Prof. Reinhard Büttner, Direktor des Pathologischen Instituts am Universitätsklinikum Köln.
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Der RET-Inhibitor Selpercatinib ist in der EU für drei Indikationen als Monotherapie zugelassena (2): Für die Behandlung des RET-fusionspositiven fortgeschrittenen NSCLC bei erwachsenen Patienten, die eine systemische Therapie nach Platin-basierter Chemotherapie und/oder eine Immuntherapie benötigen, für erwachsene Patienten mit RET-fusionspositivem Schilddrüsenkarzinom, die eine systemische Therapie nach einer Behandlung mit Sorafenib und/oder Lenvatinib benötigen sowie für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren mit fortgeschrittenem RET-mutiertem medullären Schilddrüsenkarzinom (MTC), die eine systemische Therapie nach einer Behandlung mit Cabozantinib und/oder Vandetanib benötigen. Die Zulassungen basieren aus den Ergebnissen der Phase I/II-Studie LIBRETTO-001 (1, 3).

Der Lungenkrebs ist mit über 50.000 Neuerkrankungen in Deutschland die zweithäufigste Tumorerkrankung beim Mann und die dritthäufigste bei der Frau (4) und betrifft eine immer größere Anzahl an Nichtrauchern und zunehmend Menschen in immer höherem Lebensalter, sagte Prof. Grohé. Bis vor etwa 10 Jahren lagen die medianen Überlebenszeiten für Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC noch bei ca. 12 Monaten. Mittlerweile unterscheiden sich davon die Überlebenskurven der Patienten, denen eine zielgerichtete Therapie mit Tyrosinkinaseinhibitoren (TKIs) angeboten werden kann sehr stark im positiven Sinn. Mit Selpercatinib steht ein weiterer effektiver TKI für die Behandlung des fortgeschrittenen NSCLC mit einer RET-Treibermutation zur Verfügung. Das betrifft etwa 2% der Patienten mit NSCLC, in den meisten Fällen würde es sich laut Grohé um ein Adenokarzinom handeln.

Die Zulassung beim mNSCLCa beruht auf den Ergebnissen von 105 Studienteilnehmern der LIBRETTO 001-Studie, die zuvor neben einer platinbasierten Chemotherapie oft auch Checkpoint-Inhibitoren und/oder Multikinase-Hemmer erhalten hatten. Die Behandlung bestand aus 2x täglich 160 mg Selpercatinib. Die Patienten erzielten eine objektive Remissionsrate (ORR=primärer Endpunkt) von 64% (95% KI 54-73%). Für eine 2.-3.-Linienstudie ist dies Grohé zufolge eine sehr hohe Ansprechrate, die für die Effektivität des Medikaments spricht. Das Ansprechen war unabhängig von der Vorbehandlung (Anti-PD-1-/Anti-PD-L1-Therapie oder MKI) und auch unabhängig vom RET-Fusionspartner. Die Ansprechdauer (DoR) betrug 17,5 Monate (95% KI 12,1-NE) nach einer medianen Beobachtungszeit von 15,7 Monaten. Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) lag bei 16,5 Monaten und die 1-Jahres-PFS-Rate bei 66% (95% KI 55-77%). Selpercatinib erwies sich auch bei Patienten mit Hirnmetastasen als sehr gut wirksam. Die intrakranielle ORR lag bei 87% (95% KI 66,4-97,2) und die mediane DoR im ZNS betrug 9,36 Monate.

Selpercatinib zeigte in der LIBRETTO-001-Studie ein gut zu kontrollierendes Nebenwirkungsprofil. Häufige unerwünschte Ereignisse (UE) aller Grade waren Diarrhoe und Mundtrockenheit. Häufigste therapieassoziierte unerwünschte Ereignisse vom Grad 3 oder höher waren Hypertension sowie erhöhte Werte der Alanin- und der Aspartat-Aminotranferase, die durch Dosismodifikationen meist reversibel waren. 2% der Teilnehmer brachen die Studie aufgrund therapieassoziierter Nebenwirkungen ab.

Die Anzahl therapierbarer Biomarker nimmt stetig zu, was für Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC neue Chancen auf ein Langzeitüberleben bedeutet. Voraussetzung für die gezielte Therapie von Lungenkrebs mit Treibermutation ist die genetische Testung. Das Next-Generation-Sequencing (NGS) ermöglicht ein umfassendes genomisches Profiling und damit den Nachweis aller therapierelevanten Veränderungen beim NSCLC in einem Test, erklärte Prof. Büttner. Ein großer Vorteil des NGS liegt darin, dass nur wenig Tumormaterial benötigt wird. Neue Richtlinien der ESMO empfehlen bei Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC ohne Plattenepithel-Histologie das NGS von Tumorgewebeprogen oder Plasmaproben.

a Bedingte Zulassung: Dieses Arzneimittel wurde unter „Besonderen Bedingungen“ zugelassen. Das bedeutet, dass weitere Nachweise für den Nutzen des Arzneimittels erwartet werden. Die Europäische Arzneimittel-Agentur wird neue Informationen zu diesem Arzneimittel mindestens jährlich bewerten und, falls erforderlich, wird die Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels aktualisiert werden.

Dr. rer. nat. Anita Schweiger

Quelle: Virtuelle Launch-PK „Retsevmo® – erster hochselektiver RET-Inhibitor. Neue präzisionsonkologische Therapieoption beim mNSCLC", 9. März 2021, Veranstalter: Lilly

Literatur:

(1) Drilon A. et al. Efficacy of Selpercatinib in RET Fusion–Positive Non–Small-Cell Lung Cancer. N Engl J Med 2020; 383:813-24. DOI: 10.1056/NEJMoa2005653.
(2) Fachinformation Retsevmo®, Stand Februar 2021
(3) Wirth L.L et al. Efficacy of Selpercatinib in RET-Altered Thyroid Cancers. N Engl J Med 2020;383: 825-35. DOI: 10.1056/NEJMoa2005651.
RKI. Krebs in Deutschland Stand 2015


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