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Medizin
02. Mai 2013

Schmerzpreis NRW verliehen

Während des von den regionalen Schmerzzentren Wuppertal und Remscheid organisierten Schmerz- und Palliativkongresses 2013 wurde zum sechsten Mal der Schmerzpreis NRW* verliehen. Der Schmerzpreis NRW 2013 wurde in diesem Jahr Prof. Dr. Jürgen Sandkühler, Leiter der Abteilung für Neurophysiologie des Zentrums für Hirnforschung an der Medizinischen Universität Wien, für seine Verdienste zum Verständnis von Schmerzchronifizierung, Schmerzgedächtnis sowie zur Wirkungsweise von Analgetika verliehen.

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Unter einer Allodynie oder Hyperalgesie versteht man eine gesteigerte Schmerzempfindlichkeit. Prof. Sandkühler ist den zentralen Mechanismen, die zur Entstehung dieser anormalen Schmerzzustände führen, auf den Grund gegangen und konnte zeigen, dass Nervenzellen im Rückenmark für die Hyperalgesie verantwortlich sind. Die unnatürliche Schmerzverstärkung kommt durch eine synaptische Potenzierung (long-term potentation, LTP) zustande. Zu einer LTP kommt es bei Wundschmerz, Entzündungsschmerz, Muskelschmerz und neuropathischem Schmerz. Sandkühler fand nun am Tiermodel, dass eine Umkehr der LTP durch sehr hohe Opiatdosen möglich ist. Bevor dieser Therapieansatz allerdings beim Menschen eingesetzt werden kann, ist eine Validierung durch klinische Studien erforderlich. Die Schmerzfreiheit ist, so Sandkühler, die Balance aus Erregung und Hemmung. Diese Balance werde durch LTP und Disinhibition gestört. Als Therapieansätze zur Stärkung der körpereigenen Schmerzabwehr können  Monoamine, Opioide und Kaliumkanalöffner (z.B. Flupirtin) verwendet werden.   

Die Diagnose Rückenschmerzen wird in Deutschland immer häufiger gestellt, so Thomas Cegla, Wuppertal. Oft werden Rückenschmerzen chronisch und verursachen steigende Kosten im Gesundheitssystem. Durch Fehl- und Schonhaltung kommt es oft zu Verspannungen, Einschränkung der Beweglichkeit und muskulären Schmerzen mit hohem Chronifizierungspotenzial. Diesem Teufelskreis muss, so Cegla, frühzeitig durch die Anwendung einer multimodalen Schmerztherapie entgegengewirkt werden. Ein Bestandteil dieser Therapie kann der analgetische Wirkstoff Flupirtin retard sein, da er zusätzlich zur Analgesie auch schmerzhafte Muskelverspannungen löst.

Prof. Dr. Jürgen Borlak, Zentrum Pharmakologie und Toxikologie, Hannover, zeigte auf, dass viele schmerztherapeutische Medikamente eine Organtoxizität aufweisen. So sind nichtsteroidale Antirheumatika nieren- und leberschädigend. Solchen unerwünschten Wirkungen muss - besonders bei Langzeittherapie - durch eine engmaschige Erfassung von Nieren- bzw. Leberfunktion und eine eventuelle Umstellung der Medikation begegnet werden. Für die sehr seltenen Spontanmeldungen von Lebernebenwirkungen unter Flupirtin muss unbedingt die Kausalität hinterfragt werden. Wie Borlak in einer 2011 publizierten Studie zeigen konnte, können nur 20% der Spontanmeldungen unter Flupirtin nicht durch andere Umstände wie Begleiterkrankungen und Komedikation erklärt werden.

Zu einer Opioid-induzierten Hyperalgesie (OIHA) kommt es oft unter einer länger andauernden hoch dosierten Opioid-Therapie, erklärte Dr. Uwe Junker. Leider werde die klinische Relevanz extrem unterschätzt. Auch hier sei ein frühes Erkennen und therapeutisches Reagieren für das Wohl des Patienten immens wichtig. Beispielsweise biete sich eine Umstellung von dem Opioid Fentanyl auf ein anderes Opioid wie Buprenorphin an, da Buprenorphin die geringste Potenz für eine OIHA aufweist, da es am µ-Rezeptor auch als partieller Antagonist wirke.

* Gestiftet wurde der Preis von der Firma Teva. Der Schmerzpreis NRW wird jährlich an Institutionen oder Personen verliehen, die sich um die Erforschung und Prävention chronischer Schmerzzustände verdient gemacht oder durch ihre Arbeit oder ihr öffentliches Wirken entscheidend zum Verständnis des Problemkreises Schmerz und der davon betroffenen Patienten beigetragen haben.

Quelle: Teva


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